Seit 22:00 Uhr Einstand

Freitag, 20.07.2018
 
Seit 22:00 Uhr Einstand

Kompressor | Beitrag vom 28.06.2018

Figur des "Verrückten Wissenschaftlers"Der "Mad Scientist" lebt!

Eugen Pfister im Gespräch mit Timo Grampes

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ernest Thesiger und Colin Clive in "The Bride of Frankenstein", 1935, Universal Hollywood CA USA (imago/Cinema Publishers Collection)
Ernest Thesiger und Colin Clive in "The Bride of Frankenstein", 1935, Universal Hollywood CA USA (imago/Cinema Publishers Collection)

Wirre Haare, Laborkittel und ein manisches Gelächter – so wird der "verrückte Wissenschaftler" zum Beispiel als Dr. Frankenstein dargestellt. Für den Forscher Eugen Pfister ist die Figur immer auch ein Seismograph, wie weit Wissenschaft gehen darf.

Dr. Frankenstein oder Dr. Jekyll - der knorrige Wissenschaftler mit dem irren Blick - taucht in Film, Literatur und in Computerspielen immer wieder auf. Was macht den Reiz der Klischee-Figur des "Mad Scientist" aus und wann tauchte er das erste Mal auf?

Beispiele für die Figur habe es schon in der griechischen Antike gegeben, sagt Eugen Pfister, Historiker sowie Gameforscher und –blogger. Auch die literarische Figur des Dr. Faust, der als Geisteswissenschaftler die Grenzen der Wissenschaft ausreize, sei ein Prototyp dafür.

Er kann gut und böse nicht unterscheiden

Heute gehöre der "Mad scientist" zum Horrorgenre. Und egal ob Dr. Frankenstein oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde – eins haben für Eugen Pfister alle gemeinsam:

"Der 'Mad Scientist' findet sich nicht in unseren Werten, Tabus und Weltbildern zurecht. Er kann gut und böse nicht unterscheiden, das ist die große Gefahr meistens. Um seine Ziele zu erreichen, hält er sich nicht an unsere Grenzen der Ethik und Moral, sondern überschreitet die."

Von Kernenergie bis Kalter Krieg

Verhandelt werden mit jeder Figur im jeweiligen Zeitkontext die Fragen nach den Grenzen wissenschaftlicher Forschung, das Verhältnis Mensch und Technik und die Frage menschlicher und wissenschaftlicher Hybris:

"Bei Dr. Frankenstein haben wir die Frage der aufkommenden Pathologie, der Medizin und Elektrizität. Später dann bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde haben wir die Chemie, die da reinspielt. In den 50er-Jahren haben wir die Kernenergie und den Kalten Krieg. Und jetzt zuletzt, das sieht man auch in digitalen Spielen ganz besonders, Stammzellenforschung und Quantenphysik."

Was ist mit der "verrückten Wissenschaftlerin"?

Und gibt es eigentlich auch "verrückte Wissenschaftlerinnen" als Figur? Es sind nicht viele, aber es gab sie in "Ghostbusters" oder in "Ocean's 8", es gab die Comic-Figur Poison Ivy als Batman-Gegenspielerin oder eine  Gentechnikerin in "Resident Evil". Sie seien als Frauenfiguren allerdings sehr stark sexualisiert, kritisiert Pfister:

"Der 'Mad Scientist' ist fast immer als männlich dargestellt, weil im öffentlichen Diskurs das kühle Kalkül, das Nüchterne der Wissenschaft dienen wollen, ist anscheinend als männliches Attribut konnotiert worden und aus dem kommt man nur sehr schwer heraus."

(cosa)

Mehr zum Thema

Zum Tod von Trevor Baylis - Der britische Daniel Düsentrieb
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 06.03.2018)

Daniel Düsentrieb wird 65 - "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör"
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 04.05.2017)

50 Jahre Jugend forscht - Die schrägsten Erfindungen der Nachwuchstüftler
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 26.05.2015)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur