Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Sonntag, 21.04.2019
 
Seit 18:30 Uhr Hörspiel

Studio 9 | Beitrag vom 20.03.2019

Firma "Dogprognose" in IsraelKönnen Hunde Krebs erschnüffeln?

Von Benjamin Hammer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein trainierter Border Collie riecht an fünf Boxen mit Geruchsproben. (picture alliance / dpa / Barnabas Honeczy)
Ein Border Collie riecht an Geruchsproben - trainierte Hunde können etwa Lungenkrebs mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 70 Prozent riechen. (picture alliance / dpa / Barnabas Honeczy)

Der Hundetrainer Uri Bakeman bietet einen besonderen Service an: Interessierte schicken eine Speichelprobe, und seine Hunde erschnüffeln, ob eine Krebserkrankung vorliegt. Durchaus möglich - aber trotzdem unseriös, sagen israelische Wissenschaftler.

Der Hund, der möglicherweise über Leben und Tod entscheidet, heißt Timi. Der Labrador-Retriever ist anderthalb Jahre alt und lebt in einem Dorf in der Negev-Wüste im Süden von Israel. In einem unscheinbaren Haus schnüffelt der Rüde mehrmals pro Woche an Speichelproben von Menschen. Sein Hundetrainer, der Israeli Uri Bakemann, ist überzeugt: Timi kann riechen, ob ein Mensch Krebs hat.

"Der Geruch ist einer der stärksten Sinne des Hundes. Rüden können zum Beispiel auf einer Entfernung von Kilometern riechen, ob eine Hündin läufig ist. Der Geruchssinn ist viel besser als der von Menschen."

Uri Bakemanns Unternehmen heißt "Dogprognose". Für umgerechnet 90 Euro können Kunden eine Speichelprobe einsenden. Nach wenigen Tagen bekommen sie ein Ergebnis. Haben sie Krebs oder sind sie gesund? Eine Frage, die zehntausende Ärzte auf der ganzen Welt beschäftigt. Und den Hund Timi.

Geruchsproben wie bei Drogen oder Sprengstoff

Ein Handyvideo soll zeigen, wie Timi arbeitet. Auf dem Boden befinden sich sechs Dosen mit Proben. Ein Hundeführer zeigt Timi die Proben. Und Timi steckt seine Nase immer wieder in die gleiche Dose, setzt sich schließlich hin. "Guter Hund", sagt der Hundeführer und gibt Timi Leckerli.

Timi, so sieht es Uri Bakemann, habe in dem Video eine positive Speichelprobe erkannt. Der Patient habe Krebs. Der Hundetrainer verspricht, dass Timi in 95 Prozent der Fälle richtig liegt. Das Prinzip soll das gleiche sein wie bei Hunden, die Drogen oder Sprengstoff erschnüffeln:

"Der Hund steckt seine Nase in die Probe. Danach setzt er sich hin. Es ist sehr entschlossen. Wenn Hunde so deutlich eine Probe erkennen, dann lügen sie nicht. Sie sagen, wie es ist."

Der israelische Hundetrainer Uri Bakermann und sein Labrador Timi. Timi soll erschnüffeln können, ob jemand Krebs hat. (Benjamin Hammer (BR))Der israelische Hundetrainer Uri Bakermann und sein Labrador Timi. Timi soll erschnüffeln können, ob jemand Krebs hat. (Benjamin Hammer (BR))

Nicht alle haben so viel Vertrauen in die Hunde. Nadir Arber würde seine Patienten nicht zu Uri Bakemann und dem Hund Timi schicken. Der Professor leitet das Zentrum für integrierte Krebsprävention am renommierten Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv.

"Das kann ich nicht ernst nehmen. So etwas muss in klinischen Studien bestätigt werden. Wir müssen gesunde Patienten mit Patienten vergleichen, die Krebs haben. Wir müssen sehr viele Patienten untersuchen und andere Faktoren berücksichtigen, das Geschlecht zum Beispiel und Entzündungswerte. Für so etwas brauchen sie eine große Organisation. Nein, das ist keine Wissenschaft."

Krebspatienten haben einen anderen Stoffwechsel

Dabei hält es der Mediziner aus Tel Aviv prinzipiell für möglich, dass Hunde mit ihrem Geruchssinn dabei helfen können, Krebs zu erkennen. Auch Studien haben das bestätigt. Krebspatienten, sagt Nadir Arber, hätten einen anderen Stoffwechsel als gesunde Menschen. Der Medizinprofessor gründete in der Vergangenheit ein Startup, bei dem Mäuse Krebs erkennen sollten. Und scheiterte.

"In der Theorie macht das alles sehr viel Sinn. Aber wir müssen die Theorie wissenschaftlich beweisen."

Der Hundetrainer Uri Bakemann verspricht, dass sich sein Unternehmen bald an wissenschaftlichen Untersuchungen beteiligen wird. Er will Dogprognose ins Ausland bringen – auch nach Deutschland.

Der Krebsforscher Arber setzt vorerst auf etablierte Untersuchungen, zum Beispiel mit Blutbildern. Das Problem sei, sagt der Wissenschaftler, dass Krebs im frühen Stadium meist keine Symptome verursache. Dabei ist das eine enorm kritische Phase der Krankheit.

Den Mediziner Arber und den Hundetrainer treibt die gleiche Sache an: Der Krebs soll so früh erkannt werden, dass er noch geheilt werden kann.

Mehr zum Thema

Krebsvorsorge - Doktor Fruchtfliege
(Deutschlandfunk Kultur, Elektronische Welten, 10.2.2014)

Krebsvorsorge - Die künstliche Hundenase
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 20.11.2013)

Neue Helfer in der Krebsvorsorge
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 26.10.2012)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur