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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.04.2011

Finanzexperte: Wir sind noch mitten in der Finanzkrise

Clemens Fuest dämpft Hoffnung auf dauerhaften Aufschwung

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Kurve des Deutschen Aktien Index (DAX) an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (AP)
Kurve des Deutschen Aktien Index (DAX) an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (AP)

Trotz der optimistischen Wachstumsprognose der Bundesregierung mahnt der Finanzexperte Clemens Fuest von der Universität Oxford, man müsse auch die Risiken sehen, die etwa in den Unwägbarkeiten des Ausstiegs aus der Kernenergie bestünden.

Auch sei die deutsche Bankenlandschaft "nicht so stabil, wie man sie gerne hätte", so der Finanzexperte. "Das heißt: Kurzfristig wird es wohl gut weitergehen mit dem Aufschwung, aber schon ab dem nächsten Jahr gibt es doch auch erhebliche Risiken."

Der Oxforder Wissenschaftler betonte, die Finanzkrise sei "sicherlich nicht vorbei, und wir befinden uns also noch in dieser Krise". "Besorgniserregend" sei die Staatsverschuldung in vielen Ländern, etwa die der USA: "Man muss sich beispielsweise vor Augen führen, dass der Anteil der Staatsschulden am Bruttoinlandsprodukt in den USA bald höher sein wird als in Italien."

Jetzt gehe es darum, diesen Trend umzukehren: "Niemand weiß, ob nicht irgendwann die Kapitalmärkte sagen werden: Wir vertrauen den Amerikanern nicht mehr oder wir vertrauen auch Europa nicht mehr", sagte er. "Das heißt, diese Lage ist sehr ernst, und deshalb muss jetzt im Mittelpunkt stehen, von dieser hohen Staatsverschuldung herunterzukommen."

Fuest warnte ferner davor, den Aufschwung zum Anlass für Steuersenkungen zu nehmen. Es sei jetzt "sehr wichtig, dass man sagt: Moment, Vorsicht an der Bahnsteigkante! Wir brauchen einen Puffer, wir brauchen Spielräume in den öffentlichen Finanzen zum Beispiel, um vielleicht auf Krisen reagieren zu können."

Das vollständige Gespräch mit Clemens Fuest können Sie mindestens bis zum 16.9.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

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