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Im Gespräch | Beitrag vom 26.08.2020

Feuerökologe Johann Georg GoldammerDer Herr der Brände

Moderation: Susanne Führer

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Mitarbeiter der Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg entzünden Heidekraut in der Schwindebecker Heide. Mit der Aktion soll die Heidefläche verjüngt werden. (dpa / picture alliance / Philipp Schulze)
Im Sinne des Naturschutzes muss manchmal kontrolliert Feuer gelegt werden wie hier in der Schwindebecker Heide. (dpa / picture alliance / Philipp Schulze)

Wenn es brennt, ist der Wissenschaftler Johann Georg Goldammer in seinem Element. Der Feuerökologe erforscht weltweit Landschaftsfeuer und ihre Auswirkungen. Wenn es nötig ist, legt er dafür auch selbst Brände.

Feuer kann Leben ermöglichen aber auch zerstören. Am liebsten genießt Johann Georg Goldammer ein schönes Feuerchen im heimischen Ofen. In der Natur entstehen Feuer vor allem durch Blitzschlag, aber auch durch Vulkanausbrüche oder sogar durch Affen, die sich mit Steinen bewerfen, wie der Wissenschaftler erklärt.

Meistens ist es heutzutage aber der Mensch, der Brände verursacht. Sein Verhältnis zum Feuer bezeichnet Goldammer als ambivalent: "Weil es diese beiden Seiten gibt vom Feuer, die positive, aber eben auch die destruktive."

Deshalb sollte man sich dem Element seiner Ansicht nach mit dem entsprechenden Respekt nähern. Dass das geht, hat Deutschlands erster und einziger Professor für Feuerökologie sein Leben lang bewiesen. Er hat das "Global Fire Monitoring Center" ins Leben gerufen, das weltweite Zentrum zur Überwachung von Feuern. Es gehört mittlerweile zur offiziellen UN-Strategie zur Katastrophenvorsorge und ist international bestens vernetzt.

Feuer, wo Brände lange undenkbar waren

"Unser Zentrum arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Anwendung. Das ist die Situation, wo wir versuchen, das bestehende Know-how aus dem Bereich Feuerökologie, aber auch den benachbarten Wissenschaftsbereichen bis hin zur Klimaforschung einzubringen in politische Entscheidungen."

Dass die Politik mal auf die Wissenschaft hört, wie jetzt bei Corona, sei leider eher selten oder erfolge doch meist sehr langsam, wie beim Klimawandel. Dieser sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass es jetzt auch in Teilen der Erde brenne, wo dies früher undenkbar gewesen wäre:

"Das sind beispielsweise die äquatorialen Regenwälder, wo, bevor der Mensch intensiv in diese Waldgesellschaften eingegriffen hat, das Feuer nicht vorkam." 

Kontrolliert Feuer legen

Steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit sorgen auch in Deutschland für ein Zunehmen der Brände. Diese ließen sich manchmal nur dadurch bekämpfen, dass Wissenschaftler selbst rechtzeitig Feuer legen: "Wir nennen das kontrolliertes Brennen. Und das praktizieren wir im Naturschutz."

Das geschieht zum Beispiel in sogenannten Offenland-Ökosystemen wie Heidelandschaften, die so, wie sie heute existieren, erst durch den Menschen entstanden sind. Dort sorgen die kontrollierten Feuer auch für ein Nachwachsen von Heidepflanzen auf zuvor verholzten Flächen. "Das haben unsere Altvorderen teilweise auch schon gemacht."

Von der Marine in den Wald

Goldammers erste beruflichen Pläne gingen eigentlich in die entgegengesetzte Richtung: "Meine Mutter kam von der Küste, und mütterlicherseits waren das Seefahrer. Und da habe ich einen gehörigen Schuss Seewasser mit ins Blut bekommen. Ich bin zum ersten Mal mit 16 Jahren zur See gefahren, auf einem Handelsschiff in den Sommerferien. Nach dem Abitur bin ich zur Bundesmarine gegangen. Aber dann ging die andere Herzkammer auf, und das war der Wald."

Nach vier Jahren auf See begann Goldammer, Forstwirtschaft zu studieren, der Bereich, in dem er schließlich die Feuerökologie für sich entdeckte und nach Deutschland holte.

(mah)

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