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Tonart | Beitrag vom 23.01.2020

Film: "Das Vorspiel"Mit Druck zur Perfektion - und zu Schlafstörungen

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Zwei Frauen haben sich ihre Geigen unter das Kinn geklemmt und spielen. Im Hintergrund ist Publikum zu erahnen. (Judith Kaufmann/Port au Prince Pictures)
Stress und Druck gehören zur musikalischen Ausbildung oftmals dazu. Nina Hoss in "Das Vorspiel". (Judith Kaufmann/Port au Prince Pictures)

Im neuen Kinofilm "Das Vorspiel" wird ein Geigenschüler von seiner ehrgeizigen Lehrerin gedrillt. Leistungsdruck komme auch in der Realität an Musikschulen vor, sagt die Psychologin Ulrike Feld. Musiker können aber lernen, damit umzugehen.

Der Unterricht an deutschen Musikgymnasien macht den Schülern in der Regel großen Spaß und es gibt viele tolle Pädagogen, die die Talente fördern. Es komme bei Schülern aber auch in jungen Jahren schon zu Stresssymptomen wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen, sagt Ulrike Feld. Sie ist Diplompsychologin und Dozentin für Musikphysiologie und Musikergesundheit an der Universität der Künste in Berlin.

Leistungsdruck ist weit verbreitet

Der Kinofilm "Das Vorspiel" zeigt Nina Hoss in der Rolle der Lehrerin an einem Musikgymnasium. Sie drillt ihren Schützling Alexander, gespielt von Ilja Monti, um ihn dorthin zu bringen, wo sie ihn sieht.

Dabei schreckt sie auch vor physischer Gewalt nicht zurück und schlägt ihm mit dem Geigenbogen auf den Kopf. Heute gebe es solche pädagogischen Mittel sicherlich nur selten in Deutschland, aber der Leistungsdruck sei immer noch weit verbreitet, sagt Feld.

Eine Frau schaut streng auf einen Mann, der in der Mitte eines großen Raumes steht und Geige spielt. (Judith Kaufmann/Port au Prince Pictures)Psychische Belastungen als tägliche Begleiter: Stundenlanges Üben gehört dazu, wenn es eine Karriere in der klassischen Musik werden soll. (Judith Kaufmann/Port au Prince Pictures)

Feld sagt, auch ihre Studierenden hätten ihr davon erzählt, dass sie vor Klassenvorspielen unter Müdigkeit, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit litten. Generell hätten sie in diesen Momenten keine Freude am Leben.

Fehler gehören dazu

Dies seien Vorstufen zu Krankheiten, die sich dann vielleicht 20 Jahre später erst entwickelten, so die Psychologin. Das könnten dann ein Hörsturz, Bluthochdruck, Depressionen oder ein Augeninfarkt sein.

Musiker müssten lernen, sagt Feld, dass auf der Bühne immer mal Fehler passieren können. Diese müsse man annehmen und hoffen, es beim nächsten Mal besser machen zu können.

(nis)

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