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Rang I | Beitrag vom 29.07.2017

Festival des antiken DramasTheater unter Zyperns Sternenhimmel

Von Marianthi Milona

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Stimmungsvoll geht die Sonne am 27.05.2014 bei Kyrenia (Girna) auf Zypern.  (dpa / Jens Kalaene)
Wunderschöne "Theater-Kulisse": Sonnenuntergang auf Zypern (dpa / Jens Kalaene)

An einem lauen Sommerabend in antiken Stätten eine Theaterinszenierung genießen, das ist etwas ganz Besonderes. Zum internationalen Festival des antiken Dramas auf Zypern kommen daher Gäste aus aller Welt.

Aischylos Drama "Sieben gegen Theben", eine Inszenierung des Staatstheaters von Thessaloniki, ist eine von fünf Gastaufführungen, die in diesem Jahr auf dem Internationalen Festival des antiken Dramas auf der sommerlich warmen Ferieninsel Zypern mit großem Erfolg gespielt wurden.

Eine Aufführung unter leuchtendem Sternenhimmel zu erleben, gehört sicher zu den magischen und unvergesslichen Urlaubsmomenten der Zuschauer. Vor allem, wenn das Theaterfestival wie in diesem Jahr, seinen 20. Geburtstag feierte. Ausgerechnet im Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Paphos. Weswegen die künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt, Georgia Dötzer, ganz besonderen Wert auf die Auswahl der Stücke gelegt hatte.

"Es ist ein Festival, das den Anspruch sehr gesteigert hat in den letzten Jahren. Es werden Gruppen eingeladen aus der ganzen Welt.  Alles ist erlaubt. Heutzutage sind die Zuschauer immer sehr angetan von den moderneren Versionen und Interpretationen, was glaube ich, gar nicht das Gefragte ist. Gefragt sind immer die guten Vorstellungen."

Zeitgenössische Interpretationen antiker Vorlagen

Und gut sind sie alle gewesen. Die Regisseure präsentierten brisante, zeitgenössische Interpretationen der antiken Vorlagen.

Marinos Anogyriatis, ein junger griechisch-zyprischer Dramaturg, arbeitet ehrenamtlich als Kassenwart im fünfköpfigen Organisationsteam des Festivals. Und misst dessen Erfolg an den Reaktionen des Publikums.

"Es ist für mich sehr interessant zu hören, was ein japanischer Theaterkenner, der zufällig da ist, über die Aufführungen denkt oder was ein europäischer Gast bei einer Inszenierung empfunden hat."

Die Organisatoren dieses Theaterfestivals wollten von Anfang an die Menschen an das antike Drama heranführen. Der große Erfolg des Festivals, so glauben sie, liegt nicht allein in den Inszenierungen, sondern auch an den antiken Spielorten.

"Gespielt wird im antiken Theater von Kourion, nahe Limassol und dann im Odeon von Paphos. Das Theater von Salamina ist uns leider nicht mehr zugänglich, weil es sich ja im türkisch besetzten Teil Zyperns befindet. Sie können sich nicht vorstellen, wie die Stimmung ist. Ich sitze jedes Jahr im Publikum und bekomme Gänsehaut."

Theater an diesem "heiligen Ort"

Ähnlich hat der litauische Regisseur, Cezaris Grauzinis, bei den Proben für "Sieben gegen Theben" im antiken Gelände empfunden.

"Du musst aufpassen nicht zum Eindringling zu werden in diesem heiligen Ort, der antike Bühne heißt. Du musst eine Harmonie mit dem Ort entwickeln. Einen Swimming-Pool darin zu integrieren oder ihn in einen Zoo zu verwandeln, ist keine gute Idee. Du musst dem Platz Raum zum Atmen geben. Dann wird dir der gute Geist dieses Ortes schon bei allem behilflich sein."

Dieses Mal hatte aber auch die Kulturhauptstadt Paphos einen eigenen Beitrag zum Theaterfestival geliefert. Mit einer Interpretation von Euripides "Die Troerinnen", nach einer Inszenierung des berühmtesten zeitgenössischen griechischen Regisseurs, Theodoros Terzopoulos, und einem sehr aktuellen Ansatz.

Eine geteilte Insel

"Das Besondere an dieser Vorstellung ist, dass die Schauspielerinnen alle aus geteilten Städten kommen. Darstellerinnen aus Jerusalem, Palästinenser und Israelis. Es sind Darstellerinnen aus dem geteilten Nikosia, griechische und türkische Zypriotinnen. Es sind Darstellerinnen aus Mostar. Diese Schauspielerinnen, die tragen in sich dieses Schicksal des Verfolgten. Desjenigen, der sein eigenes Land verlassen musste. Der etwas verloren hat."

Damit nimmt Regisseur Terzopoulos ganz bewusst auf die aktuelle politische Situation Zyperns Bezug, die nach Jahrzehnten der Trennung um die Wiedervereinigung des griechischen und türkischen Teils ringt.

Das internationale Festival des antiken Dramas hat ein wichtiges Ziel vor Augen: Es will auch zukünftig mit kritischen Inszenierungen auf die politischen Versäumnisse der Insel hinweisen.

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