Dienstag, 20.11.2018
 

Kulturnachrichten

Montag, 9. April 2018

Filmregisseur Juraj Herz gestorben

Er wurde 83 Jahre alt

Der Film- und Fernsehregisseur Juraj Herz starb am Sonntag in Prag. Er gehörte zu den prägenden Vertretern der Neuen Welle des tschechoslowakischen Films, die in der liberalen Zeit des Prager Frühlings der 1960-er Jahre neue Wege suchten. Sein wichtigster Film war die schwarze Horrorkomödie "Der Leichenverbrenner" von 1969, in dem der Künstler mit jüdischen Wurzeln sich mit dem Holocaust auseinandergesetzt. Er wurde wegen "Kritik am Konformismus" vom sozialistischen Regime verboten. Herz emigrierte 1987 in die Bundesrepublik und widmete sich vor allem dem Genre Märchen. Er realisierte "Die Galoschen des Glücks" von Hans Christian Andersen, "Der Froschkönig" (1991) mit Iris Berben und "Des Kaisers neue Kleider" (1994). Im Jahr 2010 erhielt Herz den Kristallglobus des Karlsbader Filmfestivals für sein Lebenswerk.

Saudi-Arabien nimmt erstmals in Cannes teil

Land erhält bei Aufbau von Oper und Orchester Hilfe aus Frankreich

Saudi-Arabien nimmt im Mai erstmals in seiner Geschichte am Filmfestival von Cannes teil. An der Côte d'Azur werde das Königreich eine Auswahl von Kurzfilmen präsentieren, kündigte die Delegation von Kronprinz Mohammed bin Salman bei dessen Paris-Besuch an. Frankreich will das Land zudem beim Aufbau einer Oper und eines Nationalorchesters unterstützen, wie Kulturministerin Françoise Nyssen nach einem Treffen mit dem saudiarabischen Ressortchef Awwad al-Awwad bekannt gab. Thema bei der Begegnung in Paris war auch die Ausbildung von Filmschaffenden. Im erzkonservativen Saudi-Arabien hatte vergangene Woche das erste Kino seit mehr als drei Jahrzehnten eröffnet.

Müller würdigt gestorbenen Historiker Rürup

"Zentrales Anliegen sei es gewesen, das Wissen um die Shoah weiterzugeben"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat den langjährigen Leiter des NS-Dokumentationszentrums "Topographie des Terrors", Reinhard Rürup, als "großen deutschen Historiker" gewürdigt. Rürup, der am vergangenen Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben war, habe auch als Gründungsbeauftragter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin bis weit in die Gesellschaft hinein gewirkt, erklärte SPD-Politiker Müller. Rürups zentrales Anliegen sei es gewesen, das Wissen um die Geschichte insbesondere des Nationalsozialismus, der Shoah und des Antisemitismus weiterzugeben, erklärte Müller. Dank seiner Lehrerbegabung habe er mit seinem Wissen zahlreiche Studenten geprägt.

PEN für Neubildung der Schwedischen Akademie

Präsidentin Venske: "(Sie) sollten sich auflösen und völlig neu konstituieren"

Das deutsche PEN-Zentrum hat sich für die Auflösung der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, ausgesprochen. Die Präsidentin der Schriftstellervereinigung, Regula Venske, sagte dem Sender MDR Kultur in Halle, sie sehe das Renommee des Preises zwar noch nicht beschädigt, allerdings mahne sie eine grundlegende Reform der Akademie an. "Meiner Meinung nach sollten sie sich auflösen und völlig neu konstituieren", sagte Venske. Dann könne man auch überlegen, ob man das Auswahlgremium für einen internationalen Preis auch entsprechend besetze.

