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Frühkritik | Beitrag vom 03.07.2014

Filme der WocheRasanter Kracher

"Die Mamba" von Ali Samadi Ahadi

Von Anke Leweke

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Eine Neun-Millimeter-Patrone  (picture-alliance/ dpa - Daniel Karmann)
Hauptdarsteller Michael Niavarani spielt eine Doppelrolle: Den Terroristen "Die Mamba", der mit Waffen jeder Art umgehen kann und Hossein, der Geräuschdesigner in einer Keksfabrik ist. (picture-alliance/ dpa - Daniel Karmann)

Der Regisseur von "Salami Aleikum" hat eine Agenten-Persiflage gedreht. Allerdings stellt sich bei dem gemeingefährlichen Terroristen "Die Mamba" die Frage: Wer ist denn nun die echte Mamba?

Dieser Regisseur beherrscht viele Tonlagen und Genres. Bekannt wurde der aus dem Iran stammende Ali Samadi Ahadi mit "Salami Aleikum", in der eine persische Fleischerfamilie aus Köln im tiefsten deutschen Osten landet und sich mit den dortigen Bewohnern in Sachen multikultureller Annäherung versucht. Auf diese Culture-Clash-Komödie ließ er den Dokumentarfilm "The Green Wave" über die "Grüne Revolution" im Iran 2009 folgen, und mischte dabei Scherenschnittszenen mit Interviews und Handyaufnahmen.

Nun, erstmals mit einem großem Budget ausgestattet, präsentiert Ahadi eine Agentenpersiflage und spielt mit dem Doppelgängermotiv. In der Hauptrolle ist der österreichische Kabarettist und Schauspieler Michael Niavarani, Sohn eines Iraner und einer Wienerin, zu sehen. Er spielt den gemeingefährlichen Terroristen "Die Mamba", der mit Waffen aller Größenordnungen umgehen kann und stets auf eigene Rechnung arbeitet, und zugleich auch den leicht schusseligen, tollpatschigen Hossein, der als Geräuschdesigner in einer Keksfabrik arbeitet.

Schön absurd, aber ohne politischen Subtext

Als sich Hossein eine neue Arbeit suchen muss, wird er versehentlich mit dem gemeingefährlichen Terroristen verwechselt. So gerät er ins Visier des hochneurotischen CIA-Beamten Bronksi (Christoph Maria Herbst) - und plötzlich taucht auch die echte Mamba auf. Wie es sich für einen richtigen Spionage-Film gehört, gibt es zahlreiche Schauplatzwechsel - von Wien über London geht es nach Casablanca- , auch fehlt nicht die schöne Mitstreiterin, die Hossein sehr zum Missfallen von dessen Frau ebenfalls für die Mamba hält.

Doch handelt es sich wirklich um Hossein oder ist er tatsächlich die Mamba? In rasanter Slapstickmanier zitiert Ahadi andere Genrefilme, lässt es ordentlich krachen und Hossein in jedes Fettnäpfchen treten. Über weite Strecken gelingt es ihm tatsächlich, das Genre zu überhöhen, ins Absurde zu ziehen. Doch hätte man von diesem Regisseur auch einen zumindest angedeuteten politischen Subtext erwartet, der bei diesem Thema leicht einzuschreiben gewesen wäre.

"Die Mamba" von Ali Samadi Ahadi
mit: Michael Niavarani, Melika Foroutan, Monika Gruber, Christoph Maria Herbst
Österreich / Deutschland 2014, 96 Minuten
Mehr Infos finden Sie hier auf der Filmhomepage.

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