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Interview | Beitrag vom 21.01.2021

Finale "Vogel des Jahres"Warum Saša Stanišić den Goldregenpfeifer liebt

Saša Stanišić im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Goldregenpfeifer steht auf einer Wiese (Imago/ blickwinkel/AGAMI/R. Martin)
Ein schöner Vogel, leider nur noch mit Gaststatus in Deutschland: Saša Stanišić will dem Goldregenpfeifer zu Aufmerksamkeit verhelfen. (Imago/ blickwinkel/AGAMI/R. Martin)

Saša Stanišić setzt sich dafür ein, dass der Goldregenpfeifer "Vogel des Jahres" wird. Das sei die wichtigste Entscheidung 2021, nach US- und Bundestagswahl. Aus biografischen Gründen fühlt sich Stanišić dem "Gast-Vogel" sehr nah.

In der deutschlandweiten Abstimmung zum "Vogel des Jahres" geht es ins Finale: Im März soll der Gewinner 2021 feststehen. Auf die Liste mit den letzten zehn Kandidaten hat es auch der Goldregenpfeifer geschafft. Das hat der wenig bekannte Vogel sicher zu einem großen Teil einer Kampagne des Schriftstellers Saša Stanišić zu verdanken. Er will dem Goldregenpfeifer, wie er sagt, wieder zu einer gewissen "Sichtbarkeit" verhelfen.

Saša Stanišić im Porträt. (picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt)Saša Stanišić: Für seinen Roman "Herkunft" erhielt er 2019 den Deutschen Buchpreis. (picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt)

Seit 2006 verfolgt der Buchpreisträger die Wege des Vogels über Europa und Deutschland. Hierzulande allerdings lebe der Goldregenpfeifer nicht mehr, sei nur noch ein sogenannter "Gast-Vogel", sagt Stanišić. Dieser Begriff war es auch, der den aus Bosnien-Herzegowina stammenden Schriftsteller aufmerksam werden ließ: Er sei ja selbst eine Art "Gast-Vogel" gewesen.

"Ich begann zu fiebern"

Damals habe er erst wenige Jahre in Deutschland gelebt und nicht gewusst, ob er wieder abgeschoben werde. "Ich mochte den Begriff Gast-Vogel", sagt Stanišić. Auf einem Ausflug habe er dann einen Goldregenpfeifer gesehen und sich in den stark gefährdeten Vogel "verliebt", wie er sagt: "Ich begann zu fiebern, gleichzeitig mit meinem eigenen Schicksal und mit dem Schicksal des Vogels. Es überlappte sich." Bis heute sei "die komische Zuneigung zu diesem wirklich scheuen und schönen Vogel" geblieben.

Ein Schwarm Goldregenpfeifer über einer strahlend grünen Wiese vor blauem Himmel (imago / blickwinkel)Ein Schwarm Goldregenpfeifer in den Niederlanden: In Deutschland wurde der Lebensraum des Vogels weitgehend zerstört. (imago / blickwinkel)

Im Wettbewerb um den Titel "Vogel des Jahres" sei nun die Stadttaube die schärfste Konkurrentin des Goldregenpfeifers, berichtet der Schriftsteller: "Das ist neben der Wahl in den USA und der anstehenden Bundestagswahl hier bei uns im Grunde die wichtigste Wahl des Jahres. Wir werden als Team alles dafür tun, dass der Goldregenpfeifer das jetzt auch wirklich nach Hause holt."

Die Geschichte des gescheiterten Naturschutzes

Jenseits dieser charmantem Übertreibung hat Stanišić ein wirklich ernstes Anliegen: "Wir haben mit dem Goldregenpfeifer wirklich einen Vogel, der gefährdet und in Deutschland ausgestorben ist. Über ihn lässt sich sehr gut die Geschichte des gescheiterten Naturschutzes erzählen." Denn der Goldregenpfeifer sei aus Deutschland verschwunden, weil seine Brutgebiete durch die Entwässerung von Mooren und Torfabbau vernichtet worden seien.

(bth)

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