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Nachspiel | Beitrag vom 05.05.2019

Fitness auf MallorcaBergsport abseits vom Ballermann

Von Caroline Kuban

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Wanderführer Jose gibt letzte Anweisungen zum sicheren Abseilen. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)
Wanderführer Jose gibt letzte Anweisungen zum sicheren Abseilen. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)

Naturnah und abseits vom Massentourismus arbeitet Mallorca an seinem Image: Wer die spanische Insel sportlich erkunden will, nimmt das Rad, wandert durch die Berge oder klettert mit einem Wanderführer in dunkle Höhlen.

Zehn Uhr an einem sonnigen Morgen auf einem Aussichtspunkt oberhalb von Costa d'en Blanes, einer kleinen Ortschaft im Südwesten Mallorcas, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Palma entfernt. Der Blick geht weit über die hügeligen Ausläufer des Tramuntana-Gebirges bis hin zum Meer.

Neun Männer und eine Frau steigen aus einem VW-Bus, greifen sich ihre Rucksäcke aus dem Kofferraum, packen Wasserflaschen ein und warten auf die Informationen ihres Wanderführers Jose.

Zunächst steht Wandern auf dem Programm, anschließend Klettern in einer unterirdischen Höhle, später Abseilen am Fels. Jose ist gebürtiger Mallorciner und kennt die Insel wie seine Westentasche. Regelmäßig führt er Gruppen in die Berge, organisiert sportliche Abenteuertouren. Gemeinsam mit seinem Kollegen Alfonso begleitet er heute eine Gruppe aus Thüringen. Zehn Mitarbeiter einer Firma für Industriemontagen feiern 20-jähriges Bestehen.

Ein Firmenausflug der besonderen Art. Wie ist die Stimmung vor dem großen Tag? - "Ein paar sind bestimmt angespannt, aber eigentlich cool, wir freun uns drauf. Bis eben wussten wir ja noch gar nichts, von daher ist die Spannung schon groß, jetzt."

Über den Schotterweg in die Höhle

Den Rucksack auf dem Rücken, einen Pulli um die Hüfte, geht es los, den Schotterweg immer bergauf in Richtung Höhle. Vorbei an lila blühenden Rosmarinbüschen, Pinien und Olivenbäumen. Der Blick öffnet sich immer wieder zur Küste, in Richtung Magaluf, dem Ballermann der Briten.

Doch von Party-Rummel ist hier oben nichts zu spüren. Bis auf ein paar Vögel und den Wind: absolute Stille. Nach einer knappen Stunde ist das erste Ziel erreicht. Auf einem Platz, umgeben von Pinienbäumen, klafft ein zwei Meter grosses Loch im Boden, zugedeckt mit Holzplatten als Schutz für die Tiere.

Jose räumt das Holz zur Seite und zieht mehrere Helme aus seinem Rucksack. An jedem bringt er eine Stirnlampe an: 

"Es gibt 400 Höhlen hier in der Gegend. In einigen von ihnen must du mit Seil gehen. In dieser hier müssen wir nur wandern, ein bisschen klettern, aber ein Seil ist nicht nötig. Seid vorsichtig, weil es glitschig ist, vielleicht ist es nass und glatt. Ich geb euch einen Helm, den müsst ihr aufsetzen, mit einer Stirnlampe, es ist total dunkel da drin. Geniesst das Leben."

Vorwärts auf allen Vieren

Die Spannung steigt. Jose erzählt beiläufig, dass die Höhle bekannt ist für ihre Fledermäuse.

Anja: "Nee, da geh ich nicht rein, im Dunkeln will ich keine Fledermäuse sehen. Immer wieder schön, denk' ich. Wir lassen uns positiv überraschen."

Nach wenigen Schritten abwärts wird es so eng, dass man sich nur noch auf allen Vieren vorwärts bewegen kann. Ein paar Minuten später gelangt man in einen größeren Raum, und wähnt sich in einer anderen Welt. Von der Decke ragen eiszapfenförmige Tropfsteingebilde ins Innere der Höhle, aus dem Boden wachsen bizarre Miniaturberge. Wie Kleckerburgen aus Stein. Stalaktiten entstehen über Jahrhunderte durch Ablagerungen des mineralhaltigen Wassers.