Musikmanager übernimmt documenta-Geschäftsführung

Wolfgang Orthmayr folgt auf Annette Kulenkampff

Der Musikmanager Wolfgang Orthmayr wird vorübergehend Geschäftsführer der documenta in Kassel. Der 58-jährige Hamburger habe zum 1. April diese Aufgabe übernommen, teilte die Stadt Kassel als Gesellschafter der weltweit renommierten Ausstellung für moderne Kunst mit. Orthmayr war in den vergangenen Jahren unter anderem bei einer Firma für Musicals, bei Sony Music und der Musikhandelskette World of Music tätig. Die scheidende documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff war in die Kritik geraten, als ein Defizit der documenta im Ausstellungsjahr 2017 bekannt wurde. Nach jüngsten Angaben beträgt es 5,4 Millionen Euro.

Cosby-Prozess verzögert sich

Nackt-Demonstrantin und Jury-Probleme

Der Schauspieler Bill Cosby ist am ersten Tag des neuen Gerichtsprozesses mit Protesten konfrontiert worden. Zunächst warf sich eine halbnackte Demonstrantin vor den US-Entertainer - und dann meldete die Verteidigung Zweifel an einem Juror. Daher hat sich der Beginn des neu aufgelegten Strafprozesses gegen den 80-jährigen US-Entertainer wegen sexueller Nötigung zunächst verzögert. Der Richter entschied, sich zunächst mit einem Einwand der Verteidigung zum Zweifel an der Unabhängigkeit eines Jurors zu beschäftigen. Zuvor war es auf Cosbys Weg zum Gericht zu einem Zwischenfall gekommen. Eine halbnackte Frau sprang Cosby vor dem Gerichtsgebäude in den Weg und schrie "Mister Cosby, Vergewaltiger".

Tieferer Einblick ins Judentum für Schüler

Internetseite soll Beitrag für Verständnis und Abbau von Vorurteilen leisten

Für Schulen steht bundesweit künftig eine neue Materialsammlung über das Judentum zur Verfügung. Sie solle für eine bessere Vermittlung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur im Schulunterricht sorgen, teilten der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Kultusministerkonferenz in Berlin mit.
Eine gemeinsame Arbeitsgruppe habe die kommentierte Materialsammlung erstellt. Sie soll künftig im Unterricht sowie in der Lehrerbildung genutzt werden und steht ab dem 18. April online zur Verfügung. Zentralrat und Kultusminister hatten sich im Dezember 2016 in einer gemeinsamen Erklärung auf diesen Schritt verständigt. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, unterstrich, in Zeiten eines wachsenden Antisemitismus sei "es dringender denn je, jungen Menschen einen differenzierten Einblick ins Judentum zu geben, der über die Themen Schoa und Nahostkonflikt hinausgeht".

Papst ermutigt Christen zu einem heiligmäßigen Leben

Lehrschreiben wirbt für „Heiligkeit der Mittelschicht"

Papst Franziskus hat alle Katholiken zu heiligem Verhalten im Alltag aufgefordert. Die Heiligen von nebenan lebten gottgefälliger als religiöse Eliten, die auf perfekte Einhaltung von Kirchenregeln und -doktrin beharrten, erklärte er in einem neuen Apostolischen Schreiben. Jeder könne mit Gottes Hilfe heilig sein, ob Priester oder Arbeiter, Eltern oder Eheleute, Ordensleute oder Politiker. Mit der Taufe sei jeder Christ dazu berufen, sich nicht nur mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedengeben. Armen und Migranten zur Seite zu stehen sei ebenso heilig wie der Schutz des ungeborenen Lebens, so der Papst. Das Dokument „Gaudete et exsultate, „Freut euch und jubelt, ist das dritte apostolische Schreiben in seinem Pontifikat. Mit den anderen beiden brachte er Konservative gegen sich auf, weil er den Kapitalismus verurteilte und nahelegte, dass geschiedene und zivilrechtlich neu verheiratete Katholiken die Kommunion erhalten können. Das aktuelle Schreiben wurde am 19. März unterzeichnet, dem fünften Jahrestag von Franziskus' Amtsantritt.

