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Breitband | Beitrag vom 31.08.2019

Forscherin über den Einfluss von Influencern"Das ist nicht die Realität"

Elizabeth Prommer im Gespräch mit Vera Linß und Marcus Richter

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YouTuberin macht einen Kussmund neben ihrem Hologramm. (dpa/ Jens Kalaene)
Die Youtuberin Bianca „Bibi“ Heinicke ist eigentlich mit Beauty-Empfehlungen bekannt geworden. Seit Mai 2017 ist sie als Hologramm bei "Madame Tussauds" in Berlin zu sehen. (dpa/ Jens Kalaene)

Je stärker Jugendliche bei Instagram, YouTube und Co. aktiv sind, desto stereotyper sind ihre Ansichten zur Rollenverteilung, hat eine aktuelle Studie ergeben. Die Medienforscherin Elizabeth Prommer betrachtet die Ergebnisse differenziert.

Die jüngste Umfrage zur Mediennutzung junger Menschen zwischen 14 und 32 Jahren vom Verein Plan International ergibt: Je stärker die Jugendlichen bei Instagram, YouTube und Co. aktiv sind, desto stereotyper sind ihre Ansichten zur Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Plan International macht für das Ergebnis die große Menge stereotyper Darstellungen in den Sozialen Medien verantwortlich. So haben professionelle Influencer und Influencerinnen eine Vorbildfunktion für viele junge Menschen, die in den sozialen Netzen aktiv sind.

Das Geschlechterbild ist traditionell und eingeschränkt

Die Ergebnisse der Umfrage von Plan International decken sich mit den Resultaten der Studie der MaLisa Stiftung, die zum Jahresbeginn veröffentlicht wurde. Daran beteiligt war auch Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock.

So sei das Geschlechterbild, das auf den jeweiligen Social-Media-Plattformen verbreitet werde, traditionell und eingeschränkt, sagt Prommer. "Frauen sind im Wesentlichen schön."

Ob das aber direkte Auswirkungen auf junge Menschen habe und stereotype Vorstellung verstärke, mit solchen Rückschlüssen wäre Elizabeth Prommer vorsichtig. Was die Forscherinnen und Forscher aber sagen können: Auf den jeweiligen Plattformen werde kein diverses Bild der Gesellschaft vermittelt, zumindest nicht im Mainstream. Und aus ihren Studien wisse Prommer, dass es für eine traditionelle Präsentation mehr Likes gebe:

"Je stereotyper ich mich darstelle auf Social Media, desto rollenkonformer, desto mehr Likes habe ich, beziehungsweise desto weniger Hate-Speech habe ich."

Wer sich also rollenkonform verhalte, würde negative Reaktionen vermeiden, erläutert Prommer.

Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung, stellt am 12.07.2017 in Berlin die Studie "Audiovisuelle Diversität ? - Geschlechterdarstellung in Film und Fernsehen in Deutschland" vor. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung in Rostock. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Das Interessante an der Studie von Plan International sei, so die Wissenschaftlerin, dass vor allem Jungs einem "konservativen Rollenbild" anhängen würden. Und durch die Vielzahl der traditionellen Darstellungen auf den Plattformen würde dieses Bild auch nicht "aufgebrochen" werden. Bei dieser Entwicklung sieht Prommer auch die Internetkonzerne selbst mit in der Verantwortung. So werde die erzeugte Dynamik bei Instagram oder Youtube auch durch Algorithmen mitbestimmt.

"Das heißt, was viel gelikt wird, wird durch den Algorithmus nach oben gespült". Und damit würde ein vermeintlicher Mainstream dargestellt, so Prommer. Obwohl es natürlich eine Vielfalt an Bildern bei Instagram und Co. gebe: "Es gibt die ganze Body-Positiv-Bewegung, es gibt Fuck-You-Cancer-Bewegungen, wo über Krankheiten sich ausgetauscht wird, aber das wird durch den Algorithmus nicht so bedient."

Privatwirtschaftliche Unternehmen wollen Geld verdienen

Ein anderer Aspekt sei der Markt. Die sozialen Medien "sind ja nicht sozial", sagt Prommer. Es handele sich um privatwirtschaftliche und kapitalistische Unternehmen, die Geld verdienen wollen und meistens in Amerika sitzen würden.

"Der Werbedruck, der dort ausgeübt wird, führt dazu, dass Frauen im Wesentlichen nur Werbung bekommen und sich refinanzieren können über Beautyprodukte und Schönheit. Die können jetzt nicht für Autoreifen Werbung machen. Männer können für alles Werbung machen."

Elizabeth Prommer wolle dennoch die Bedeutung der sozialen Medien nicht überbewerten. So seien nur "drei Prozent der Deutschen auf Twitter", sagt die Wissenschaftlerin. Das sei nicht der "Querschnitt" und nicht die "Realität". Ziel müsse es sein, zu zeigen, dass es mehr Vielfalt im Internet gibt. Helfen könnten dabei auch der Öffentlich-rechtliche Rundfunk und medienpädagogische Arbeit.  

(jde)

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