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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.03.2016

Filmwissenschaftler Marcus StigleggerFilme als Blaupause für Terrorismus?

Marcus Stiglegger im Gespräch mit Liane von Billerbeck und Hans-Joachim Wiese

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Beide Türme des brennenden World Trade Center in New York stürzen nach dem Terror-Anschlag am 11.9.2001 in sich zusammen.  (picture-alliance / dpa)
Der Terroranschlag vom 11. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center hatte Vorläufer in Blockbusterproduktionen, sagt Filmwissenschaftler Markus Stiglegger. (picture-alliance / dpa)

Dienen fiktive Geschichten, vor allem Filme, Terroristen als Inspiration für ihre Anschläge? Es gebe hier definitiv Überschneidungen, sagt der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger. Terroristische Gewalt bedürfe aber keiner filmischen Vordenkerleistung,

Zwischen Filmen wie dem am heutigen Donnerstag in den Kinos startenden Terrorthriller "London Has Fallen" und realem Terrorismus gebe es definitiv Überschneidungen, sagte der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger im Deutschlandradio Kultur. In "London Has Fallen" fliegt die halbe Innenstadt von London in die Luft, fünf der wichtigsten Weltpolitiker werden ermordet oder verschwinden. Eine Terrorgruppe hält nicht nur die britische Hauptstadt, sondern die gesamte westliche Welt in Atem.

Doch einen zu simplen Zusammenhang zwischen Kunst und Terrorismus dürfe man auch nicht konstruieren. Das zeige auch, dass ein US-amerikanisches Gericht den Regisseur Oliver Stone und das Medienunternehmen Time Warner vor Jahren freigesprochen hatte. Sie waren verklagt worden, da reale Täter, nachdem sie den Film "Natural Born Killers" gesehen hatten, Menschen auf eine Art töteten, die dem Film ähnelte.

"Zu einfache Gleichung"

Das Gericht habe damals argumentiert, so Stiglegger, Künstler könnten nicht verantwortlich gemacht werden für vermeintliche Folgen eines Filmes. "Denn im Endeffekt ist es so, dass ein Täter sich entschulden könnte dadurch, dass er sagt, es wurde in Kunst vorgedacht und das war die Inspiration. Das ist eine zu einfache Gleichung." 

Die Ziele von terroristischer Gewalt böten sich meistens von selbst an und bedürften keiner filmischen Vordenkerleistung, so der Professor für Fernsehen und Film an der Dekra Hochschule für Medien in  Berlin. Doch Überschneidungen zwischen Film und Terrorakten gebe es. "Weil sozusagen, die Überlegungen, die dorthin führen, aus der selben Quelle gespeist sind, nur dass sie im einen Fall kriminell sind, im anderen kreativ und künstlerisch motiviert." In Bezug auf den Film seien diese Überlegungen "nur mit weniger realer krimineller Energie aufgeladen."

Allerdings sei es doch auffällig, dass etwa die Anschläge vom 11. September 2001 einige Vorläufer in Blockbusterproduktionen hatten. Das lasse den Eindruck aufkommen, "dass solche Dinge schon in Unterhaltungsmedien vorgedacht werden."

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