Wo zwei aufeinander treffen, bilden sich Säulen, erklärt Jose: 

"Stalaktiten entstehen durch Wasser, vom Wasser setzen sich die Mineralien ab, und stellt euch vor: für so ein kleines Stückchen hier braucht es 100 Jahre."

Nach dem geologischen Exkurs in der größten Kammer der Höhle geht es im Gänsemarsch weiter. Schritt für Schritt über den feuchten, felsigen Boden. Abgründe tun sich auf und verschwinden wieder, die feuchten Wände bieten wenig Halt. An einer Felskante wird es besonders haarig.

Tobi: "Hier waren wir schon mal. Du große Güte, wie komm' ich da jetzt wieder rüber? - Alles gut, ich hab‘s überlebt."

Ein paar Schritte weiter steckt Anja fest.

"Du musst dich hier oben festhalten, jetzt drehst du dich mit dem Körper, machst das Bein hier runter. Hier das Gewicht auf das Bein. Du musst weiter vor, sonst wird’s nichts! Den einen Fuss hierhin! Nein, den anderen. Falko, nimmst du die Füsse, ich die Hände und dann tun wir sie rüberziehen! Oh, die Oma."

Totale Stille in Dunkelheit

Zeit für eine kleine Pause. Jose fordert alle auf, ihre Stirnlampen auszuschalten und eine Minute lang zu schweigen. "Totale Stille in Dunkelheit, so fühlt sich das an für die hier lebenden Tiere", sagt Jose. Ein paar Unermüdliche legen noch eine zusätzliche Kletterrunde ein. Die anderen zieht es hoch in die Sonne. Nach etwa einer Stunde hievt sich der letzte aus der Höhle. Alle sind begeistert.

Udo: "Tageslicht! Sehr gut, interessant, eigentlich sehr beeindruckend die ganze Geschichte."

Anja: "Das war richtig gut, zum Schluss da unten. Ich hab noch eine Rutsche eingebaut und bin den Allerwertesten runtergerutscht. Durchatmen. Super. Wird, glaub ich, ewig in Erinnerung bleiben. Is' ne andere Welt - auch die Ruhe. Wir haben es doch mal geschafft, so 30 Sekunden absolute Stille zu bringen, wo man nichts hört, ausser vielleicht einen Tropfen von 'nem Stalaktiten. Schön, das hat man in der heutigen Welt kaum noch. Und so verborgen, mitten hier drin, was niemand vermutet hätte, schön. Nicht so ein Touristenort, einfach mal was Besonderes, mit körperlichem Einsatz, und mit ganz viel Spaß."

Tramuntana ist Unesco-Weltkulturerbe

Während sich die Thüringer Industriemonteure von ihrer unterirdischen Klettertour erholen, beginnt 30 Kilometer nördlich für sechs Ehepaare ein ganz anderes Natur-Erlebnis. Bergführer Hendrik Uhlemann ist mit seiner Wandergruppe auf dem Weg von Soller hoch zum Cuber Stausee. Ausgangspunkt für eine sechsstündige Tagestour durchs Tramuntana-Gebirge. Während der 30-minütigen Busfahrt ist Zeit für ein bißchen Landeskunde: 

"Wir sind heute in der Region Escorca. Das ist die flächenmässig größte Gemeinde in der Tramuntana, aber mit den wenigsten Einwohnern. Es gibt in der Region Escorca nur 600 Einwohner - das sind nur die Bauern, die hier leben in den großen Fincas. 90 Prozent der Fincas sind Privatgelände. Das geht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als die Reconquista hier war, die Eroberung Mallorcas durch die Katalanen. 2007 wurde die Tramuntana Unesco-Weltkulturerbe. Diese einzigartige Kulturlandschaft sollte erhalten bleiben."

Wanderung auf Mallorcas erstem Fernwanderweg GR 221 durchs Tramuntana-Gebirge (Deutschlandradio / Caroline Kuban)Wanderung auf Mallorcas erstem Fernwanderweg GR 221 durchs Tramuntana-Gebirge (Deutschlandradio / Caroline Kuban)

Seit 14 Jahren arbeitet Hendrik Uhlemann als Wanderführer auf Mallorca. Seit elf Jahren ist er Chef der Firma "Mallorca Activities". Ein Dresdner Auswanderer. Hier gelandet, um für einige Monate Spanisch zu lernen, hier geblieben, weil er seine Frau kennenlernte.

