Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Sonntag, 18.11.2018
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Breitband | Beitrag vom 20.10.2018

Filmdiskussionen im NetzWie Trolle popkulturelle Debatten kapern

Beitrag von Mike Herbstreuth

Beitrag hören Podcast abonnieren
Die Produzentin Kathleen Kennedy, die Schauspieler Mark Hamill und Adam Driver sowie Regisseur Rian Johnson bei der Pressekonferenz von "Star Wars: Die letzten Jedi" in Tokyo, Japan am 7.12.2017. (picture alliance / dpa / Morio Taga)
Hier herrschte noch Friede, Freude, Eierkuchen. Online kamen dann die Trolle. (picture alliance / dpa / Morio Taga)

Stritt man früher über Star Wars, dann darüber, ob die Episoden 1-3 überhaupt Bestandteil der Marke sein dürfen. Social-Media-Diskussionen über den jüngsten Teil der Serie werden jedoch immer politischer. Was steckt hinter dieser Politisierung in Popkultur-Kritiken?

Als "The Last Jedi" erschien, waren die professionellen Filmkritiker voll des Lobes. Wenn man sich hingegen die Bewertungen des Publikums bei den unterschiedlichen Filmportalen anschaut, dann könnte man meinen, dass der Film einer der schlechtesten des kompletten Franchise ist - und wir alle kennen Episode 1. Dem US-Kommunikationswissenschaftler Morten Bay kam das merkwürdig vor, er wollte verstehen, warum es zu diesen Wutausbrüchen in Sozialen Netzwerken kam. Gerade auf Twitter entstanden zahlreiche Diskussionen mit dem Regisseur des Films, Rian Johnson. Morten Bay begann, sie zu analysieren: wer mischt sich dort ein, wer pöbelt? Was sind die Themen, die diese Menschen sonst interessiert und worüber twittern sie?

Hauptsache spalten

Wie heutzutage nicht anders zu erwarten, waren es vor allem Menschen aus dem rechtskonservativen Lager, die sich bei Rian Johnson über den Film beschwerten und denen es eindeutig nicht um die Filmästhetik ging. Vielmehr sei ihnen der Film politisch zu links, zu feministisch, zu multikulturell.

Die Art und Weise, wie diese Diskussionen auf Twitter von bestimmten Accounts geführt wurden, ähnelte laut Bay den Strategien, die an die russischen Trollen und Bots während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 erinnern: "Man nimmt Diskussionen ins Visier, bei der sich die linken User uneinig sind, versucht die Diskutierenden gegeneinander aufzubringen und Spaltung zu kreieren. Es ist einfach eine Art, den Feind zu schwächen, wenn man so will," sagt Morten Bay.

Was aber lässt sich aus der Untersuchung von Bay lernen? Am ehesten wohl, dass man sich mit bestimmten Gruppen gar nicht erst Diskussionen bei Twitter einlassen sollte, da diese gar nicht an daran interessiert sind, einen Konsens zu finden, sondern einfach nur spalten wollen. Trolle eben.

Mehr zum Thema

Filmbewertungswebsites unter Beschuss
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 14.04.2018)

That Escalated Quickly!(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 02.12.2017)

Frauenhass im Netz
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 26.05.2018)

Breitband

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur