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Studio 9 | Beitrag vom 05.11.2015

Flugzeugabsturz in ÄgyptenVermutlich Bombenexplosion

Von Friedbert Meurer

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Ein Wrackteil der über dem Sinai abgestürzten russischen Passagiermaschine. (imago/ITAR-Tass)
Ein Wrackteil der über dem Sinai abgestürzten russischen Passagiermaschine. (imago/ITAR-Tass)

Für den Absturz der russischen Passagiermaschine in Ägypten ist vermutlich eine Bombenexplosion verantwortlich. Diese Erkenntnisse sollen von US-Geheimdiensten stammen. Die britische Regierung hat vorerst alle Flüge von Sharm el-Sheik nach Großbritannien abgesagt.

2000 britische Touristen sitzen im ägyptischen Badeort Sharm el Scheich fest. Ihre Flüge zurück nach Großbritannien sind erst einmal gecancelt worden. Die britische Regierung hat aus Sicherheitsgründen entschieden, vorerst keine Passagierflüge  von und nach Sharm el-Sheik mehr  zuzulassen. Eine Stunde tagte unter Leitung von Premierminister David Cameron das Sicherheitskabinett mit den Spitzen der Geheimdienste. Dann stand die Entscheidung fest.

"Es gibt eine signifikante Möglichkeit, so Außenminister Philip Hammond nach der Sitzung, dass ein Sprengsatz den Absturz der Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel ausgelöst hat. Deswegen haben wir den Abflug der Ferienflieger aus Sharm el-Sheik gestoppt, bis wir die Sicherheitsmaßnahmen am dortigen Flughafen überprüft haben."

Offensichtlich sind inzwischen die Hinweise massiv, dass an Bord des russischen Airbus eine Bombe explodiert ist. Um welche Hinweise und Informationen es sich handelt, blieb offen. Sie decken sich aber im Ergebnis mit Erkenntnissen, die auch in Washington vorliegen. Möglicherweise wurde London von den US-Geheimdiensten informiert. Jedenfalls ist die britische Regierung aber die erste, die zu einer so drastischen Maßnahme greift. Wenn wirklich eine Bombe explodierte, muss sie in Sharm el-Sheik an Bord gelangt sein. Die britische Seite misstraut den Sicherheitsvorkehrungen der Ägypter.

Sicherheit geht vor

"Ich weiß, dass die Aussetzung der Flüge der ägyptischen Wirtschaft erheblichen Schaden zufügt, bedauert Außenminister Hammond. Aber wir müssen die Sicherheit unserer Landsleute über alle anderen Überlegungen stellen."

Ausgerechnet jetzt ist der ägyptische Staatspräsident al-Sisi in London und wird heute von Premier David Cameron empfangen. Im britischen Fernsehen hatte al-Sisi nur einen Tag vor der Kabinettssitzung in London vehement bestritten, dass die Terrororganisation IS den Anschlag verübt habe.

"Es dauert eine Zeit, dass Unglück aufzuklären. Dass die Maschine zum Absturz gebracht wurde, ist reine Propaganda. Sie soll der Stabilität und dem Image Ägyptens schaden. Die Situation auf und über dem Sinai befindet sich aber unter unserer vollständigen Kontrolle."

Die britischen Touristen, die am Roten Meer festsitzen, sollen heute über andere Routen ausgeflogen werden. Wie lange London Flugverbindungen von und nach Sharm el-Sheik untersagt, steht dagegen nicht fest. 

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