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Fazit | Beitrag vom 06.07.2019

Festival d'Aix-en-ProvenceEinmal stark - und einmal sehr fade

Von Franziska Stürz

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Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony" in der Inszenierung von Ivo Van Hove im Rahmen des Festival d'Aix 2019  (picture alliance/Serge Mercier/MAXPPP/dpa)
Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony" in der Inszenierung von Ivo Van Hove, (picture alliance/Serge Mercier/MAXPPP/dpa)

Beim Festival d'Aix-en-Provence feierten gleich zwei Opern Premiere: Kurt Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ und Adam Maors „The Sleeping Thousand“. Unsere Kritikerin ist von der einen enttäuscht und von der anderen begeistert.

Seit Mittwoch läuft das Opernfestival im südfranzösischen Aix-en-Provence und präsentierte heute zwei weitere Premieren: Am Abend zeigte Regisseur Ivo van Hove seine Sicht auf Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" im großen Theater von Aix. Esa-Pekka Salonen dirigierte, Annette Dasch gab die Jenny und Nikolai Schukoff war ihr Jimmy.

Der Regisseur verlegt "Mahagonny" auf ein Hollywood-Filmset mit Green Screen. Mobile Kamerateams filmen die Protagonisten aus der Nähe, während die große Bühne ansonsten erstaunlich unbelebt bleibt.

Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony" in der Inszenierung von Ivo Van Hove im Rahmen des Festival d'Aix 2019  (picture alliance/Serge Mercier/MAXPPP/dpa)Karita Mattila und Annette Dasch in Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony" in der Inszenierung von Ivo Van Hove. (picture alliance/Serge Mercier/MAXPPP/dpa)

Annette Dasch darf mit traurigen großen Augen in die Kamera blicken und Karita Mattila als Witwe Begbick beaufsichtigt Pornodrehs. Ivo van Hove holt in diesem Setting erschreckend wenig Aktuelles aus dem Stoff und so enttäuscht "Mahagonny" in Aix.

Adam Maors Werk überzeugt auf ganzer Linie

Ein viel aktuelleres und zugleich tief berührendes Opernerlebnis bot die nachmittägliche Welturaufführung des israelischen Komponisten Adam Maor in der Regie von Librettist Yonathan Levi im historischen Théâtre du Jeu de Paume. In nur 75 Minuten war hier mehr zu erleben als in drei Stunden Weill.

Wie das junge Team in "The Sleeping Thousand" den Konflikt zwischen Israel und Palästina auf musikalisch hochspannende, politische und auch ironische Art thematisiert, ist ein echtes Opernerlebnis, für das man kein langes Programmheft lesen muss.

Neue Oper kommt ohne Metaebene aus

Pierre Audi setzt in seiner neuen Festivalintendanz auf musikalische Qualität, will aber auch anhand ungewöhnlicher Regiekonzepte zeigen, was Oper heute sein kann.

In Castelluccis "Mozart Requiem" und Chistophe Honorés "Tosca"-Interpretationen, war der Kopf stark gefordert, um die Umdeutungen der Regie zu verstehen. Adam Maors erste Oper zeigte heute, dass neue Oper ohne Metaebene auskommt und viel zu sagen hat.

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