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Im Gespräch | Beitrag vom 03.08.2020

Filmproduzentin & Kuratorin Afsun MoshiryBrückenbau mit deutschen und iranischen Filmen

Moderation: Susanne Führer

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Afsun Moshiry sitzt vor einem grauen Hintergrund und schaut in die Kamera. (Darius Ramazani Photography )
"Ich bin in Iran mehr Ausländer als in Deutschland", sagt die Filmproduzentin und Kuratorin Afsun Moshiry. (Darius Ramazani Photography )

Im Iran ist Kino fast so wichtig wie Fußball. Als Kuratorin von Filmfestivals zeigt Afsun Moshiry die Vielseitigkeit der iranischen Filmkunst. Die Deutsch-Iranerin pendelt zwischen zwei Welten. Ihr größter Traum: ein eigener Film.

Es ist Krieg, als Afsun Moshiry 1981 in Iran geboren wird. Bombenangriffe, Zuflucht im Bunker, Schwierigkeiten mit Strom und Wasser prägen ihre ersten Lebensjahre: "Man kann sich wahrscheinlich besser mit den Umständen arrangieren, als es für Erwachsene ist, die auch die Angst der Zukunft spüren." Und so fürchten die Eltern, der fünf Jahre ältere Bruder von Afsun Moshiry könne von der Armee eingezogen werden. 1989 packt die Familie deshalb ihre Koffer und fliegt ganz legal nach Deutschland. Mannheim wird die neue Heimat der Familie. Die Sprache lernt die Achtjährige relativ schnell; und sie kann auch aufs Gymnasium gehen: "Aber natürlich wurde mir ganz schnell klar, dass ich hier ganz hinten in der Gesellschaftsreihe stehe."

Fremdheitsgefühl in Deutschland und im Iran

Erst mit Mitte 20 kehrt sie zurück in ihre alte Heimat. "Das war sehr intensiv für mich." Obwohl ihre Eltern dachten, sie würde es nicht mal aushalten, vier Wochen lang ein Kopftuch zu tragen, war Moshiry vom Iran fasziniert: "Ich habe viele junge Menschen getroffen, die von Kunst und Kultur sehr stark geprägt waren." Nach dem Ende ihres Studiums kehrt sie 2014 erneut nach Iran zurück und stellt fest: "Ich bin in Iran mehr Ausländer als in Deutschland."

Inzwischen habe sie sich mit dem Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, abgefunden. Dieses Gefühl werde zwar bleiben, aber sie sehe das inzwischen positiv, denn sie habe zwei Orte und "man hat zwei Kulturen und man kann diese Kulturen miteinander vermischen, ihre positiven Seiten sehen und da einige Brücken bauen". Damit stehe sie auch in der Tradition ihrer Vorfahren, die Nomaden waren.

Zensur im Iran ist durch Willkür geprägt

Nach dem Studium arbeitet sie drei Jahre lang in einer Filmproduktionsfirma. Der Prozess des Kreierens habe sie sehr interessiert. Bei der Berlinale 2013 macht Moshiry ihre ersten Festivalerfahrungen, die sie inzwischen auch in Iran umsetzt, indem sie dort deutsche und internationale Filme für Filmfestivals zusammenstellt. Derzeit arbeitet sie an einem iranischen Filmprogramm für die Akademie der Künste, das im Oktober gezeigt wird. Im Iran habe der Film eine große Bedeutung, aber unabhängige Filmproduktionen seien gerade in den letzten Jahren sehr schwierig geworden.

Neben der Finanzierung für Kultur und Film sei die Zensur das Schwierige: "Es ist nirgends niedergeschrieben, was man darf und was man nicht darf." Manchmal müsse man wie auf einem Basar verhandeln und deshalb bestehe ein Teil des Kuratierens darin zu wissen: "Was passt und was passt nicht." Sie interessiere sich dafür, Filme zu zeigen, "die das Dilemma der Gesellschaft hervorheben." Das sei ihr wichtiger als "mit dem Zeigefinger hoch zu zeigen." Und auch für sich selbst hat Moshiry ein klares Ziel: "Ich finde es doch sehr wichtig, etwas Besonderes zu machen und bin da sehr ambitioniert. Und natürlich würde ich mir sehr wünschen, einen Spielfilm zu machen."

(cg)

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