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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.12.2017

Filmfestival HavannaKubaner lassen sich den Spiegel vorhalten

Von Burkhard Birke

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Vor einem Kino in der kubanischen Hauptstadt Havanna fährt ein alter grüner Straßenkreuzer. (Deutschlandradio / Burkhard Birke)
Kino in der kubanischen Hauptstadt Havanna (Deutschlandradio / Burkhard Birke)

Beim Internationalen Festival des neuen lateinamerikanischen Kinos in Havanna herrscht großer Andrang. Die Filme sind ein Fenster zur Welt und gleichzeitig ein Spiegel der kubanischen Gesellschaft. Deutschland ist bei der 39. Ausgabe mit besonderen Filmen vertreten.

El ultimo? Wer ist der letzte in der Schlange? Diese in Kuba aufgrund der Versorgungslage sehr gängige Frage ist im Stadtteil Vedado dieser Tage besonders häufig zu hören. Das Kinofestival lockt die Massen. Oft stehen sie geduldig zwei Stunden vor einem der 15 Kinos, in der Hoffnung auf einen Platz.

"Vor allem durch die Dokumentarfilme lernen wir Kubaner die Realität anderer Länder kennen."

"Für mich ist das die Gelegenheit, zahlreiche Premieren unterschiedlichster Genres zu sehen. Sonst gibt es nur eine Premiere pro Woche. Und vor allem werden die Filme ungeschnitten gezeigt."

Für zehn Pesos nationale Währung– umgerechnet 40 Eurocents gibt es sieben Filme zu sehen. Selbst bei den bescheidenen Monatslöhnen und Renten von  meist nur 300 bis 600 Pesos – 12 bis 25 Euro ein günstiges Angebot, meint Antonio Ballestros.

Zwei bis drei Filme am Tag schaut er sich an. Der Schlüssel ist Geduld. Denn um einen der beliebten Kinopässe zu ergattern muss selbstredend auch Schlange gestanden werden.

"So kann ich mich über Lateinamerika auf einen neuen Stand bringen, aber mir und vielen hier gefallen vor allem die kubanischen Filme."

Spezieller Sinn für Humor

Im Wettbewerb dieses Mal Los buenos demonios: die guten Dämonen vom kubanischen Filmveteranen Gerardo Chijona. Erzählt wird die Geschichte eines bieder und zuvorkommend wirkenden Taxifahrers, der seine Geldprobleme durch Morde an ausländischen Touristen löst. Liebesleben, Korruption, das problematische System der Versorgung - all das kommt in dieser schwarzen Komödie zur Sprache, wobei die Mordgeschichte wohl eher nach Venezuela als nach Kuba passt, was für Touristen in Lateinamerika wohl eines der sichersten Länder ist.

Dieser Film kam gut an. Die Kubaner haben einen speziellen Sinn für Humor und mögen es, wenn ihnen der Spiegel vorgehalten wird.

"Mich interessieren Dramen, soziale Probleme. Ich lebe auf Kuba, in der Karibik, ich bin Latino und es ist kein Geheimnis, dass es Probleme auf Kuba gibt, vor allem in der Wirtschaft mit den Versorgungsengpässen. Ich gehe an diese Themen so offen wie möglich ran."

Deutschland mit besonderem Auftritt

Mit seinem Kurzfilm "Atrapado" ist Nachwuchsregisseur Daniel Chile außer Konkurrenz auf dem Festival gelaufen. Erzählt wird die Geschichte eines Pizzalieferanten, der durch den plötzlichen Herzinfarkt eines Kunden Gelegenheit bekommt, eine große Summe Devisen zu stehlen, die seine Alltagssorgen mit einem Schlag lösen würden. Alltag auf Kuba - und zwar über vier Jahrzehnte - hat der amerikanische Filmemacher und Journalist Jon Alpert eingefangen.

"Wenn Sie wissen wollen, wie man von sieben Dollar im Monat leben kann oder wie es als Bauer ist, wenn es nicht regnet und es keine Wasserpumpe gibt – dann schauen Sie meinen Film."

"Kuba und der Kameramann" ist in Europa bereits auf Netflix zu sehen: In Kuba hat er Premiere – wie zahlreiche Werke aus Lateinamerika, die bereits auf anderen Festivals zu sehen waren. Spanien und Deutschland sind auch in Havanna vertreten mit einem besonderen Showcase -  etwa mit "Tod den Hippies es lebe der Punk" oder "Denk ich an Deutschland in der Nacht".

"Das Festival ist das wichtigste Ereignis für uns auf Kuba", sagt der junge Filmemacher Carlos Eduardo Majestany.

"Wir versuchen uns die zehn Tage absolut frei zu halten."

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