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Im Gespräch | Beitrag vom 13.06.2018

Filmemacher Markus ImhoofAuf der Suche nach Menschlichkeit

Moderation: Klaus Pokatzky

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Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof (dpa picture alliance/ EPA/ Urs Fluegler)
Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof (dpa picture alliance/ EPA/ Urs Fluegler)

Markus Imhoofs Filme haben gerne einen biografischen Bezug. Das ist auch bei seinem jüngsten Werk "Eldorado" der Fall. "Das Kernthema 'Ich und die Anderen', dieses Zusammenspiel, das ist das, was mich am meisten interessierte", erzählt Imhoof.

Persönliches mit dem "Weltganzen" zu verbinden, das liegt dem Schweizer Filmemacher und Regisseur Markus Imhoof am Herzen. Zuletzt zeigte er das in seinem Film "Eldorado". Darin erzählt er von Giovanna, einem Flüchtlingskind, das während des Zweiten Weltkrieges von seiner Familie aufgenommen wurde, und verknüpft diese Geschichte mit dem Schicksal der Flüchtlinge von heute.

"Bei einer Besprechung der Produktion habe ich begonnen von Giovanna zu erzählen - und da kamen mir die Tränen. Und alle waren erstaunt: Der Regisseur weint! Und wir besprechen da, was wir filmen wollen - und das war für alle eigentlich, auch für mich, ein wichtiges Ereignis. Und so ist Giovanna dann langsam reingewachsen. Meine Produzenten und meine Cutterin haben mich da verführt, das zuzulassen und in den langen Schnittzeiten ist das immer weiter gegangen."

Imhoofs Interessen spiegeln sich immer in seinen Filmen

Schon 1986 hatte er sich in dem Film "Das Boot ist voll" dem Thema Flucht gewidmet. Aber auch die Arbeitsbedingungen von Prostituierten, der Umgang mit Pferden in der Schweizer Kavallerie oder aber die Auseinandersetzung der 68er in Deutschland mit ihren Nazivorfahren treiben den 1941 Geborenen um. Und immer schwingt der persönliche Bezug mit.

"Das Kernthema 'Ich und die Anderen', dieses Zusammenspiel, das ist das, was mich am meisten interessierte; das, was wahrscheinlich die Grundvoraussetzung ist, dass man eine Erzählung machen kann."

Auch sein viel beachteter Film "More than Honey", der 2012 in die Kinos kam, hat einen biographischen Bezug: Sein Großvater besaß eine Konservenfabrik. Das dort verarbeitete Obst wuchs auf Plantagen, die von den eigenen Bienen bestäubt wurden. "More than Honey" zeigt sehr eindringlich, dass auch unser Überleben gefährdet ist, wenn wir dem weltweiten Bienensterben tatenlos zusehen. Markus Imhoof ist ein großer Naturliebhaber und sagt, die Natur berühre ihn geradezu religiös.

"Ich glaube, wenn die Gottesvorstellung nicht hierarchisch ist, sondern aus einem "Uns" entsteht, also wenn die Bäume und die Tiere und die Bienen auch dazugehören, wenn das Leben erfüllt ist mit etwas Göttlichem - das wäre die Religion, die mir gefallen würde."

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