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Kompressor | Beitrag vom 20.05.2019

Filmemacher David Schalko über Strache-Video"Strunzdummheit, die aus allen Poren quillt"

Moderation: Max Oppel

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Strache sitzt im T-Shirt auf einem Sofa in einem Wohnzimmer, dahinter sitzt eine Frau mit verpixeltem Gesicht. Neben ihr steht Gudenus. der spricht und gestikuliert. (Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa)
Screenshot aus dem Video, das den FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache auf Ibiza zeigt. (Spiegel/Süddeutsche Zeitung/dpa)

Hätte er die Geschichte des Ibiza-Videos von FPÖ-Politiker Strache als Drehbuch aufgeschrieben - sie wäre vermutlich als zu klischeehaft abgelehnt worden, sagt Filmemacher David Schalko. Das Ganze erinnere ihn an eine "bizarre Containershow".

Der österreichische Filmemacher David Schalko ist abonniert auf bitterböse Geschichten, die sich österreichischen Politikerfilz, Korruption und Intrigen vorknöpfen. Bekannt wurde er durch TV-Serien wie "Braunschlag" und "Altes Geld". 

Mit dem 2017 heimlich auf Ibiza gefilmten Video, das die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus beim Schachern mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte zeigt, scheint es nun einen "Stoff" zu geben, den wohl auch Schalko nicht besser hätte in Szene setzen können.

Die Oligarchin war erstaunlich unglaubwürdig

Hätte er so etwas als Drehbuch geschrieben, meint jedoch Schalko, hätte es vermutlich geheißen: "Ach, das ist ja viel zu banal und klischiert." Doch sei die sich im Video offenbarende "Strunzdummheit, die aus allen Poren quillt, leider Realität." Die angebliche Oligarchin findet Schalko "erstaunlich unglaubwürdig", und dass Strache erst nach sechs Stunden in der Finca die Idee gekommen sei, die ganze Begegnung könne auch ein Fake sein, lasse tief blicken und zeige, dass bei dem FPÖ-Politiker "Gier und Dummheit" im Vordergrund stünden – unabhängig von "den Substanzen", die er vorher schon zu sich genommen habe.

Der österreichische Regisseur David Schalko im Interview (Herbert Pfarrhofer/dpa )Der österreichische Regisseur David Schalko beschreibt die derzeitige Situation in Österreich als "bizarre Containershow mit Fortsetzungspotential". (Herbert Pfarrhofer/dpa )

"So langsam sollte man eigentlich wissen, dass diese Partei nicht regierungsfähig ist. Die FPÖ hat nichts in der Regierung verloren", sagte Schalko weiter. Für das, was in den zurückliegenden zwei Jahren passiert sei, müsse auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verantwortlich gemacht werden, denn der habe die FPÖ schließlich in die Koalition geholt.

Was sich derzeit in Österreich abspiele, sei "eine bizarre Containershow mit Fortsetzungspotential". Man müsse sich nur einmal in der FPÖ umschauen, "da kann man ein Panini-Album machen mit Leuten, die vermutlich ähnlich agiert hätten" wie Strache. Das einzige, was man der Affäre zugute halten könne: Sie bringe den Humor zurück in ein Land, das in den zurückliegenden Jahren wenig zu lachen gehabt habe.

(mkn)

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