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Fazit | Beitrag vom 09.11.2020

Forderung nach neuem HilfsfondsMit dem Schoko-Weihnachtsmann die Kultur fördern

Ruth Reinecke im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Schauspielerin Ruth Reinecke blickt in Richtung des Betrachters. (imago-images / Doris Spiekermann-Klaas/TSP/)
Schauspielerin Ruth Reinecke fordert gut verdienende Unternehmen auf, der Kulturszene zu helfen. (imago-images / Doris Spiekermann-Klaas/TSP/)

Wie kann die Kulturszene die Coronakrise überleben? Schauspielerin Ruth Reinecke fordert eine Kulturabgabe. Gut verdienende Branchen sollten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und einen Fonds für Bildung und Kultur auflegen. Sonst drohe ein Kulturverlust.

Nach der erneuten Schließung von Kunst- und Kulturbetrieben wachsen vielerorts die existenziellen Sorgen. Und eine Debatte über den Umgang mit der Krise ist entfacht. Thomas Ostermeier, Intendant der Berliner Schaubühne, schlug vor, die Theater im Winter geschlossen zu lassen und dafür im Sommer durchzuspielen. Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin von "Kampnagel" in Hamburg, forderte sinnstiftende Betätigungen der Theater in anderen gesellschaftlichen Bereichen. 

Die Schauspielerin Ruth Reinecke schlägt nun vor, dass sich gut verdienende Firmen zusammenschließen, um einen Fonds für Kultur und Bildung aufzulegen und damit ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung zu setzen.

Gewinner sollen gesellschaftliche Verantwortung zeigen

Ruth Reinecke sieht hier nicht nur Staat oder Politik in der Verantwortung: "Es verdienen genug Branchen an dieser Pandemie, also Supermarktketten, Auto-, Pharmariesen, die Konsumtempel und so weiter."

Man müsse sich nur vorstellen, dass bei jeder zehnten Rolle gekauften Toilettenpapiers oder eines Schoko-Weihnachtsmanns die entsprechende Kette einen Euro oder fünfzig Cent in einen Fonds dazugetan hätte.

Durch die Pandemie droht ein Kulturverlust

"Warum gibt es nicht so ein Signal aus der Gesellschaft?" fragt Ruth Reinecke. "Das sind nicht nur die Theater, Museen oder Konzerte, das ist ein ganzes Netz von gewachsenen innerstädtischen oder ländlichen Spielstätten. Wo ist die gesellschaftliche Verantwortung dafür?"

Diesen nun formulierten Vorschlag einer Abgabe könne Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier als ernsthaften Impuls in Wirtschaftskreise einbringen, forderte die Schauspielerin. "Es geht um mehr als nur ein 'bisschen Kultur' und darum, 'dass die Leute sich mal entspannen' können. Es geht um einen riesigen Bildungskanon, der uns verloren geht." Hier drohe ein Kulturverlust.

Die engagierte Schauspielerin warnt zudem vor neuen Verteilungskämpfen "nicht nur innerhalb der etablierten Kulturbranche, sondern auch von den freien Trägern." Schon jetzt sei unklar, wie die aktuellen Verluste der Branche aufgefangen werden könnten. "Das ist nicht nur eine staatliche Aufgabe, sondern es wäre gut, wenn es ein Signal von einer anderen Seite dieser großen, reichen deutschen Gesellschaft gebe."

(rja)

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