Nach 30 Minuten hält der Bus am "Embalse de Cuber", dem größten Stausee Mallorcas, 750 Meter über dem Meeresspiegel: "Das ist das Trinkwasserreservoir von Palma, es gibt zwei Stauseen, einen weiter unten, den Gorch Blau und den Cuber, der ist jetzt bei 70 Prozent. Viel zu wenig. Der müsste jetzt 100 Prozent haben."

Besondere Route entlang der Trockensteinmauern

Immer entlang der steinernen Wasserleitung führt der Weg vom Cuber Stausee hoch zum Gorch Blau. Nach wenigen Kilometern zweigt der Weg ab, und es geht stramm bergauf durch den Steineichenwald. Den Blick konzentriert nach unten gerichtet, weichen die Wanderer den kräftigen Wurzeln aus, die an vielen Stellen für Unebenheiten sorgen: "Jetzt wisst ihr, warum das Steineiche heisst: die Wurzeln, die sprengen den Stein sogar auseinander."

Vorbei am Fuß des höchsten Berges der Insel, dem Puig Major, führt der Weg weiter durch einen vermoosten Wald. Bis in einer Talsenke das Refugio "Els Tossalds Verds" auftaucht. Die einsamste Wanderherberge der Insel. Als einzige auf dem Fernwanderweg GR 221 ist sie nicht mit dem Auto zu erreichen. "La Ruta de Pedra en Sec" wird der Fernwanderweg auch genannt, die "Route der Trockensteinmauern".

"Trockensteinmauer. Wie der Name sagt: im Trockenstein gemacht, ohne Zement. Natürliche Drainage, einfach durch Ablauf. Also dadurch, dass kein Zement drin ist, kann das Wasser ganz normal ablaufen." 

Anpacken ist gefragt beim Aufbauen der Seilbahn von einer Klippe zur anderen. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)Anpacken ist gefragt beim Aufbauen der Seilbahn von einer Klippe zur anderen. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)

Nicht zuletzt diesen kunstvollen Mauern verdankt das Tramuntana-Gebirge seinen Status als Weltkulturerbe. Mit ihnen entstanden jene Terrassen, die eine Bewirtschaftung der steilen Berggebiete erst ermöglichten. Zudem verhindern sie die Erosion des Bodens.

Mehr als 130 Kilometer zieht sich die Route der Trockensteinmauern vom äußersten Westen bis nach Pollenca im Norden der Insel, quer durch das Tramuntana-Gebirge, vorbei an 14 Gipfeln über 1000 Meter. Acht Tage braucht man für diesen Fernwanderweg.

"Jungs und Mädels, stellt euch drauf ein: Wir haben noch gute zwei Stunden vor uns, der Großteil geht bergauf. Ein Teil, 'Pass Liso' - das ist der glatte Pass, da werden wir auch ein Seil d'ran hängen haben, wo wir uns festhalten können. Aber da ist wirklich nichts mit Höhe oder sonst irgendwelchen problematischen Geschichten, das packen wir alle."

Beruhigende Worte, die manch einer gebrauchen kann, als wir die entsprechende Passage erreichen. Direkt am Felsen klettert man freihändig fünf Meter in die Tiefe. Einzig eine im Stein befestigte Kette gibt Halt. Die wandererfahrene Sabine aus Schwaben nimmt's gelassen.

Zur Belohnung mallorquinische Köstlichkeiten

Nach secheinhalb Stunden strammer Wanderung ist es geschafft. Ankunft in Juans Gaststätte. Die Belohnung wartet in Form von mallorcinischen Köstlichkeiten: Oliven und Aioli, frisch gebratenes Zicklein, Kroketten, Rotwein. Für Wanderführer Uhlemann ist gutes Essen nach einer langen Tagestour geradezu ein Muss. Bewußt führt er seine Gruppen dabei in die Lokale von Einheimischen. Damit sie ein Stück abbekommen vom touristischen Kuchen. Aktivtourismus ist nachhaltiger Tourismus, sagt Uhlemann: "Der Aktivtourist lässt Geld da, während der Pauschaltourist, der an der Platja de Palma sein All inclusive-Paket bucht, und an der Inselrundfahrt teilnimmt, wo er das Picknick-Paket aus dem Hotel mitnimmt. Das ist keine Nachhaltigkeit, das ist vielen Mallorcinern auf den Magen geschlagen."

