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Tonart | Beitrag vom 12.10.2020

Förderung von Nachwuchs-BandsGeld zum Ausgeben, damit später dann Musik entsteht

Anne Haffmanns und Julia Wartmann im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Die Band Giant Rooks aus Hamm bei der Verleihung des Musikpreises "1Live Krone" 2019 in der Jahrhunderthalle in Bochum (picture alliance / Geisler-Fotopress / Nicole Kubelka)
Haben einen Erfolgsweg hinter sich: Giant Rooks aus Hamm, 2017 im Soundscout bei Deutschlandfunk Kultur, 2019 den Preis "1Live Krone" - und dann in den Charts. (picture alliance / Geisler-Fotopress / Nicole Kubelka)

Das Nachwuchs-Format Soundscout auf Deutschlandfunk Kultur wird fünf Jahre alt. Unter den Bands gibt es etliche Erfolgsgeschichten. Bei der Nachwuchsförderung gebe es insgesamt aber noch viel zu tun, sagen zwei Jury-Mitglieder von Förderprogrammen.

Fünf Jahre gibt es das Nachwuchs-Format Soundscout auf Deutschlandfunk Kultur. Zahlreiche Bands, die hier vorgestellt wurden, legten dann beachtliche Karrieren hin. Zum Beispiel Giant Rooks aus Hamm: 2017 waren sie im Soundscout - da gab es noch nicht einmal ein Album von ihnen.

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2019 erklang eine ihrer Singles im "Tatort". Vor vier Wochen landeten sie mit ihrem Debüt-Album auf Platz drei der Deutschen Charts - sensationell für ein Newcomeralbum.

Ein anderes Beispiel ist Sofia Portanet, eine junge Sängerin, die 2019 von der BBC als "Germany's Next International Popstar" ausgerufen wurde. Dann folgten Auftritte bei wichtigen Festivals: Reeperbahn Festival oder SXSW in Austin, Texas.

Ein drittes Beispiel sind die Kytes: Das junge Quartett aus München gehörte im November 2015 zu den allerersten Soundscout-Bands. Ein gutes Jahr später gewannen sie mit ihrem Debutalbum den New Music Award der ARD-Jugendprogramme. 2020 ist ihr zweites Album erschienen.

"Mal raus aus dem Proberaum"

Insgesamt gehe es in der Newcomerförderung darum, dass Bands durchhielten und authentisch und nahbar blieben, sagt Julia Wartmann, Geschäftsführerin des großen deutschen Newcomer-Wettbewerbs Local Heroes. Musikförderer und andere Vereine werden dann automatisch aufmerksam, später auch die Medien, so die Talentförderin.

Local Heroes habe jährlich zwischen 9000 und 10.000 Bewerberinnen und Bewerber. Vergeben werde eine Förderung bei Auftritten. Der Impuls, den der Wettbewerb in den vergangenen Jahren in die Newcomerszene geschickt habe, sei: "Mut zu haben, aus dem Proberaum mal hinauszukommen, sich mal auszutesten in einem weitgehend wertungsfreien Umfeld". Denn die Jurys seien nicht dazu da, eine musikwirtschaftliche Relevanz zu fördern, sondern Feedback geben zum musikalischen Handwerk. Allerdings wünsche sie sich mehr Nachhaltigkeit bei der weiteren Begleitung der Musikerinnen und Musiker, so Wartmann. Die passiere in der Regeln ehrenamtlich.

Viel Verbesserungspotenzial

Auch Anne Haffmanns vom Indie-Label Domino Records und Mitglied der Jury der Initiative Musik, die Nachwuchsförderungen vergibt, sieht viel Verbesserungspotenzial in diesem Bereich. Es fehle sehr vieles, etwa Proberäume, auch in Berlin, und besonders für ganz junge Bands. Weitere Probleme bringt aus ihrer Sicht die Coronakrise. Dadurch werde es eine ganze Generation von Bands geben, die ein Jahr oder vielleicht auch länger ihre Karriere nicht betreuen können. Etwa Bands, die sich 2020 auf den beschwerlichen Weg machen wollten, im Vorprogramm anderer Bands aufzutreten.

Hilfe bietet die Förderung der Initiative Musik, ein Programm der deutschen Musikwirtschaft und der Bundesregierung. Wegen des Coronavirus und seiner Folgen gebe es hier vier Mal mehr Budget, so Haffmanns. Allerdings gebe es auch vier Mal mehr Anträge.

Am 13. Oktober 2015 lief der allererste Beitrag des Nachwuchs-Formats Soundscout in unserem Musikmagazin "Tonart". Seitdem wurden mehr als 250 Newcomer Acts aus allen Regionen Deutschland vorgestellt. Musikalisch ist es ein breiter Ansatz: von Indiepop und HipHop über Mittelalter-Rock und Ambient bis hin zu Jazz und Hardrock. Musikerinnen, Musiker und Bands können sich bewerben.
Musikredakteur Martin Risel, der verantwortlich für das Format ist und es mitentwickelt hat, sagt zu den Kriterien für die Bewerbung: Wie die Musik klingt, wie lange es die Band oder die einzelnen Musikerinnen und Musiker bereits gibt, wie bekannt sie bereits sind. Außerdem Fragen wie: "Wer steht dahinter? Wie einzigartig sind sie? Was drücken sie künstlerisch aus?"

Hören Sie das ganze Gespräch mit Martin Risel, dem verantwortlichen Redakteur für Soundscout aus Anlass des fünfjährigen Jubiläums:

(abr)

Zum fünfjährigen Soundscout-Jubiläum haben wir einen Relaunch unserer Spotify-Soundscout-Playlist gestartet. Dort sind zahlreiche der von uns in diesem Format vorgestellte Bands zu hören.

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