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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.07.2018

Filmfest MünchenDas deutsche Kino kann provozieren

Patrick Wellinski im Gespräch mit Marietta Schwarz

Regisseur Leonel Dietsche mit Cast bei der Premiere von Ende Neu auf dem 36. Filmfest München 2018 im City Kino in München, 01.07.2018 *** Director Leonel Dietsche with cast at the premiere of Ende New at the 36 Filmfest München 2018 at the City Kino in Munich 01 07 2018 Foto:xP.xSchönbergerx/xFuturexImage  (imago stock&people)
Regisseur Leonel Dietsche (hinten Mitte) mit Cast bei der Premiere von "Ende Neu" auf dem 36. Filmfest München 2018 (imago stock&people)

Traditionell bietet das Filmfest München eine breite Genre-Palette ab. In diesem Jahr dominieren Geschichten mit sexueller Gewalt in Beziehungen. Mehrere Filme haben unseren Kritiker Patrick Wellinski überrascht.

Das Programm beim Filmfest München sei diesmal provokant, sagte Filmkritiker Patrick Wellinski im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Besonders der Film "A young man with high potential" von Linus de Paoli habe Gewaltszenen, die man sonst von Lars von Trier kenne:

"Der Film, der so ein bisschen als Drama beginnt, wird dann fast schon ein Horrorfilm. Da sind harte Bilder und auch Zumutungen dabei – es ist interessant, dass das deutsche Kino mal so etwas wagt."  

Die brutale Herangehensweise sei allerdings etwas zu plump, es fehle eine subtile und intelligentere Herangehensweise an das Thema Sexualität und Gewalt.

Gespür für aktuelle Debatten

Das deutsche Kino habe aber beim Münchener Filmfest ein gutes Gespür für aktuelle gesellschaftliche Debatten:

Hinsichtlich der #MeToo-Debatte sei der Film "Alles ist gut" von Eva Trobisch hervorzuheben. Eine Geschichte um eine junge Frau, die mit einem Mann Sex hat, der ihr von ihrem Chef vorgestellt wird:

"Und dann beginnt für sie eine Spirale der ganzen Fragen und der Unsicherheit: sie weiß nicht, war das jetzt eine Vergewaltigung, bin ich ein Opfer, will ich das sein?"

Die Art und Weise, wie Regisseurin Eva Trobisch dies in ihrem Debütfilm fast schon beobachtend, nicht überdramatisierend, sondern als ruhige Begleiterin der Protagonistin zeige: "Das ist wirklich sehr intelligentes Kino, das mich sehr stark überrascht hat."

Das Deutsche Kino kann überraschen

Eine Ausnahme sei der Film von Henning Gronkowski mit seinem Spielfilm "Yung": "Das ist ein Spielfilm, der vier junge Frauen in Berlin verfolgt, die für Taschengeld Sex haben, ohne darunter zu leiden. Es ist deren Lifestyle."

Die Bilder seien schon sehr roh und hätten überrascht: "Dass das deutsche Kino in dieser Form provoziert, das war mir neu."

Junge Generation ohne Scheu

Beim Genrefilm müsse man sich den Regisseur Leonel Dietsche mit dem hervorragenden Debutfilm "Am Ende neu" merken. Er erzähle von einer Welt, in der es keine Frauen mehr gibt - postapokalyptisch – mit Figuren ohne Namen, einem Heiler und einem Zwerg: "Bis irgendeiner merkt, dass auf einer Insel eine Mutter mit ihrer Tochter wohnt."

Wie die Geschichte erzählt werde mit einem harten Soundtrack, mit Kameraschwenks, mit Zooms – das sei schon ein "abgefahrener" Fantasyfilm. Man sehe, dass der Regisseur Spaß habe am Spiel mit Genreelementen:

"Das gab es mal, aber das macht jetzt keiner mehr. Es ist schön zu sehen, dass es eine junge Generation gibt, die ohne Scheu diese Themen nimmt und diese Elemente zusammenlegt. 'Ende neu', das ist eine große Überraschung gewesen."

Mehr zum Thema

#MeToo und der Kampf um Deutungshoheit - War’s das schon?
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 27.6.2018)

Live vom 36. Filmfest München - Das junge deutsche Kino provoziert wieder
(Deutschlandfunk Kultur, Vollbild, 30.6.2018)

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