Festausgabe zum Jubiläum

21.04.2008
Die Liste der Autoren liest sich wie das "Who is who" der Weltliteratur: Ernest Hemingway, Joachim Ringelnatz, Albert Camus, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann. Verlegt werden sie im Rowohlt-Verlag, der inzwischen auf 100 Jahre Geschichte zurückblickt. Eine reich illustrierte Chronik zeichnet nun die Entwicklung dieses außergewöhnlichen Verlages nach.
Der Rowohlt-Verlag ist einer der großen Verlage, deren Entwicklung eng mit der Persönlichkeit seines Gründers sowie deutscher Kultur-und Literaturgeschichte verbunden ist.

1907 volontierte Ernst Rowohlt, Sohn eines Bremer Börsenmaklers, in einer Druckerei und Hofbuchhandlung. Im Jahr darauf, 1908, veröffentlichte er sein erstes Buch: Gedichte eines Schulfreundes, Auflage: 300 Exemplare. Ein Erfolg wurde der Privatdruck nicht, doch schon damals ließ sich der frischgebackene Verleger, ein energiestrotzender Büchernarr und charismatischer Lebemann, nicht entmutigen. 1910 wurde der Rowohlt Verlag in Leipzig ins Handelsregister eingetragen.

Es waren zuerst die Werke der Expressionisten, die dem Verlag ein großes Renommee verschafften. In den 20er Jahren festigte er seinen Ruf. Rowohlt beschäftigte hervorragende Lektoren, gab literarische Zeitschriften heraus, erzählerische Sachbücher und Biografien. Das Balzac’sche Werk als Taschenbuchausgabe, moderne Werbung und ein Gespür für aktuelle Trends und Autoren machten ihn auch finanziell erfolgreich.

Über Entstehung und Entwicklung des Verlages berichtet nun ein Autoren-Quartett mit Zugriff auf das Archiv des Hauses Rowohlt. Zahlreiche Petitessen werden dabei zutage gefördert. Man muss keineswegs Verlagsspezialist sein, um an ihnen Gefallen zu finden.

In der ansprechend gestalteten, mit Fotos, Manuskripten und Faksimiles umfangreich illustrierten Chronik "100 Jahre Rowohlt" erfährt man Details aus Innenleben und Alltagsgeschäft des Verlages, über Schriftsteller, Bestseller und Zeitgeschichte. Häppchenweise und gewissermaßen mundgerecht werden Briefe und Essays dargeboten. 383 Seiten für 100 Jahre, das macht nicht dick und ist doch genug, um klarzumachen, mit was für einem "Pfund" wir es hier zu tun haben.

Als 1933 die Hälfte von Rowohlts Autoren Publikationsverbot erhielt, wollte Ernst Rowohlt weiterhin veröffentlichen, was er für Qualität hielt. Er bekam Berufsverbot - und war einer der ersten, der nach 1945 wieder eine Lizenz zum Bücherdrucken erhielten. Ans Aufhören dachte der nie.

Mit "Rowohlts Rotations-Romanen" bestimmten er und sein mittlerweile in den Verlag eingebundener Sohn Heinrich Maria Ledig-Rowohlt schnell das literarische Leben in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Neue Reihen wurden initiiert, das Taschenbuch populär gemacht. Vor allem den bedeutenden Autoren des Auslands gab Rowohlt in Deutschland eine Heimat. Vier Literaturnobelpreisträger allein der 50er Jahre wurden bei Rowohlt verlegt.

Bis heute lebt der Verlag davon, dass er von Verlegerpersönlichkeiten geführt wird. Zwar gehört Rowohlt mittlerweile einem Konzern, doch verbindet Alexander Fest, der seit 2002 den Verlag leitet, einen "Riecher" für inhaltlich und literarisch Wertvolles mit Stil und Geschäftssinn. Das macht die vorliegende Chronik deutlich: Es gibt auch in Zeiten der Globalisierung eine hundert Jahre alte, gleichwohl lebendige Tradition im Hause Rowohlt.

Rezensiert von Carsten Hueck

Hermann Gieselbusch, Dirk Moldenhauer, Uwe Naumann,
Michael Töteberg: 100 Jahre Rowohlt. Eine illustrierte Chronik

Rowohlt Verlag, Reinbek 2008
383 Seiten, 24,90 Euro
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