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Lange Nacht | Beitrag vom 24.07.2021

Film-Regisseurinnen in der DDRMit hohem künstlerischen Anspruch

Von Beate Schönfeldt

Dreharbeiten zu "Schlaflose Tage", Film des Fernsehens der DDR (Regie: Gabriele Denecke). Appell auf dem Schulhof einer Schule in Marzahn, 10.06.1991 (imago /  Rolf Zöllner)
Auf dem Schulhof in Marzahn: Dreharbeiten für den DDR-Film "Schlaflose Tage", Regisseurin war Gabriele Denecke. (imago / Rolf Zöllner)

Filmregie war in der DDR zumeist eine männliche Angelegenheit. Doch auch Regisseurinnen wie Petra Tschörtner, Gabriele Denecke und Helke Misselwitz setzten sich in einem System durch, das viele geschriebene und ungeschriebene Gesetze kannte.

In der DDR gab es nur wenige Regisseurinnen. Sich an der Filmhochschule in Babelsberg zu bewerben, wurde nicht als emanzipatorischer oder gar politischer Akt empfunden. Frauen im Westen Deutschlands hingegen verstanden ihre Filme oft nicht so sehr als Kunstwerke, sondern mehr als politische Beiträge zur Entwicklung der Gesellschaft.

Die DDR-Regisseurinnen waren eng an die Produktivität der DEFA-Filmstudios und des Fernsehens der DDR gebunden. Der künstlerische Anspruch war durchaus hoch, zumal sich jeder Film innerhalb der nationalen Filmproduktion eines Jahres durchsetzen musste. Um zu einem Regiestudium zugelassen zu werden, brauchte es eine Delegierung entweder des Spielfilm- oder der Dokumentarfilmstudios in Berlin, Babelsberg und Kleinmachnow.

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Schwierig wurde dann der Übergang in die Praxis. Die delegierenden Institutionen forderten die Rückkehr an den staatlich gelenkten Arbeitsplatz und das Einhalten geschriebener wie ungeschriebener Gesetze. Um den Preis der garantierten Anstellung blieben auch künstlerische Ambitionen auf der Strecke. Nach diesen ambivalenten Erfahrungen erlebten die Regisseurinnen ab 1989 im vereinten Deutschland den komplizierten westlichen Arbeitsmarkt, der manche zwang, sich einen neuen Job zu suchen.

Eine Auswahl von Filmen von DDR-Regisseurinnen: 

"Winter adé", DVD, Ein Dokumentarfilm von Helke Misselwitz, 1988

Mauerkinder, DEFA-Wende-Dokus, 2 DVDs, 4 Filme: Sperrmüll; Eisenzeit; Unsere Kinder; Unsere bösen Kinder. Regie:Helke Misselwitz, DDR/Deutschland 1989-1992 Info-Programm gem. Best.-Nr.19339, 2014, Icestorm Distribution Berlin.

"Berlin - Prenzlauer Berg", DVD, Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990. 75 Min. Regie: Petra Tschörtner, Best.-Nr.D210, 2012 Salzgeber

"Der Kremlflieger", Mathias Rust und die Landung auf dem Roten Platz,  DVD, Auch in englischer Version. 95 Min., ein Dokumentarfilm von Gabriele Denecke , mit Interviews von Wladimir Kaminer und Hans-Dietrich Genscher.  Best.-Nr.89321, 2012, Icestorm Distribution Berlin

Die Sendung ist eine Wiederholung vom 3. Oktober 2015.

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