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Interview | Beitrag vom 23.09.2021

Förderung von ForschungsvorhabenLong Covid besser verstehen und behandeln

Volkart Wildermuth im Gespräch mit Julius Stucke

Porträt eines Mannes, der sein Gesicht in seine Hand gelegt hat, seine Augen sind geschlossen. Er wirkt müde. (Unsplash / Adrian Swancar)
Das häufigste Symptom von Long Covid ist eine massive Erschöpfung, gegen die auch Ausruhen nicht hilft. (Symbolbild) (Unsplash / Adrian Swancar)

Viele, die sich mit Corona infizieren, haben länger mit den Folgen zu kämpfen. In zehn Forschungsprojekten sollen nun Long Covid, seine Ursachen sowie Therapien und Medikamente erforscht werden: etwa ein Spray, das die Lungenfunktion verbessern soll.

Das Bundesforschungsministerium stellt 6,5 Millionen Euro zur Verfügung, um Long Covid besser zu erforschen. Insgesamt zehn Forschungsvorhaben werden mit diesen Mitteln gefördert.

Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth hält es für richtig, dass umfassend zu Long Covid geforscht wird. In den USA seien gerade sogar mehr als eine Milliarde Dollar für die Erforschung von Long Covid zur Verfügung gestellt worden, ordnet Wildermuth ein. Demgegenüber wirke das deutsche Programm schwachbrüstig, aber es sei ein Anfang.

Länger als ein Monat krank

"Long Covid ist ganz sicher ein zentrales Problem der Pandemie", betont der Wissenschaftsjournalist. Jeder zehnte Coronaerkrankte sei davon betroffen. Long Covid liegt vor, wenn Symptome über vier Wochen hinaus anhalten. Wenn sie über zwölf Wochen andauern, dann spricht man von Post-Covid. "Dieses Post-Covid ist seltener als Long Covid", ordnet Wildermuth ein.

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Es handele sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild, erklärt er: Long-Covid-Betroffene leiden beispielsweise an Atembeschwerden, Herzproblemen, Kopfschmerzen oder einem geistigen Nebel. Das häufigste Symptom sei aber eine massive Erschöpfung, gegen die auch Ausruhen nicht helfe, so Wildermuth. Für die vielfältigen Symptome gebe es dementsprechend unterschiedliche Ursachen. "Manchmal läuft die Entzündungsreaktion weiter, manchmal bleiben nach einem schweren Verlauf Narben auf der Lunge zurück, es gibt Autoimmunprobleme, und so weiter."

Therapien finden, Ursachen verstehen

Entsprechend vielfältig und zielgenau müssten daher die Therapien seien, sagte Wissenschaftsjournalist. In den nun geförderten Studien würden auch verschiedene Therapieansätze erforscht, ebenso konkrete Medikamente: zum Beispiel ein gefäßerweiterndes Spray, das die Lungenfunktion stärken soll, und eine Kombination aus Entzündungshemmern und Vitaminen. "Ob das funktioniert, wird man erst in zwei Jahren wissen."

Andere Projekte würden zum Beispiel untersuchen, welche Rolle das Immunsystem bei Long Covid spielt. Da es noch ein so junges Krankheitsbild ist, würden in den nun geförderten Forschungsprojekte teilweise auch Basisdaten erhoben werden, etwa wie Long Covid sich bei Jugendlichen darstellt und wie es sich auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt.

Impfen senkt das Risiko

Die verbreitete Sorge vor Langzeitfolgen einer Corona-Infektion sei verständlich, sagt der Wissenschaftsjournalist. "Es gibt auch wirklich Berichte über sehr lange Verläufe, Leute, die auch nach einem Jahr nicht wieder auf den Beinen sind."

Allerdings ließen bei den meisten Patienten die Symptome mit der Zeit auch nach, wie etwa die Erfahrungen am Fatigue-Zentrum der Berliner Charité und eine Analyse des Nationalen Statistikbüros in Großbritannien zeigten. "Aber das gilt leider nicht für alle", schränkt Wildermuth ein. Daher sei es wichtig, die Infektionszahlen niedrig zu halten und dass sich möglichst viele Menschen impfen ließen. "Denn die Impfung, die senkt auch das Risiko für Long Covid." 

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