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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.08.2016

Flüchtlingshilfe im MittelmeerWarum sich Schlepper nicht stoppen lassen

Hans-Peter Buschheuer im Gespräch mit Dieter Kassel

Ein Rettungsboot der privaten Hilfsinitiative "Sea Eye", an der unter anderem der deutsche Journalist Hans-Peter Buschheuer beteiligt ist. "Sea Eye" versucht, das Elend der Flüchtlinge auf maroden Booten durch Erstversorgung zu lindern. (Sea Eye e.V.)
Das Rettungsboot der Initiative "Sea Eye" bietet Flüchtlingen Ersthilfe. Es versorgt sie zum Beispiel mit Trinkwasser und Schwimmwesten. (Sea Eye e.V.)

Jeden Monat sterben Hunderte von Flüchtlingen auf dem Weg über das Mittelmeer. Vereine wie "Sea Eye" versuchen, auf See zu helfen. Um das Elend wirkungsvoll zu bekämpfen, müsse vor Libyen auch über militärische Optionen nach gedacht werden, sagt "Sea Eye"-Mitorganisator Hans-Peter Buschheuer.

Unvermindert suchen sich Flüchtlinge ihren Weg nach Europa über das Meer. In desolaten Booten, ohne Schwimmwesten, ohne Nahrung und Wasser. Das Sterben auf dem Mittelmeer hält an: in den ersten sieben Monaten des Jahres 2016 liegen die offiziellen Zahlen (Quelle: Organisation für Migration/IOM) von ertrunkenen, verdursteten und verhungerten Flüchtlingen um 26 Prozent höher als im Vorjahr.

Der Journalist Hans-Peter Buschheuer, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung "Berliner Kurier" kümmert sich seit 2015 als Mitorgnisator um die private Rettungsinitiative "Sea Eye", die mit zwei Booten das Mittelmeer vor Libyen absucht und den Flüchtlingen Ersthilfe bietet: mit Trinkwasser, Schwimmwesten und Versorgung von Verletzten.

Hans-Peter Buschheuer, ehemaliger Chefredakteur des Boulevardblattes "Berliner Kurier",  engagiert sich für den Hilfs-Verein "Sea Eye" (Sea Eye e.V.)Hans-Peter Buschheuer engagiert sich für den Hilfs-Verein "Sea Eye". (Sea Eye e.V.)

Die Menschen seien verunsichert und verängstigt, es brauche seitens der freiwillen Helfer viel Fingerspitzengefühl, sagt Buschheuer im Deutschlandradio Kultur. Die Hilfsaktionen erfolgten in enger Absprache mit anderen, ähnlichen privaten Initiativen. Mit der italienischen Küstenwache oder mit der EU-Agentur Frontex hingegen gebe es keine offizielle Zusammenarbeit, jedoch:

"Inoffiziell ist es so, dass alle Schiffe, die in der Nähe sind, egal ob militärische oder zivile nach der seemännischen Ethik handeln, nämlich: Ertrinkende müssen gerettet werden. Und die nehmen die Leute auch auf."

Was hilft gegen Schlepper?

Buschheuer betonte: Die Boote von "Sea Eye" seien keine Evakuierungsschiffe. Diese Aufgabe übernähmen die von "Sea Eye" dazugerufenen Militärschiffe oder Schiffe der Küstenwache.

Was die Schlepper anbelange, so stehe dahinter ein Millionengeschäft, an dem offenbar auch islamistische Gruppierungen wie IS und Boko Haram beteiligt seien. Mit den klassischen Mitteln der Küstenwache seien diese nicht zu bekämpfen. Buschheuer:

"Ich denke schon, dass es militärische Optionen geben muss, um beispielsweise Libyen zu einem Staat zu machen, nicht zum 'failed state'. Solange dieser Staat und die ganzen Küstenabschnitte den bewaffneten Rebellen überlassen sind, wird auch dieses Schlepperunwesen weiter Blüten treiben."

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