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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.04.2020

Försterin über Trockenheit des Waldes"Wir sehen, dass ganz junge Bäume absterben"

Anne-Sophie Knop im Gespräch mit Dieter Kassel

Die Sonne strahlt durch Bäume in einem Waldstück. (imago/A. Friedrichs)
Durch die Trockenheit herrscht hohe Waldbrandgefahr in Deutschland. (imago/A. Friedrichs)

In weiten Teilen Deutschlands hat es seit Wochen nicht mehr geregnet. Mit verheerenden Folgen für die Wälder. Die Försterin Anne-Sophie Knop sieht, wie massiv die Bäume leiden. Ihr größter Wunsch scheint aber vorerst nicht in Erfüllung zu gehen.

Wenn Anne-Sophie Knop durch ihren Wald fährt - den Soonwald im Hunsrück - wirbelt ihr Auto große Mengen Staub auf. Die Trockenheit bereitet der Försterin große Sorgen: 

"Wir sehen es an den alten Bäumen, die jetzt schon anfangen, ihre Nadeln zu verlieren, weil der Borkenkäfer wieder anfängt zu fliegen -  der braucht warme, trockene Temperaturen. Und wir sehen es bei den ganz jungen Bäumen, die jetzt klein und gerade gepflanzt oder in den letzten Jahren gepflanzt wurden, dass die mit dieser Trockenheit nicht gut zurechtkommen und teilweise absterben."

Anne-Sophie Knop steht in grüner im Wald zwischen jungen Nadelbäumen (Landesforsten Rheinland-Pfalz / Jonathan Fieber)Anne-Sophie Knop, Försterin in Rheinland-Pfalz: Wo junge Bäume durch ältere geschützt sind, können sie noch vergleichsweise gut wachsen. (Landesforsten Rheinland-Pfalz / Jonathan Fieber)

Das besondere Problem: Die jungen Bäume stehen oft auf Freiflächen, die in der jüngeren Vergangenheit durch die Folgen von Dürresommern entstanden, und haben damit nicht den Schutz alter Bäume. Knop zufolge nimmt die nimmt die Waldbrandgefahr zu - auch durch den Umstand, dass jetzt immer mehr Menschen Corona-bedingt den Wald als einen "Zufluchtsort" aufsuchen:

"Je mehr Leute kommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass da mal eine Zigarette in den Wald geworfen wird, die noch glüht. Oder wenn Leute anfangen, Lagerfeuer zu machen, ist das natürlich jetzt auch problematisch." 

Hauptursache von Waldbränden: Brandstiftung

Mit einem Vorurteil räumt die Försterin auf: dass ein hoher Anteil von Totholz die Brandgefahr erhöhe. Wenn er von Pilzen befallen sei, könne er sogar eher noch Feuchtigkeit halten als dass er austrockne. "Hauptursache von Waldbränden ist nach wie vor Brandstiftung", sagt Knop.

Es komme nun darauf an, den Wald so zu gestalten, dass Brände sich nicht so ausbreiten können – durch die Anpflanzung möglichst vieler verschiedener Baumarten. Und eines wünscht sich die Försterin vor allem: "Wenn es jetzt mal die nächsten zwei Wochen durchregnen würde, würde mich das wahrscheinlich im Gegensatz zu allen anderen sehr freuen."

(bth)

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