Im letzten Sommer empfingen sie daher die Pauschalreisegruppen am Hafen mit lautstarken Protesten. "Der Tourismus tötet Mallorca" stand auf ihren Schildern. Was sie damit meinen, konnte man am Vorabend erleben. El Arenal, das Zentrum des deutschen Sauftourismus, liegt in der Nebensaison da wie eine Totenstadt. Neonlicht flackert schwach. Buchstaben aus lila Leuchtstoffröhren weisen den Weg zur "Oben Ohne Bar". Dort, wo sich sonst vor dem Schwarz der Berge am Horizont das Rot des Sonnenbrands auf goldenem Sand abzeichnet, ist Nebensaison. 17 Grad, Nieselregen. Der Niedergang des Pauschaltourismus schreitet voran. Auf der Insel strebt man ein anderes Erscheinungsbild des Küstenstreifens an. Kulinarik statt Exzesse. Champagner statt Eimersaufen. Salsa statt Schlager. Zahlreiche Baustellen zeugen von einem Wandel. Allein im Viertel El Arenal sollen fünf neue Luxushotels entstehen.

14 Millionen Touristen - aber nicht in Alaro

14 Millionen Touristen überfluten jedes Jahr die Insel. Nur ein Prozent von ihnen kommt zum Wandern in die Berge. Und genau hier, sagt Uhlemann, im Individual- und Aktivtourismus, liegt das Potential.

In einer schmalen Seitengasse des Bergdörfchens Alaro, am Rande des Tramuntanagebirges, liegt das Petit Hotel d'Alaro. Das 200 Jahre alte Haus eines Malers. Wer hier in eines der sieben Zimmer eincheckt, schätzt vor allem die Ruhe und Athentizität des Bergdorfes und hat mit Massentourismus nichts am Hut. Kommunikativer Mittelpunkt des Hauses ist die Sitzecke im gemütlichen Wohnzimmer. Zwischen Bücherregalen und Stehlampen bespricht und plant Wanderführerin Angela mit ihren Gästen gern die Tour des nächsten Tages. Gemeinsam mit ihrem Mann Mauro leitet sie das kleine Hotel seit zehn Jahren: 

"In den ersten Jahren war es schwierig, weil doch viele es noch im Sommer vor allem ans Wasser treibt, an die Küste, an die Strände. Aber immer mehr Touristen bevorzugen es jetzt doch, in den kleinen Orten im Landesinneren zu sein, fernab vom Massentourismus."

Dazu gehört auch Olaf, Internist aus Münster. Zum zweiten Mal ist der Mittfünfziger zum Wandern in Alaro. Auf Mallorca schätzt er das mediterrane Flair, die Vegetation, die milden Temperaturen im Frühjahr, wenn in Deutschland noch Winter herrscht. Seit seiner Kindheit liebt er das Wandern:

"Zum einen natürlich erstmal die Natur, die Ruhe, die Stille dabei, das bei sich sein, aber durchaus auch die sportliche Herausforderung, das heißt, sich Ziele zu setzen, diese Ziele dann zu erreichen. Dabei darf es auch ruhig mal etwas anstrengender sein. So wie gestern auf der sechsstündigen Tour quer durch die Tramuntana. Das ist mehr als ein Mittelgebirge", sagt Olaf.

"Irgendwo zwischen Mittelgebirge und in Ansätzen Hochgebirgscharakter. Klar, es gibt keinen Klettersteig, aber es gibt schon Passagen, die durchaus anspruchsvoll sind. Das Terrain ist mitunter doch ein bißchen ruppig, geröllig, felsig, so wie man es denn aus den Alpen kennt."

Schöne Landschaft und viel Geschwindigkeit

Im Esszimmer nebenan sitzen Kathleen McCormac und Donald Sharp bei einer Tasse Kaffee am Frühstückstisch. Radwanderführer Mauro hat eine Karte ausgebreitet und erläutert den beiden Schotten seinen Tourenvorschlag für den heutigen Tag. 

Seit zwölf Jahren kommen Kathleen und Donald zum Rennradfahren nach Mallorca. Die Mittsechziger lieben diesen Sport von Kindheit an. In ihrer Heimat Glasgow trainieren sie mindestens fünfmal die Woche. Wenn das Wetter zu schlecht ist, auch im Velodrom. "Mallorca ist für sie der perfekte Ort zum Radfahren", sagt Kathleen.

"Wir mögen die Landschaft, die Aussichten, schöne Pflanzen. Frühling ist hier viel früher als bei uns zuhause. Das ist schön. Und manchmal machen wir anspruchsvolle Touren, fahren in die Berge und suchen uns größere Herausforderungen. Man hat hier viel Abwechslung. Das ist das Gute an Mallorca."

Wenn andere Menschen ihres Alters die Wanderschuhe schnüren und gemässigten Schrittes die Landschaft geniessen, steigen Kathleen und Donald in ihren schmalen Rennradsattel, schnallen den Helm um und heizen los.

Kathleen: "Wahrscheinlich lieben wir die Geschwindigkeit. Im Velodrom sprinte ich gerne. Ich mag die Geschwindigkeit, die du beim Radfahren drauf kriegen kannst, man kann große Entfernungen zurücklegen, und die Gedanken werden ganz ruhig, wenn man durch diese kleinen Strassen fährt."

Donald: "Radfahren ist nicht so anstrengend für die Knie, auf langen Wanderungen kann es ganz schön hart werden, aber Radfahren ist leichter für die Gelenke. Manche Menschen sind fürs Laufen gemacht, andere Menschen sind fürs Radfahren gemacht. Ich denke, wir sind fürs Radfahren gemacht."

300.000 Radler auf den Straßen

Bis zu 300.000 Radfahrer besuchen Mallorca jährlich, die meisten von ihnen rollen im Frühjahr über die Strassen. Flach ist es im Süden und Osten, wo die kleinen Buchten sind und die Strände, hügeliger ist es im Landesinneren und richtig steil wird es im Westen im Gebirge.

Heute führt Mauro seine schottischen Gäste ganz entspannt über kleine Straßen durch Oliven- und Mandelfelder, vorbei an zwei großen Weingütern, im Blick immer den Hausberg des Dorfes, den Puig d' Alaro.

"Wir sind jetzt zwischen Alaro und Binissalem, das ist Cami de Sajerre. Dieses Stück, wo wir hier gerade sind, ist ein romanischer Pass. Alaro hat von diesem Weg zwei, eine ist dieses Stück, von Binissalem nach Alaro, und dann ist andere Stück das von Alaro nach Orient."

Nach 20 Kilometern Ankunft im 7000-Seelen-Dorf Santa Maria. Ein Hot Spot für Radfahrer. Besonders beliebt: das Restaurant-Café Sassini, kurz hinter dem Ortseingang. Am Zaun lehnen zig Rennräder. Hier gibt es angeblich die besten Torten der Insel, frisch gebacken von der französischen Wirtin. Bernhard Bachstein aus Brandenburg sitzt im Trikot mit seinen vier Freunden auf der Terrasse und wartet auf seine Bestellung. Eine Woche gemeinsam Radfahren:

"Wir sind nicht die, die hier trainieren wollen für den Triathlon und die Kilometer abreissen. Wir wollen einfach nur Spass haben. Genussfahrer mit Rennrad. Es gibt auch die Tiefeinsteiger vorne in Palma, kann man auch machen, aber: jedem so wie er es mag. Die Insel ist sehr vielseitig."

Richtig intensiv hat er mit dem Sport erst vor zehn Jahren angefangen, sagt Bernhard. Da war er 50, und hatte ein denkwürdiges Rad-Erlebnis:

"Es ist eine schöne Bergtour gewesen, und ich hab gesagt: 'Diesmal steigst du nicht ab, du schaffst das mit einem Mal.' Und hinter mir war Gequasel und Gequasel und Gequasel. Ich hatte die gesamte Hotelgeschichte von der Dame gehört. 'Wenn ich Sie vorher kennengelernt hätte', sprach sie mit dem Partner, 'hätten wir ja schon eher zusammen diese Tour machen können'. Mir war die Puste schon fast weg, und als sie vorbeifuhr, war sie mindestens 75 und hat da ohne Luftholen erzählt. Sie wäre wahrscheinlich dreimal schneller gewesen, wenn sie die Klappe gehalten hätte. Das sind Erlebnisse, die machen Spaß, aber das sind dann auch Strecken, die eigentlich Leute fahren, die nur trainieren. Da sind dann die Laien weniger unterwegs."

