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Der Theaterpodcast | Beitrag vom 24.02.2018

Folge 2Und sie ändern sich doch

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

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(Foto: Judith Buss)
Anta Helena Recke lässt in "Mittelreich" eine bayerische Familiensaga ausschließlich von schwarzen Schauspielern spielen. (Foto: Judith Buss)

Geht’s voran mit dem Kulturwandel an Theatern, den die #MeToo-Debatte angestoßen hat? Darüber sprechen Elena Philipp von nachtkritik.de und Deutschlandfunk-Kultur-Redakteurin Susanne Burkhardt. Außerdem: Die Auswahl zum Theatertreffen 2018 und die umstrittene Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen.

Neue Entwicklungen in der Debatte um Machtmissbrauch am Theater hat ein Offener Brief angestoßen, den 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wiener Burgtheaters Anfang Februar veröffentlicht haben. Erstmals tauschte sich die Belegschaft im Zuge der #MeToo-Debatte offen über die Intendanz von Matthias Hartmann 2009-2014 aus – und beschreibt eine "Atmosphäre der Angst und Verunsicherung". Am schlechten Klima hätten sie beschämenderweise selbst mitgewirkt: "Wir haben auch in unserem eigenen Haus durch unser Stillhalten und unser Schweigen das Problem wachsen lassen", heißt es in dem Offenen Brief. Ihn wertet die Belegschaft als "Startpunkt im Bemühen, ein Klima im Ensemble, im ganzen Burgtheater zu schaffen, das sich auf Respekt und fairen Umgang gründet".

Über den Offenen Brief aus der Burg und die Reaktionen des Theaterbetriebs sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp in Folge 2 von "Der Theaterpodcast".

Problematische Machtstrukturen am Theater

Anders als bei Harvey Weinstein oder Dieter Wedel geht es im Fall von Matthias Hartmann nicht um strafbare Vergehen, sondern um die mit ungenügender Sorgfalt ausgeübte Doppelfunktion als Regisseur und Intendant. Ist es arbeitsrechtlich unbedenklich, wenn der Regisseur mit einer Nichtverlängerung des Vertrags drohen kann? In der Kulturbranche sollten personelle Machtballungen genauer betrachtet und möglicherweise Strukturen überdacht werden.

Thema in "Der Theaterpodcast" ist im Februar auch die Auswahl für das Berliner Theatertreffen 2018. Von welchem ästhetischen Normalnull kündet das Zehner-Tableau der von einer siebenköpfigen Jury ausgewählten "bemerkenswertesten" Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum?

Zu viel Performance, zu wenig Schauspiel?

Eingeladen zum Theatertreffen sind auch zwei Produktionen der Münchner Kammerspiele, "Trommeln in der Nacht" von Christopher Rüping und "Mittelreich", Anta Helena Reckes Reenactment einer Inszenierung von Anna-Sophie Mahler. Eine Überraschung für manche: Intendant Matthias Lilienthal, der zur Spielzeit 2015/16 vom Berliner HAU Hebbel am Ufer an die Münchner Traditionsbühne wechselte, ist nicht unumstritten. In München attestiert die Presse: zu viel Performance, zu wenig Schauspiel. Im Ensemble gab es Kündigungen. Und mit einer Auslastung von 63 Prozent stimmen auch die Zahlen bislang noch nicht. Was ist dran an den Vorwürfen? 

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Mehr zum "Theaterpodcast"

Einmal im Monat greift Der Theaterpodcast die wichtigen Debatten rund um das Theater und seine Macher und Macherinnen auf. Über die Kunst und den Betrieb, in dem immer noch zu wenig Frauen das Sagen haben, sprechen zwei Theaterredakteurinnen, Susanne Burkhardt vom Deutschlandfunk-Kultur-Theatermagazin Rang 1 und Elena Philipp vom Online-Portal nachtkritik.de.

Engagiert sind sie der Meinung: Theater ist nicht nur eine schöne Kunstform, sondern auch eine Forschungsstätte für aktuelle Fragen, öffentlicher Raum für Kontroversen und ein Medium am Puls der Zeit. Auszüge aus dem Theaterpodcast sendet Deutschlandfunk Kultur an jedem dritten Samstag im Monat im Theatermagazin Rang 1.

Die Stimmen: Susanne Burkhardt studierte Kulturwissenschaft, Betriebswirtschaft und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und in London (Middlesex University). Sie ist Diplom-Medienberaterin und begann ihre Radio-Karriere als Hörspielregieassistentin beim Sender Freies Berlin (später RBB). Nach einem Volontariat beim Deutschlandradio ist sie seit 2001 Redakteurin, Autorin und Moderatorin beim Deutschlandfunk Kultur ("Fazit", "Rang 1 – Das Theatermagazin").

Elena Philipp studierte in Freiburg Politik und Soziologie, entschied sich nach einer Regiehospitanz aber für ein Studium der Theater-, Film und Literaturwissenschaft in Berlin. Dort arbeitete sie für Tanzfestivals, gründete ein Literaturmagazin und ein Text-Ton-Festival mit und etablierte beim Literaturwettbewerb Open Mike das Livebloggen. Seit 2006 schreibt sie für Tageszeitungen und Fachmedien über Theater und Tanz. 2017 wurde sie Redakteurin beim Online-Theaterfeuilleton nachtkritik.de.

Mehr zum Thema

Folge 1 - Neue Strukturen braucht die Kunst!
(Deutschlandfunk Kultur, Der Theaterpodcast, 20.01.2018)

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