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Interview | Beitrag vom 09.07.2019

Folgen des Klimawandels Fichte ohne Zukunft

Peter Biedermann im Gespräch mit Dieter Kassel

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Junge Fichten wachsen in einem vom Borkenkäfern befallenen und abgestorben Fichtenwald auf dem Berg Achtermann im Harz. (Swen Pförtner/dpa/picture alliance )
Immer mehr Fichten machen Klimawandel und Borkenkäfer zu schaffen (Swen Pförtner/dpa/picture alliance )

Mit dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder rechnet der Tierökologe Peter Biedermann: In Flachlagen könnte es bald keine Fichten mehr geben. Sie leiden unter der Trockenheit und werden zum Opfer der Borkenkäfer.

Die trockenen Sommer setzen dem Wald in Deutschland zu. Vor allem die Fichten leiden unter Trockenheit und Hitze. Die Bäume sind dadurch dem Befall durch Borkenkäfer nicht mehr gewachsen, sagt der Tierökologe an der Universität Würzburg, Peter Biedermann, im Deutschlandfunk Kultur.

Doppelte Gefahr

"Fichten leiden besonders unter der Trockenheit, weil sie Flachwurzler sind", sagt Biedermann. Da der Boden durch den Regenmangel immer mehr austrockne, gehe den Fichten relativ schnell das Wasser aus. Der Borkenkäfer sei im Wald eigentlich ein wichtiges Tier, das nur geschwächte Bäume oder totes Holz befalle und die Diversität im Wald fördere. Die Fichten seien aber so geschwächt, dass sie den Borkenkäfer nicht mehr abwehren könnten.

Ein Borkenkäfer sitzt auf einem Fichtenstamm im Reichswald. Zahlreiche Insekten fallen wie eine Plage über Bäume und Gärten her. (Daniel Karmann/dpa )Für Borkenkäfer werden die Fichten durch die Trockenheit zum leichten Opfer. (Daniel Karmann/dpa )

Daraus ergebe sich inzwischen eine dramatische Lage, sagte Biedermann. Die Waldbesitzer wüssten im Flachland nicht mehr wohin mit dem ganzen anfallenden Fichtenholz. Sie seien gesetzlich dazu verpflichtet, befallende Bäume aus dem Wald zu entfernen. "Zusätzlich sind die Sägewerke voll." Mit dem Verkauf der Fichten seien kaum noch Erlöse zu erzielen, weil der Preis so am Boden sei. "Die Situation ist wirklich dramatisch deutschlandweit", sagte Biedermann.

Unklare Zukunft

Durch den rasanten Klimawandel sei es allerdings schwierig, Voraussagen zu treffen und zu sagen, welche Baumarten im Flachland in Zukunft noch wachsen werden. "Es gibt eigentlich keinen Forstwirt mehr im Flachland, der jetzt noch Fichten pflanzt."

Sollte es zu einem Temperaturanstieg von fünf Grad kommen, seien selbst Baumarten wie die Buche nicht mehr angepasst. "Das hat wirklich dramatische Auswirkungen auf unsere Wälder."  

Die Fichte werde im Flachland  voraussichtlich zu einer seltenen Baumart werden, nicht aber in höheren Lagen, sagte der Wissenschaftler."Aber im Bergland wird die Fichte weiter dominante Baumart sein." Es gebe mehr Niederschlag und der Borkenkäfer könne sich nicht so gut entwickeln.

(gem)

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