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Im Gespräch | Beitrag vom 30.12.2019

First Lady Elke Büdenbender"Mein Mann hat das Amt, ich habe eine Rolle"

Moderation: Annette Riedel

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Elke Büdenbender im Interview beim Deutschlandradio in Berlin.  (Henning Schacht)
Setzt in ihrer Rolle als Präsidentengattin eigene Akzente: die Juristin Elke Büdenbender, verheiratet mit Frank-Walter Steinmeier. (Henning Schacht)

Als Gattin des Bundespräsidenten ist die Juristin Elke Büdenbender Deutschlands First Lady. Die Bezeichnung mag sie eigentlich nicht – zu viel Glamour-Anstrich. Die Aufgabe findet sie aber sehr spannend. Vor allem, wenn es um ihr Herzensthema Bildung geht.

Zugegeben, "Ehefrau des Bundespräsidenten" klingt etwas sperrig, weswegen Elke Büdenbender versteht, dass Viele einfach "First Lady" sagen. Aber eigentlich gebe das ihrer Rolle "so einen sehr glamourösen Anstrich, den ich, glaube ich, für mich nicht in Anspruch nehmen würde."

Glamour und im Scheinwerferlicht zu stehen ist nicht unbedingt etwas, das die langjährige Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender anstrebt. Aber das Amt ihres Ehemanns Frank-Walter Steinmeier,  zwölfter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, bringt es nun mal mit sich, in der Öffentlichkeit zu stehen. Und diese Rolle – sie selbst habe ja kein Amt, sondern eine Rolle auszufüllen, da ist die gelernte Juristin sehr genau – die mache ihr Freude. Sie sei in einem "Lebensabschnitt, der spannend ist und mich sehr bereichert", sagt Elke Büdenbender.

Digitalisierung nicht ohne die Frauen

Denn es geht bei weitem nicht nur darum, bei offiziellen Anlässen die Frau an der Seite des Bundespräsidenten zu sein. Wie die – pardon – First Ladys der Bundesrepublik vor ihr hat Elke Büdenbender eine Vielzahl von Projekten, die sie unterstützt. So ist sie etwa Schirmherrin der Initiative "Klischeefrei", die Jugendliche bei der Berufswahl jenseits überkommener Rollenbilder fördert. Mädchen und junge Frauen zu traditionellen Männerberufen zu ermutigen, sei dabei die eine Seite, meint Elke Büdenbender, vor allem damit "das große Thema in der Berufswelt heute, die Digitalisierung, nicht an uns Frauen vorbeigeht." Denn: "Was kann dabei rauskommen, wenn Frauen bei etwas nicht beteiligt sind? Das kann doch nicht gut werden." Sie wolle aber auch mehr männliche Jugendliche für Berufe wie Erzieher oder Altenpfleger gewinnen: "Männer sind auch fürsorglich."

Bildung, bessere Bildungschancen für alle sind ihr Hauptthema, gerade weil in Deutschland der Bildungserfolg nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängt: "Ja, wir versäumen es immer noch, wirklich alle Kinder mitzunehmen. Wir verlieren da einfach zu viele Talente." Vielleicht hängt dieses Engagement auch mit ihrem eigenen Lebensweg zusammen: Elke Büdenbender stammt aus einfachen Verhältnissen, machte eine Berufsausbildung zur Industriekauffrau. Erst über ihre Gewerkschaftsarbeit erfuhr sie von den Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs, holte das Abitur nach und studierte Jura. Wo sie ihren späteren Ehemann Frank-Walter Steinmeier kennenlernte.

"Ein riesiges Geschenk des Lebens"

Der spendete ihr 2010, als sie schwer erkrankt war, eine Niere. Eine riskante Operation, denn es war zunächst nicht klar, ob ihr Körper das fremde Organ annehmen würde. Heute geht es Elke Büdenbender gut und sie sieht die Transplantation als "riesiges Geschenk des Lebens. Wir sind beide, mein Mann und ich, sehr, sehr dankbar dafür, dass es geklappt hat." Und dabei rühmt die Sozialdemokratin auch das solidarische deutsche Krankenversicherungssystem, das solche aufwendigen Operationen möglich mache.

Und wie wohnen Präsidentens so? In der offiziellen Residenz des Bundespräsidenten in Berlin, nicht in dessen Amtssitz Schloss Bellevue. "Ich würde da nicht leben wollen", das Schloss sei zwar sehr schön, aber man sei dort "richtig auf dem Präsentierteller". Ein bisschen Privatheit muss sein, auch für eine First Lady: "Ich fahre immer noch S-Bahn, U-Bahn, Bus und das geht gut. Ich werde selten erkannt oder angesprochen. Ich finde das ganz toll."

(pag)

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