Seit 00:05 Uhr Literatur

Sonntag, 23.09.2018
 
Seit 00:05 Uhr Literatur

Kompressor | Beitrag vom 14.09.2018

"Floraphilia" in KölnWas Botanische Gärten mit dem Kolonialismus zu tun haben

Aneta Rostkowska im Gespräch mit Max Oppel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Historischer Gartenpavillon. (imago stock&people)
Die Kolonialgeschichte der Botanischen Gärten ist kaum bekannt, beklagt Aneta Rostkowska. (imago stock&people)

Entdecken, klassifizieren, verpflanzen - für die Kuratorin Aneta Rostkowska sind Botanische Gärten auch "Instrumente von Kolonisierungsprozessen". Mit der Ausstellung "Floraphilia. Pflanzen als Archive" will sie Sensibilität für diesen Zusammenhang wecken.

Botanische Gärten sind nur auf den ersten Blick Orte des unschuldigen Staunens über die Natur. Viele Pflanzen, die dort zu sehen sind, stammen aus früheren Kolonien und waren - so die Philosophin und Ausstellungsmacherin Aneta Rostkowska - "auch Instrumente von Kolonisierungsprozessen".

Pflanzen aus den Kolonien seien in die Botanischen Gärten transportiert und dort untersucht worden. "Botaniker haben dort gearbeitet und Experimente durchgeführt, so wurden verbesserte Versionen von Pflanzen in den Kolonien eingepflanzt. Zum Beispiel befindet sich im Botanischen Garten noch eine Kaffeepflanze – man kann sagen, es ist die Mutter aller Kaffeeplantagen in Indonesien."

Viele Pflanzen haben einen Migrationshintergrund

Diesen Aspekt der Geschichte einem breiteren Publikum vor Augen zu führen - darauf zielt das zweijährige Projekt "Floraphilia. Über die Verflechtungen von Pflanzenwelt, Botanik und Kolonialismus" der Akademie der Künste der Welt in Köln ab, das am Freitag mit der Ausstellung "Floraphilia. Plants as Archives" eröffnet wird.

"Zum Beispiel zeigen wir ein Kunstwerk von Alberto Baraya: Herbarium künstlicher Pflanzen", sagte Rostkowska, die das Projekt kuratiert hat. Dabei setze sich der Künstler mit der Figur des Botanikers bei Expeditionen auseinander.

"Er sammelt Pflanzen und arrangiert diese Pflanzen dann in Herbarien, aber was er sammelt, sind künstliche Pflanzen. Also, sein Ziel ist, alle künstlichen Pflanzen taxonomisch zu klassifizieren", sagt die Kuratorin. "Das ist ein ziemlich spielerisches Projekt, ein lustiges Projekt, aber es hat einen ernsthaften Hintergrund."

(uko)

Die Ausstellung "Floraphilia. Plants as Archives" ist vom 14. September bis zum 18. November 2018 in der Akademie der Künste der Welt in Köln zu sehen. Geöffnet ist sie Donnerstag und Freitag von 15 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.academycologne.org.

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur