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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 22.09.2010

"Fish Tank"

Vom Alltag eines Teenagers in einer Sozialsiedlung am Rande Londons

Von Anke Leweke

Regisseurin Andrea Arnold stellte beim Festival des europäischen Films in Sevilla ihren Film "Fish Tank" vor. (Festival de cine Sevilla)
Regisseurin Andrea Arnold stellte beim Festival des europäischen Films in Sevilla ihren Film "Fish Tank" vor. (Festival de cine Sevilla)

Die 15-jährige Mia lebt in einem sozialen Brennpunkt und ist auf alles und jeden wütend. Als ihre Mutter wieder einmal einen neuen Liebhaber mitbringt und dieser sich fürsorglich um das Familienleben des vernachlässigten Mädchens kümmert, entwickeln sich mehr als töchterliche Gefühle.

Was für ein Auftakt! In den ersten Minuten des Films leistet sich die 15-jährige Mia ein heftiges, mit derben Worten gespicktes Gefecht mit ihrer Mutter, dann erteilt sie einer Gleichaltrigen eine Kopfnuss, sodass deren Nase bricht und legt sich mit einer Kleinganovenbande an.

Mia hat eine unheimliche Wut im Bauch. Eine Wut, die sich gegen alles und jeden richtet - gegen ihre Mutter, die Freundinnen, die kleine Schwester, gegen ihre traurigen Lebensumstände.

Mia lebt in einer Sozialsiedlung am Rande von London. Ein Kameraschwenk genügt, um den Alltag in dieser trostlosen Umgebung zu skizzieren. Jugendliche mit Kampfhunden und Bierflaschen, arbeitslose Männer, die stumm in die Gegend starren, vermüllte Flure und heruntergekommene Wohnungen. Von ihrer Mutter, die meistens an der Flasche hängt und ständig neue Liebhaber mitbringt, fühlt sich das junge Mädchen vernachlässigt. Doch eines Tages steht der gut aussehende Connor vor der Tür. Er bringt so etwas wie einen Familienalltag mit, bereitet Frühstück, gemeinsam unternimmt man einen Ausflug ins Grüne. Doch Mia sieht in Connor mehr als einen väterlichen Freund, und auch dieser fühlt sich zu der 15-Jährigen hingezogen ...

"Fish Tank" lässt seine junge Protagonistin keine Minute aus den Augen, fast scheint es als wolle die Kamera dem Mädchen den Rückhalt geben, den ihr soziales Umfeld nicht leisten kann. Auch wenn ihre Zukunft weiterhin unsicher bleibt, so scheint sie doch immer mehr zu sich selbst zu finden. Die Regisseurin Andrea Arnold ist eine präzise Beobachterin, die ihre Geschichten in einem gnadenlosen Alltag findet. Das Gesicht ihrer wütenden Heldin wird dem Zuschauer jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben. Aber auch die eindringliche Tanzszene. Plötzlich findet Mia eine Möglichkeit, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Großbritannien 2009, Regie: Andrea Arnold, Darsteller: Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Waring, Rebecca Griffiths, Sydney Mary Nash, Harry Treadaway, Carrie-Ann Savill, Grant Wild, Chelsea Chase, FSK: ab 12, Länge: 122 Minuten

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