"Tolle asphaltierte Wege"

Simone aus Göttingen sitzt im wärmeren Innenraum des Restaurants zusammen mit ihrer zehnköpfigen Fahrrad-Gruppe am Kamin. Gestern 70, heute 80, morgen 100 Kilometer wollen sie fahren. Langsam steigern - das ist der Plan:

"Was viele über Mallorca gar nicht wissen, dass es hier ganz tolle asphaltierte Gartenwege gibt, wo man wirklich auch mit dem Rennrad ganz problemlos entlang fahren kann, und es ist nirgendwo huckelig oder alt, sondern teilweise sind die Straßenverhältnisse hier besser als in Deutschland, sodass man wirklich queer durch die Insel rauschen kann."

"Aber am liebsten durch die Berge", ergänzt ihr Tischnachbar Paul Dirk Tesmer. Er lebt in Erkelenz und arbeitet als Rad-Führer auf der Insel, und seit er pensioniert ist, sogar mehrere Wochen im Jahr: 

"Es gibt mehrere Routen. Küstenklassik von Andratx nach Pollenca der Länge nach durchs Tramuntana ist unvergleichlich schön, anstrengend, sind rund 2400 Höhenmeter, aber tolle Aussichten. Rund 135 Kilometer. Kann man den Bus zurück nehmen. Wenn man ein, zwei Mal hier ist, hat man den sogenannten Rennrad-Virus, und kommt immer wieder."

Oben brennt die Sonne, unten lockt das Meer

Die Thüringer Industriemonteure sind inzwischen an der letzten Station ihres sportlichen Abenteuers angelangt. "Coasteering" steht auf dem Programm. Nach einer kurzen Wanderung zu den Klippen quälen sich die Teilnehmer in ihre hautengen Neoprenanzüge und bewegen sich vorsichtig über die schroffen Felsen bis dicht an den Abgrund. Von oben brennt die Sonne, unten lockt das kühle Meer.

Coasteering an Mallorcas Klippen: Wanderführer Jose gibt den Thüringer Industriemonteuren Tipps zum richtigen Springen. Am wichtigsten ist die Körperspannung. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)Coasteering an Mallorcas Klippen: Wanderführer Jose gibt den Thüringer Industriemonteuren Tipps zum richtigen Springen. Am wichtigsten ist die Körperspannung. (Deutschlandradio / Caroline Kuban)
Noch ein Blick hinunter zur Orientierung - und dann wird’s ernst: "Drei, zwei, eins, go! Drei, zwei, eins, go!" Einer nach dem anderen springt in die Tiefe, schwimmt um ein paar Felsen herum, klettert auf der anderen Seite wieder hoch. Und weiter geht’s zu einem höheren Absprung. Vier, fünf Mal das Ganze, bis zur Zehn-Meter-Kante.

"Kalt ist es, ganz ganz kalt. Bin schon mal aus so einer Höhe gehüpft, aber es ist etwas anderes, über einen Felsen rüber. Es ist ein bisschen Überwindung, dass man weit genug hüpft, aber so war's spitze! Das ist schön, aber das ist was für junge Leute, aber schön, dass man es gemacht hat. Das hier ist jetzt wieder spannend, über die Leine, mal gucken, ob ich das mitmache, das schau ich mir erstmal an. So von oben nach unten, der Klatsch ist immer: Ups, Bauch, Beine, Po. Man braucht halt Körperspannung, sonst machst du einen Poklatscher." 

Skeptisch schaut Anja zur anderen Seite der Klippen. Hier bereitet Alfonso die Zipline vor, spannt ein langes Seil über die Bucht und befestigt es mit Karabinern im Fels. Dann hängt er eine Rolle mit zwei Griffen hinein und fertig ist die Seilbahn ins Wasser.

"Also das Klettern von hier unten hoch ist dann anstrengend, weil du, wenn du in das Wasser reinhüpfst, hier 'rüber schwimmen musst, und in dem Moment schon ziemlich viele Muskeln angespannt hast. Dann kletterst du hier hoch und weißt gar nicht so richtig, wo Du dich festhalten sollst. Also man ist schon fix und alle, wenn man hier oben ist. Du hast hier absoluten Körpereinsatz, super! Ist schon Adrenalin pur, was du da hast, so etwas macht man nicht jeden Tag."

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