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Kompressor | Beitrag vom 07.01.2020

Filmfestival "Unknown Pleasures" in BerlinIndependentkino der Trump-Ära

Hannes Brühwiler im Gespräch mit Max Oppel

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Ein schwarzer Mann mit einem blutigen Verband am Kopf und einem Handy am Ohr. (imago images / Prod.DB)
Lakeith Stanfield in der Komödie "Sorry To Bother You": Brühwiler kann sich nicht erklären, warum der Film keinen deutschen Verleih fand. (imago images / Prod.DB)

Beim Independent Filmfestival "Unknown Pleasures" in Berlin kann man sehen, wie die US-amerikanische Gesellschaft auf Donald Trump reagiert. Außerdem laufen dort vergessene Filme der Schauspielerin und Regisseurin Elaine May.

Vor lauter Hollywood- und Netflix-Produktionen, die Kinos und die Bildschirme zu Hause fluten, vergisst man manchmal das feine Independent-Kino aus Amerika. Dass es auch in Deutschland ankommt, darum kümmert sich das Festival "Unknown Pleasures" in Berlin.

Hannes Brühwiler hat es gegründet und zum elften Mal auf Blogs, Filmfestivals und Empfehlungen nach guten amerikanischen Indie-Filmen gesucht.

Der Eröffnungsfilm in diesem Jahr war "Give Me Liberty". Es ist ein Film über einen Krankentransportfahrer in Milwaukee, bei dem irgendwann das komplette Chaos ausbricht. Für Brühwiler ein fantastisches Roadmovie, das etwas Politisches und Utopisches habe, und deswegen gut in diese Zeit passe. Das Programm versammelt Filme, die in den ersten zwei Amtsjahren von Donald Trump entstanden sind. Die Filme zeigten so, wie die amerikanische Gesellschaft auf ihn reagiert hat, sagt Brühwiler.

Schwarzer Mitarbeiter mit "weißer Stimme"

In der bösen Rassismus-Komödie "Sorry To Bother You" wird ein schwarzer Callcenter-Mitarbeiter erfolgreich, indem er eine "weiße Stimme" imitiert. Erfolgreich in den USA, konnte der Film hierzulande keinen Verleih finden. Brühwiler kann sich nicht erklären, warum. Gerade solche Komödien seien besonders wichtig im Kino und gemeinsam mit anderen Menschen zu schauen.

Zweiter Schwerpunkt des Programms ist die Retrospektive zu der Schauspielerin und Regisseurin Elaine May. Deren Abenteuerfilm "Isthar" von 1987 mit Warren Beatty und Dustin Hoffman wurde zwar ein gigantischer Flop. Doch sowohl dieser, als auch ihre weiteren Filme, seien bis heute großartige Filme, sagt Brühwiler.

Das vergessene Werk von Elaine May

May sei die einzige Frau gewesen, die damals für die Studios in Hollywood Filme machen konnte. Ihre Filme würden auch von den Besucherinnen und Besuchern des Festivals am meisten nachgefragt: "Sie hat eine ganz andere Sensibilität als das New Hollywood damals, also Scorsese, Coppola. Das waren ja schon sehr durch Männer dominierte Filme. Und da hat sie einen ganz anderen Ansatz."

(sed)

Das Filmfestival "Unknown Pleasures" läuft vom 1. bis 16. Januar in den Berliner Kinos Arsenal und Wolf.

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