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Konzert / Archiv | Beitrag vom 10.01.2014

Festliche Geometrie und kreative Beiträge

Polens RSO unter neuem Chef Alexander Liebreich

Der Dirigent Alexander Liebreich (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)
Der Dirigent Alexander Liebreich (picture alliance / dpa / Felix Hörhager)

Zwei kreative Beiträge zu den großen Gattungen Sinfonie und Klavierkonzert und ein festliches Konzert, das völlig ohne Solisten auskommt, eigentlich sogar ohne Dirigenten - mit einem originellen Programm beginnen das Nationale Rundfunksinfonieorchester Polens und sein neuer Chefdirigent Alexander Liebreich das musikalische Jahr 2014.

Das wird - wie schon die vorhergehenden - einige Jubilare in den Mittelpunkt rücken. Mendelssohn Bartholdy und Mozart gehören nicht dazu, aber der polnische Komponist Andrzej Panufnik, der in seiner Wahlheimat Großbritannien sogar zum Sir geschlagen wurde. Vor einhundert Jahren kam er in Warschau zur Welt und überlebte die Jahre deutscher Besatzung gemeinsam mit Witold Lutosławski als Caféhauspianist. Dass er ein Concerto Festivo, also ein festliches Konzert komponiert hat, in dem er der Geometrie als musikalischem Gestaltungsprinzip huldigte, ist ein glücklicher Zufall für den Beginn eines Konzerts in seinem Jubiläumsjahr.

Das längste Werk dieses Abends wird Mozarts drittletztes Klavierkonzert KV 503 sein. In seinen kreativsten Jahren krempelte der früh vollendete Komponist das Solistenkonzert um und machte daraus eine Sinfonie mit dominantem Soloinstrument. Dass Felix Mendelssohn Bartholdys vierte Sinfonie, seine letzte, ein wenig kürzer ist als dieses Konzert, kann erstaunen,  es sein denn, man berücksichtigt, dass der "zweite Mozart", als den ihn Geheimrat Goethe gern sehen wollte, ein unruhiger und schnell denkender und ebenso rasch spielender Musiker war, der keine Zeit für ein überlanges Musikstück finden konnte.

Vitale Erfindungslust und südländischer Esprit kennzeichnen Mendelssohns vierte Sinfonie, die auch "Italienische" genannt wird. Von ausgewogen klassischer Form ist diese Sinfonie außerdem und beweist, dass der preußische Generalmusikdirektor und Leipziger Gewandhauskapellmeister kein romantischer Phantast war, sondern ein Klassiker, der übrigens Schottland und die Schweiz sehr viel aufregender fand als Italien.  

Der aus Regensburg stammende Dirigent Alexander Liebreich ist der erste deutsche Musiker, der nach 1945 eine Chefposition bei einem polnischen Orchester bekleidet. Sein Nationales Rundfunksinfonieorchester, das in der oberschlesischen Industriemetropole Kattowitz beheimatet ist, gilt als das beste Ensemble des Landes. Damit kehrt auch in den kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern eine "Normalität" ein - das polnische Musikleben wird für Künstler aus dem Westen zunehmend attraktiv. An Neugier und Offenheit für Kunst und Interpreten von westlich der Oder und Neiße hat es den polnischen Musikliebhabern schließlich niemals gefehlt.

Der Solist des Abends ist der finnische Pianist und Komponist Olli Mustonen, der für seine detailgenauen und fantasievollen Interpretationen des klassischen Repertoires bekannt und beliebt ist.

 

Live aus dem Grzegorz-Fitelberg-Saal, Kattowitz

Andrzej Panufnik
Concerto festivo

Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert C-Dur KV 503

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 4 in A-Dur op. 90  ("Italienische")

Olli Mustonen, Klavier
Nationales Sinfonieorchester des Polnischen Rundfunks
Leitung: Alexander Liebreich

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