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Der Theaterpodcast | Beitrag vom 11.02.2020

Folge 22Künstler oder Servicekraft? Zur Zukunft der Schauspielausbildung

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

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Thomas Halle (als Hamlet) in der gelichnahmigen Aufführung, eine Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. (imago/ DRAMA-Berlin.de)
Einmal den Hamlet spielen oder doch den Oscar gewinnen? Zum Anfang der Schauspielausbildung bestehen viele Träume. (imago/ DRAMA-Berlin.de)

Schwertkampf, Salto, Stützstimme: Was müssen Schauspielstudierende heute lernen, um erfolgreich im Beruf zu sein? Julia Gräfner, Franziska Kötz, Milan Peschel und Maryam Zaree diskutieren, wie eine zeitgemäße Ausbildung aussieht.

Junge Menschen, deren Traum das Schauspielen ist, lernen wochenlang Theaterrollen auswendig und reisen von Stadt zu Stadt, um sich an Schauspielschulen zu bewerben. Manche sprechen mehr als zwanzigmal vor, bei anderen klappt es sofort.

Warum ist das so? Wonach suchen die Schulen? Und was müssen Schauspielstudierende heute mitbringen und was müssen sie lernen, damit sie im Beruf bestehen können? Darüber diskutierte der Theaterpodcast beim Podcastfestival von Deutschlandfunk Nova mit dem Publikum und vielen Gästen: der Schauspielerin Julia Gräfner, der Leiterin der Stuttgarter Schauspielschule Franziska Kötz, dem Schauspieler und Regisseur Milan Peschel sowie der Schauspielerin, Autorin und Filmregisseurin Maryam Zaree.

Bilden Schauspielschulen Servicepersonal für Theater und Film aus – oder ermöglichen sie angehenden Künstlerinnen und Künstlern, ihren eigenen Weg zu finden? Nicht erst seit Fabian Hinrichs' "Rede über die Schauspielkunst", die der Schauspieler 2018 beim Theatertreffen hielt, wird darüber debattiert.

Die richtige Schauspielschule finden

Im Theaterpodcast sind sich die Gäste einig: Auf die Schule kommt es an. Julia Gräfner findet: "Das ist wie bei einem Date – es muss passen." Spielen die einen im Studium Soldaten, um Unterordnung zu lernen, können die anderen frei ihre Studienprojekte wählen und sich in realistisch-psychologischem Spiel ebenso wie in performativen Formaten ausprobieren.

Die Gäste des Theaterpodcasts auf der Bühne. (Deutschlandradio/ Irina Stuhlsatz)Die Gäste des Theaterpodcasts auf der Bühne. (Deutschlandradio/ Irina Stuhlsatz)

Doch nicht nur die Frage, wie ausgebildet wird, ist wichtig. Genauso entscheidend für ein zeitgemäßes und der Zukunft zugewandtes Schauspielstudium ist die Frage, wer ausgebildet wird. Sind die Bewerberinnen und Bewerber diverser geworden? Und wie steht es um die Besetzungspolitik: Spielen Frauen, denen die Theaterstücke des klassischen Kanons eher stereotype Figuren zuweisen, auf den Bühnen größere Rollen?

Weiblicher, diverser – aber immer noch prekär 

Julia Gräfner und Maryam Zaree stehen beispielhaft für neue Chancen im Theater- und Filmbetrieb. Gräfner wurde für ihre Darstellung des Caliban in Shakespeares "Sturm" mit einem Nestroy-Theaterpreis prämiert. Zaree engagiert sich für ein gendergerechtes, diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld und forderte etwa in ihrer Dankesrede für den Grimme-Preis mehr weibliche Filmautorinnen.

Hier tut sich etwas – allerdings bleibt auch noch viel zu tun, um Zugänge zu ermöglichen. Und wie geht es weiter, wenn der Sprung in den Beruf geschafft ist? Muss man sich Schauspielen leisten können, ist das angesichts oft prekärer Gagen überhaupt ein Brotberuf?

Mehr zum "Theaterpodcast"

Einmal im Monat greift Der Theaterpodcast die wichtigen Debatten rund um das Theater und seine Macher und Macherinnen auf. Über die Kunst und den Betrieb, in dem immer noch zu wenig Frauen das Sagen haben, sprechen zwei Theaterredakteurinnen, Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk-Kultur-Theatermagazin "Rang 1" und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de.

Die Stimmen: Susanne Burkhardt studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und in London (Middlesex University). Sie ist Diplom-Medienberaterin und begann ihre Radiokarriere als Hörspielregieassistentin beim Sender Freies Berlin (später RBB). Nach einem Volontariat beim Deutschlandradio ist sie seit 2001 Redakteurin, Autorin und Moderatorin beim Deutschlandfunk Kultur ("Fazit", "Rang 1 – Das Theatermagazin").

Elena Philipp studierte in Freiburg Politik und Soziologie, entschied sich nach einer Regiehospitanz aber für ein Studium der Theater-, Film und Literaturwissenschaft in Berlin. Dort arbeitete sie für Tanzfestivals, gründete ein Literaturmagazin und ein Text-Ton-Festival mit und etablierte beim Literaturwettbewerb Open Mike das Livebloggen. Seit 2006 schreibt sie für Tageszeitungen und Fachmedien über Theater und Tanz. 2017 wurde sie Redakteurin beim Online-Theaterfeuilleton nachtkritik.de.

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