Samstag, 20.10.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 13.10.2018

Foodblogger Stevan Paul und Verlegerin Julia Graff Für ein gutes Kochbuch nehme man...

Moderation: Klaus Pokatzky

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Tomaten, ein Kochbuch und ein Topf stehen bereit, um Spaghetti zu kochen.  (imago/Becker&Bredel)
Tomaten, Topf und das Kochbuch: Kochen nach Zahlen. (imago/Becker&Bredel)

In der Buchhandlung füllen sie Regale, es gibt sie für alle Geschmäcker: Kochbücher. Wir sprechen mit einem Foodblogger, der auch Bücher veröffentlicht, und der Leiterin eines der letzten unabhängigen Kochbuch-Verlage über eine ganz eigene Gattung.

Sie füllen meterweise die Regale in Buchhandlungen: Kochbücher. Es gibt nichts, was es nicht gibt: Ob vegane oder vegetarische Küche, Low-Carb-Empfehlungen oder Steinzeit-Diät, deftige Regional- und Landfrauen-Rezepte oder die heißesten Küchentipps der Fernsehköche. Jeder dürfte zu Hause ein oder mehrere Exemplare haben. Aber kochen wir auch danach? Was macht ein gutes Kochbuch aus?

"Im Gespräch" diskutieren wir mit einem Food-Blogger und Kochbuchautor und einer Kochbuch-Verlegerin.

"Kochen ist meine Leidenschaft!", sagt Stevan Paul. Seine zweite Leidenschaft: Das Schreiben. Der gelernte Koch hat beides verbunden: Er ist Kochbuch-Autor und betreibt den Food-Blog nutriculinary.com. "Kochbücher sind heutzutage Lesebücher, Couchbooks. Die Rezeptsammlungen sind der eine Markt; die Zukunft liegt aber in opulenten Büchern, die etwas zu erzählen haben." Sein neues Kochbuch "Blaue Stunde. Rezepte, die den Abend feiern" stellt klassische Kleinigkeiten vor: Antipasti, Tapas, Mezze – begleitet von regionalen Geschichten und aufwändig gestalteten Fotos. Stevan Paul schätzt die Mischung aus klassischem Kochbuch und Blog: "Das ist sensationell! Wir können endlich mit unseren Leserinnen und Lesern reden. Sie haben sehr kurze Wege zu mir, sie können mich jederzeit ansprechen."

Kulturelle Errungenschaft

Kochen sei eine wichtige kulturelle Errungenschaft, es verbinde Menschen. Er koche nach wie vor jeden Abend, auch gern für Freunde. "Was mir Sorgen macht, ist dass das alles Kindern nicht mehr vermittelt wird. Die heutige Frauengeneration hat das schon nicht mehr von ihren Müttern gelernt. Und die Männer verwechseln Grillen mit Kochen. Mir geht es dabei auch um die Alltagsküche."

"Wir lieben Genuss. Unsere Bücher sind Teil unserer Leidenschaften", sagt Julia Graff. Gemeinsam mit ihrer Schwester Simone leitet sie in der vierten Generation den Hädecke Verlag, der im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird. Gearbeitet wird im Haus der Urgroßeltern, die den Verlag 1919 gründeten. Die Rezepte von "Uromi Mizzi" werden bis heute nachgekocht. "Wie oft standen wir als Kinder schon mit am Herd und waren fasziniert von Soßendüften und Teigresten, von großen Töpfen und allerkleinsten Pfännchen." Auch in ihren Kochbüchern geht es längst nicht mehr nur um die reinen Rezepte; mit Kochen könne man genussvoll die Welt erfahren: "Wir wollen die Leute begeistern, auch anstiften, Dinge zu entdecken, auch rauszugehen, nicht nur in ihren vier Wänden zu kochen. Die Kombination aus Koch- und Reisebuch ist ein absoluter Trend. Die Leute wollen wissen: Wo kommen die Rezepte her? Welche Menschen stecken dahinter?"

Als kleiner Verlag merken sie die Schwankungen auf dem Kochbuchmarkt besonders stark. Durch Kochshows im Fernsehen, den Boom von vegetarischer und veganer Küche und die Streetfood-Bewegungen sei Kochen in den letzten Jahren sehr angesagt gewesen. Nun kläre sich der Markt. Aber Julia Graff setzt auf ihre eigene Begeisterung. "Es macht einfach unfassbar großen Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die auch eine Liebe zum Genuss und zum guten Buch mitbringen. Das erhält einem die Lust am Büchermachen. Wenn wir nur arbeiten würden, um Geld zu verdienen, würden wir wahrscheinlich keine Kochbücher mehr machen."

Kochbücher: Von Großmutters Rezeptsammlung zum Lifestyle-Produkt  Klaus Pokatzky diskutiert in der Sendung "Im Gespräch" am Samstag, 13. Oktober von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Stevan Paul und Julia Graff. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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