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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.02.2017

Festival arabesques HamburgEuropäisch bereichert

Aufzeichnung aus dem Sasel-Haus

Der Oboist Nicolas Thiébaud (Heike Günther/Festival arabesques)
Der Oboist Nicolas Thiébaud (Heike Günther/Festival arabesques)

Mit ungewöhnlichen Werken wartet dieser Abend auf, den wir beim Hamburger Festival arabesques aufgenommen haben. Ein Sextett von Eduard Herrmann und ein Quintett von Henri Marteau sind die Juwelen des Programms, das das Festivalensemble im Stadtteil-Kulturzentrum "Sasel-Haus" gespielt hat.

Im Grunde bilden sie ein Festival innerhalb eines Festivals – die Konzerte des Ensemble Arabesques beim Festival arabesques  2017. Auch die musikalischen Beiträge des Abends korrespondieren lose mit dem großen Festspielmotto: "Die Beute, das Geld, der Traum…"‘ Das ist ein Zitat aus der Romanreihe "Die Rougon-Macquart" von Émile Zola. arabesques ist ein deutsch-französisches Kulturfestival und dauert insgesamt fünf Wochen. Es begann in diesem Jahr am 22. Januar im "Metropolis Kino" in Hamburg – am Tag der Unterzeichnung der Élysée-Verträge zwischen Frankreich und Westdeutschland. Der Schriftsteller Zola hat in seiner Romanserie kritisch seine Zeitgenossen betrachtet – das "Enrichissez-vous!"/"Bereichert Euch!" – das Lebensmotto der Hochbourgeoisie des Zweiten Kaiserreiches kommt uns doch heutzutage wieder sehr bekannt vor. Macht, Armut, Hoffnung und die Diskussion um die Grundwerte sind zeitlose Phänomene – die auch musikalisch reflektiert wurden und werden.

Das Ensemble Arabesques – eine Vereinigung von Hamburger Musikern – ist bekannt dafür, Vergessenes, Verdrängtes oder Vernachlässigtes zu reanimieren. Zusammen mit Deutschlandradio Kultur hat das Ensemble im vergangenen Jahr Werke von Gustav Holst aufgenommen - die CD ist gerade erschienen. Auf ihr sind großartige Entdeckungen gelungen.

Neue Entdeckungen verspricht dieses Abend: Zuvorderst Henri Marteau – er war Geiger und Komponist und ist uns heute auch kaum bekannt, in Reims geboren, im oberfränkischen Lichtenberg 1934 gestorben, hat er in Paris studiert, wurde er in Berlin Nachfolger Joseph Joachims an der Hochschule. Er war Freund Regers und Gounods, hat am Leipziger Konservatorium unterrichtet und war auch Lehrbeauftragter in Prag und und Dresden. Das Freund-Feind-Schema des Ersten Weltkrieges wurde dem Sohn eines französischen Fabrikanten und einer deutschen Hobbypianistin zum Verhängnis. Das Quintett op. 13 komponierte Marteau 1908. Nun wird in Hamburg eine Wiederbegegnung mit diesem Werk möglich. Außerdem kommt Eduard Herrmann zum Zuge, er war Zeitgenosse Marteaus und ein Schüler Joseph Joachims, einige Zeit Konzertmeister an den Opernhäusern von Hamburg und St. Petersburg. Herrmann emigrierte schließlich nach New York, wo er vor allem als Herausgeber von Violinwerken bekannt wurde. Mit seinen Kompositionen ist er ein vollends Vergessener – auf seine Musik waren auch die Musiker um den Festivalmitgründer und Ensembleleiter Nicolas Thiébaud gespannt.

Festival arabesques Hamburg, Sasel-Haus
Aufzeichnung vom 12. Februar 2017

Henri Marteau
Quintett für Klarinette und Streichquartett op. 13

Eduard Herrmann
Sextett für Oboe, Klarinette und Streichquartett

Gustav Holst
Drei Stücke für Oboe und Streichquartett

Wolfgang Amadeus Mozart
Quartett für Oboe, Violine, Viola und Violoncello F-Dur KV 370

Ensemble Arabesques

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