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Fazit | Beitrag vom 07.11.2020

Flughafen Berlin-TegelGeist und Design der 70er-Jahre

Jürgen Tietz im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Ansicht von oben auf den sechseckigen Flughafen Tegel. (Ralf Hirschberger/dpa)
Der Berliner Flughafen Tegel ist ein sechseckiges Gesamtkunstwerk. (Ralf Hirschberger/dpa)

Das Sechseck als Prinzip - so könnte man den Berliner Flughafen Tegel beschreiben. Nun stellt er seinen Betrieb ein. Einziehen sollen Start-ups und eine Hochschule. Auch Wohnungen sollen entstehen. Ein Gesamtkunstwerk wird umfunktioniert.

Am Sonntag hebt die letzte Air-France-Maschine vom Berliner Flughafen Tegel TXL Richtung Paris ab. Ein symbolträchtiger Flug, der auf die Anfänge dieses Flughafens verweist. Tegel verband in der französischen Besatzungszone West-Berlin mit Paris. Nun schließt sich der eckige Kreis, wenn man so will. Tegel steht nämlich ganz im Zeichen des Sechsecks – einer Idee von Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickel. Der Flughafen war der erste Bau der damals noch jungen Architekten. 

Für den Journalisten Jürgen Tietz ist der Flughafen ein Gesamtkunstwerk, wie er sagt. In dem von ihm herausgegebenen Buch "TXL. Berlin Tegel Airport" schreibt er, der Flughafen atme den Geist und das Design der 70er-Jahre. "Das ist ein sehr spannender Antagonismus, der sich dort bildet", erklärt er im Gespräch. Gemeint ist eine Kombination aus grauem Brutalismus und den kräftigen Farben der 70er.

Flugvariante der autogerechten Stadt

Tegel sollte bewusst anders sein als der Flughafen in Berlin-Tempelhof zum Bespiel, wie Tietz erklärt. "Da muss man durch einen Flaschenhals durch und dann kommt man nach der Abfertigung zu den Flugzeugen." Tegel hingegen war ein Flughafen der kurzen Wege. Hier stand der Komfort für die Fluggäste im Vordergrund, wie Tietz erklärt: "Man kann ein bisschen den Flughafen Tegel als eine Flugvariante der autogerechten Stadt definieren", sagt Tietz. 

Möglich wurde das durch die besondere Konstruktion als Sechseck. Dadurch gab es einen äußeren und einen inneren Ring. Vom inneren Ring, also von dort, wo man mit dem Bus oder Taxi ankommt, bis zum Flugzeug sei es ein Fußweg von nur 32 Metern, schreibt Tietz - kein Vergleich mit heutiger Flughafenarchitektur.

Nach der Stilllegung soll der nun denkmalgeschützte Bau Start-ups und den Sitz einer Hochschule beherbergen. Auf der freien Fläche sollen zudem Wohnungen entstehen.

(ckr)

Jürgen Tietz (Hg.): "TXL Berlin Tegel Airport"
Park Books 2020 
248 Seiten, 38 Euro

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