Donnerstag, 15.11.2018
 

Der Theaterpodcast | Beitrag vom 09.11.2018

Folge 9Überwältigende Übergänge

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

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Die Schauspielerin Sesede Terziyan (als Elisabeth) steht am 10.01.2018 in Berlin bei der Fotoprobe zu dem Stück "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)
Die Schauspielerin Sesede Terziyan ist in dieser Podcast-Folge zu Gast. Hier spielt sie die Elisabeth in "Glaube Liebe Hoffnung" im Maxim Gorki Theater. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa)

Ist das "Postmigrantische Theater" ein Erfolg? Wie erlebten jüdische Bühnenkünstler Deutschland eigentlich nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen wir auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker Dirk Pilz.

Gesellschaftlich wirksames Theater – gibt es das? Im Falle des "Postmigrantischen Theaters": Ja. Wer "deutsch" ist, wird anders oder bunter gesehen als noch vor zehn Jahren. Und das Anliegen, die Vielfalt der Gesellschaft auf den Bühnen abzubilden, ist mittlerweile Mainstream, wenn auch in den Ensembles noch nicht Wirklichkeit. Zehn Jahre postmigrantisches Theater: Das ist eines der Themen im Theaterpodcast. Als Gast haben Susanne Burkhardt und Elena Philipp die Schauspielerin Sesede Terziyan eingeladen. Sie spielte am Kreuzberger Ballhaus Naunynstraße in der Inszenierung "Verrücktes Blut" (2010), mit der das postmigrantische Theater seinen Durchbruch feierte.

Seit 2013 ist Sesede Terziyan Ensemblemitglied am Berliner Maxim Gorki Theater. Dort richtet Shermin Langhoff als erste türkisch-stämmige Intendantin eines deutschen Stadt- oder Staatstheaters ihr Augenmerk auf die diversen, in vielerlei Weisen von Migration geprägten deutschen Identitäten – auf die Geschichte(n) aller.

Der Wille zum kulturellen Neubeginn

Als "Postexilanten" könnte man die jüdischen Theaterschaffenden bezeichnen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Emigration nach Deutschland zurückkehrten. Über die Schicksale von 200 RemigrantInnen schreibt die Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg in ihrem Buch "Wieder im Rampenlicht". Von der Konkurrenz zwischen Dagebliebenen und Rückkehrenden berichtet Anat Feinberg dem Theaterpodcast-Duo, von fortdauerndem Antisemitismus und zerbrochenen Leben, aber auch Erfolgen.

Den Willen zum kulturellen Neubeginn gab es 1945 auf dem Theater – vor allem aber viel Verschweigen: Auf der Bühne standen nicht selten jüdische Überlebende neben NS-"Staatsschauspielern". Was das Gegenüber während der Nazi-Herrschaft getan hatte, wollten oft beide Seiten nicht so genau wissen. Es ging ums Weiterleben.

Pilz war Mitbegründer von nachtkritik.de

Verabschieden musste sich der Theaterbetrieb Anfang November von einer seiner wichtigen Stimmen: der Kritiker, Redakteur und Hochschullehrer Dirk Pilz, Mitgründer von nachtkritik.de, ist mit nur 46 Jahren verstorben. An ihn und seine Verdienste, um die Theaterkritik wie die Debattenkultur, erinnern Susanne Burkhardt und Elena Philipp gemeinsam mit Nikolaus Merck, Kollege und Freund von Dirk Pilz.

Mehr zum "Theaterpodcast" 

Einmal im Monat greift Der Theaterpodcast die wichtigen Debatten rund um das Theater und seine Macher und Macherinnen auf. Über die Kunst und den Betrieb, in dem immer noch zu wenig Frauen das Sagen haben, sprechen zwei Theaterredakteurinnen, Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk-Kultur-Theatermagazin Rang 1 und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de.

Auszüge aus dem Theaterpodcast sendet Deutschlandfunk Kultur an jedem dritten Samstag im Monat im Theatermagazin Rang 1. Hier geht’s zum Theaterpodcast des Monats August.

Die Stimmen: Susanne Burkhardt studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und in London (Middlesex University). Sie ist Diplom-Medienberaterin und begann ihre Radio-Karriere als Hörspielregieassistentin beim Sender Freies Berlin (später RBB). Nach einem Volontariat beim Deutschlandradio ist sie seit 2001 Redakteurin, Autorin und Moderatorin beim Deutschlandfunk Kultur ("Fazit", "Rang 1 – Das Theatermagazin").

Elena Philipp studierte in Freiburg Politik und Soziologie, entschied sich nach einer Regiehospitanz aber für ein Studium der Theater-, Film und Literaturwissenschaft in Berlin. Dort arbeitete sie für Tanzfestivals, gründete ein Literaturmagazin und ein Text-Ton-Festival mit und etablierte beim Literaturwettbewerb Open Mike das Livebloggen. Seit 2006 schreibt sie für Tageszeitungen und Fachmedien über Theater und Tanz. 2017 wurde sie Redakteurin beim Online-Theaterfeuilleton nachtkritik.de.

Fazit

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