PEN-Zentrum fordert Aufklärung über Verlags-Razzia

Schriftsteller befürchten staatliche Zensur

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und das PEN-Zentrum Deutschland fordern die Bundesregierung zur Aufklärung über eine Razzia gegen den Mezopotamien-Verlag und das Unternehmen MiR-Multimedia in Neuss auf. Deren Räume waren am 8. März durchsucht worden, wie der Buchhandel- und der Schriftstellerverband in Frankfurt mitteilten. Dabei seien mehrere Lkw-Ladungen Bücher, Medien und Unterlagen beschlagnahmt worden. Das Bundesinnenministerium wirft den Firmen vor, die in Deutschland verbotene Kurden-Organisation PKK zu unterstützen. Die Bundesregierung solle den Verdacht ausräumen, im Interesse der türkischen Regierung gehandelt zu haben, forderte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis.

Spongebozz: Ausschluss von Kollegah und Farid Bang wäre Zensur

Jüdischer Rapper findet Textzeile geschmacklos aber nicht antisemitisch

Der jüdische Rapper Spongebozz findet es trotz der Antisemitismus-Vorwürfe gegen Kollegah und Farid Bang richtig, dass die Echo-Nominierungen beider Musiker aufrecht erhalten bleiben. Die kritisierte Zeile aus ihrem Song "0815" sei "geschmacklos - aber nicht antisemitisch", sagte Spongebozz. "Deswegen muss ich als Rapper sagen, dass ein Ausschluss Zensur wäre", erklärte er. "Die Kunstfreiheit ist ein zu hohes Gut in Deutschland, als dass wir sie einschränken sollten, nur weil uns eine bestimmte Kunst nicht passt." Bei der Echo-Veranstaltung am Donnerstag in Berlin ist Spongebozz neben Kollegah und Farid Bang in der Kategorie Hip-Hop/Urban National nominiert. Seine Kontrahenten stehen unter anderem wegen der Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" in der Kritik.

König bedauert Rücktritt von Nobelkomitee-Mitgliedern

Carl XVI. Gustav hofft auf Lösung

Der schwedische König Carl XVI. Gustav hat den Rücktritt von drei Mitgliedern der für die Verleihung des Literaturnobelpreises zuständigen Schwedischen Akademie bedauert. Das sei "eine traurige Entwicklung, die hoffentlich gelöst werden wird", sagte Carl XVI. Gustav, Carl XVI, der Schirmherr der Schwedischen Akademie ist. Klas Östergren, Kjell Espmark und Peter Englund waren am Freitag zurückgetreten, nachdem die Schwedische Akademie dagegen gestimmt hatte, das langjährige Mitglied Katarina Frostenson zu entlassen. Frostensons Mann ist sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen worden. Die 18 Mitglieder der Schwedischen Akademie werden auf Lebenszeit in die Institution gewählt. 1989 waren drei Mitglieder zurückgetreten, nachdem die Akademie den iranischen Ajatollah Chomeini nicht öffentlich kritisieren wollte, weil er den Tod von Autor Salman Rushdie gefordert hatte.

Opferverbände gegen Karl-Marx-Statue in Trier

Die Stadt will die Statue zum 200. Geburtstag von Marx aufstellen

Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft hat das Aufstellen einer großen Karl-Marx-Statue zum 200.Geburtstag des Denkers in Trier scharf kritisiert. Der 1818 in Trier geborene Marx sei "nicht einfach nur ein Wissenschaftler und Philosoph, sondern Marx hat die geistigen Grundlagen für die kommenden kommunistischen Diktaturen verschiedenster Färbungen gelegt." , sagte der Bundesvorsitzende der Union, Dieter Dombrowski. Die Stadt Trier stellt die von China geschenkte Statue zum runden Geburtstag von Marx am 5. Mai auf. Inklusive Unterbau wird das Werk 5,50 Meter hoch sein und auf einem Platz nahe der Porta Nigra stehen.

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