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Thema / Archiv | Beitrag vom 13.06.2007

Fluchthelfer Thieme: Egon Bahr wusste vom Maueranschlag 1962

"Es war eine Demonstration gegen den Osten"

Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 (AP Archiv)
Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 (AP Archiv)

Nach Einschätzung eines der Beteiligten des Sprengstoffanschlags auf die Berliner Mauer im Mai 1962, Dieter Thieme, war der SPD-Politiker Egon Bahr über die Aktion informiert. Bahr sei von dem Fluchthelfer Bodo Köhler unterrichtet worden, der auch an dem Anschlag beteiligt gewesen sei, sagte Thieme im Deutschlandradio Kultur.

Seinen Angaben zufolge gaben Äußerungen Bahrs, der damals Leiter des Presse- und Informationsamts des Berliner Senats war, den Anstoß zu der Aktion: "Bodo Köhler (…) kam eines Tages von Egon Bahr, zu dem er Verbindung hielt, und sagte, (…) Egon Bahr habe ihm solche Handbewegungen gemacht – die Arme nach oben genommen – und hätte gesagt: ‚Da muss doch mal was an der Mauer passieren’. Und das haben wir als Mauersprengung gedeutet."

Nach Einschätzung Thiemes hat Bahr auch den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, informiert. Schließlich habe dieser auf dem gleichzeitig stattfindenden SPD-Parteitag gesagt, dass sich die Berliner die Mauer nicht bieten ließen und es eine Sprengung gegeben habe. Thieme räumte ein, dass Bodo Köhler sich später nicht weiter dazu geäußert habe - wohl aus Rücksichtnahme auf die damaligen politischen Gegebenheiten. Bahr selbst antwortete auf Anfrage von Deutschlandradio Kultur, ob er über die Aktion informiert gewesen sei und mit den Fluchthelfern gesprochen habe, "das Gedächtnis gibt die Antworten auf die beiden Fragen nicht mehr her".

Laut Thieme wurde die Gruppe bei dem Sprengstoffanschlag, der in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1962 in der Bernauer Straße ein etwa fünf Meter breites Loch in die Mauer riss, auch von Weddinger Polizisten unterstützt. Einer von ihnen habe mit seiner brennenden Zigarette die Lunte angezündet, so Thieme. Die Hilfe der Polizisten sei aber "rein privat" gewesen; es habe keine Verbindung zur Senatsinnenverwaltung gegeben. Die Sprengung sei auf Resonanz in der Bevölkerung gestoßen, erinnert sich Thieme. "Es hat ja nachher noch mal ein oder zwei Sprengungen gegeben. Da sind die Leute dann verfolgt worden. Das wurde ja dann strikt unterbunden."

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