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Kompressor | Beitrag vom 10.11.2020

Film "Wohnhaft Erdgeschoss"Einsichten ins Leben eines Bettpinklers

Jenny Billeter im Gespräch mit Massimo Maio

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Ein beflecktes Bett mit Kopfkissen und Schüssel in einem dunklen Zimmer. (Sixpackfilm/Jan Soldat)
Eine Nasszelle der anderen Art: Heikos Bett im Film "Wohnhaft Erdgeschoss". (Sixpackfilm/Jan Soldat)

Im Film "Wohnhaft Erdgeschoss" erzählt Regisseur Jan Soldat von einem einsamen Mann, der einen Urin-Fetisch auslebt. Die Dokumentation wurde bei der Duisburger Filmwoche ausgezeichnet. Jury-Mitglied Billeter erklärt, warum der Film preiswürdig ist.

Heiko ist 51 Jahre alt, seit 30 Jahren arbeitslos, er lebt allein in einer vollgestopften Zimmerzelle in Berlin. Und was macht er? Er uriniert. Auf den Boden. Auf sein Bett. Auf sich selbst. Heiko ist als Kind vom Vater misshandelt worden, seine Mutter hat er seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen, weil er sich kein Zugticket zu ihr leisten kann.

Heikos Geschichte erzählt Jan Soldat in der Dokumentation "Wohnhaft Erdgeschoss". Der 48-minütige Film hat nun bei der Duisburger Filmwoche den Preis der Stadt Duisburg erhalten, dotiert mit 5000 Euro.

Film lotet Grenzen aus

"Es ist ein Porträt von einem Menschen, der zuerst erschreckend wirkt", sagt Jury-Mitglied Jenny Billeter. "Wir sind Abgestoßen." Aber der Regisseur schaffe es, so nahe und mit einer so freundlichen Haltung an den Protagonisten heranzugehen, dass man nicht angeekelt sein könne und immer besser verstehe, was er tue. Regisseur Soldat begegne Heiko auf Augenhöhe und mit echtem Interesse. 

Doch auch wenn man als Zuschauer es schaffe, Heiko offener kennenzulernen: "Einfach ist es nicht. Aber wir überwinden uns, es lotet unsere Grenzen aus."

Billeter betont, der Film sei keine Freakshow über Heiko: "Er ist kein Freak. Er ist ein Mann mit einer außergewöhnlichen Präferenz. Die haben vielleicht viele von uns. Aber es wird verständlich. Und solange es niemandem schadet, ist es auch nicht böse. Wenn es ihn tröstet und es ihm gut tut, dann ist es schwieriger für mich, darüber zu urteilen, was er tut."

"Wohnhaft Erdgeschoss" ist auf Wunsch des Regisseurs nicht im Internet zu sehen, sondern nur auf Festivals und in Kinos.

(leg)

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