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Der Theaterpodcast | Beitrag vom 02.06.2018

Folge 5Auf der Bühne und dahinter

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

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Der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, stellt am 21.05.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) den Spielplan für die kommende Saison vor.  (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)
Atmosphäre der Angst? Der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, steht in der Kritik. (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Künstler oder Servicepersonal? Dulden oder Aufbegehren? Im Mai-Theaterpodcast geht es um die Rolle des Schauspielers im 21. Jahrhundert. Außerdem Thema: Die Proteste von Mitarbeitern der Bühnen in Cottbus und Köln.

Mit einem rhetorischen Paukenschlag endete das diesjährige Theatertreffen: Fabian Hinrichs, Schauspieler und Alleinjuror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises, rechnete in seiner Laudatio mit dem Regietheater ab. Zu viel "Servicepersonal" habe er in den Inszenierungen des Theatertreffens gesehen, kaum eigenständige Schauspiel-Künstler.

Ist diese Spezies in ihrem Fortbestand bedroht? Um Hinrichs' Rede geht es in der Mai-Ausgabe von "Der Theaterpodcast". Und es geht ein weiteres Mal um Machmissbrauch im Theaterbetrieb: In Köln wurden Mobbing-Vorwürfe laut, in Cottbus hat das Musiktheater-Ensemble mit seinem Protest die Absetzung der Leitungsebene erreicht.

Der Schauspieler Fabian Hinrichs spricht am 21.5.2018 bei der Kerr-Preis-Verleihung im Haus der Berliner Festspiele. (Berliner Festspiele / Piero Chiussi)Der Schauspieler Fabian Hinrichs spricht bei der Kerr-Preis-Verleihung in Berlin. (Berliner Festspiele / Piero Chiussi)

Umfassende Kritik am Zustand der Bühnenkunst

"Bist du Künstler oder arbeitest du im Service?" Die Antwort auf diese Frage entscheidet Fabian Hinrichs zufolge über das Schauspiel im 21. Jahrhundert. Schlecht sei dessen Situation: allerorten gehorsame Handwerker auf den Bühnen, zu sehen seien Regiekonzepte und inszenierte Proseminare – aber keine Menschen, kaum einer dieser Schauspiel-Künstler "mit einer ganzen Welt in einem Kopf und in einem Körper".

Umfassend war also die Kritik von Fabian Hinrichs am Zustand der Bühnenkunst wie sie sich beim Berliner Theatertreffen darstellte. Wie ist Hinrichs' Generalabrechnung einzuschätzen? Und wo sekundiert oder widerspricht ihm der Schweizer Regisseur Milo Rau, der als Redner bei der Kerr-Preis-Verleihung ebenfalls über den "Schauspieler des 21. Jahrhunderts" sprach?

Der Schweizer Regisseur Milo Rau bei seiner Rede am 21.5.2018 anlässlich der Kerr-Preis-Verleihung im Haus der Berliner Festspiele (Berliner Festspiele / Piero Chiussi)Der Schweizer Regisseur Milo Rau bei seiner Rede anlässlich der Kerr-Preis-Verleihung (Berliner Festspiele / Piero Chiussi)

Klagen über "toxische Atmosphäre der Angst"

Nach den Zuständen auf der Bühne geht es in der fünften Folge des Theaterpodcasts einmal mehr um die Zustände hinter den Bühnen. Nachdem im Februar dieses Jahres das Wiener Burgtheater-Ensemble in einem offenen Brief den Machtmissbrauch durch den vorherigen Intendanten Matthias Hartmann angeprangert hatte, gehen zunehmend auch andere Theatermitarbeiter*innen an die Öffentlichkeit.

Am Schauspiel Köln soll die Gattin des dortigen Intendanten eine "Schattenintendanz" errichtet haben. Seit Jahren herrsche am Haus eine toxische Atmosphäre der Angst, wie ehemalige und derzeitige Mitarbeiter*innen dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erzählten.

In Cottbus wandten sich das Orchester und die Gesangs-Solist*innen gegen Willkür und Ausfälligkeiten des Generalmusikdirektor Evan Christ. Daraufhin trat der Theater-Intendant zurück, am Staatstheater und in der Trägerstiftung gab es Entlassungen auf Leitungsebene. Inwiefern diese Vorfälle von einer zunehmenden Ermächtigung der Theaterensembles künden, darüber sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp im Theaterpodcast mit der Cottbusser Journalistin Sylvia Belka-Lorenz.

Der Theaterpodcast – alle Folgen im Überblick

Mehr zum "Theaterpodcast"
Einmal im Monat greift Der Theaterpodcast die wichtigen Debatten rund um das Theater und seine Macher und Macherinnen auf. Über die Kunst und den Betrieb, in dem immer noch zu wenig Frauen das Sagen haben, sprechen zwei Theaterredakteurinnen, Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk-Kultur-Theatermagazin Rang 1 und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de. Auszüge aus dem Theaterpodcast sendet Deutschlandfunk Kultur an jedem dritten Samstag im Monat im Theatermagazin Rang 1.

Die Stimmen
Susanne Burkhardt studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und in London (Middlesex University). Sie ist Diplom-Medienberaterin und begann ihre Radio-Karriere als Hörspielregieassistentin beim Sender Freies Berlin (später RBB). Nach einem Volontariat beim Deutschlandradio ist sie seit 2001 Redakteurin, Autorin und Moderatorin beim Deutschlandfunk Kultur ("Fazit", "Rang 1 – Das Theatermagazin").

Elena Philipp studierte in Freiburg Politik und Soziologie, entschied sich nach einer Regiehospitanz aber für ein Studium der Theater-, Film und Literaturwissenschaft in Berlin. Dort arbeitete sie für Tanzfestivals, gründete ein Literaturmagazin und ein Text-Ton-Festival mit und etablierte beim Literaturwettbewerb Open Mike das Livebloggen. Seit 2006 schreibt sie für Tageszeitungen und Fachmedien über Theater und Tanz. 2017 wurde sie Redakteurin beim Online-Theaterfeuilleton nachtkritik.de.

Fazit

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