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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.02.2018

Fernsehserie "Bad Banks""Das war teilweise eine investigative Recherche"

Von Michael Meyer

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Die Darstellerin geht in einem schwarzen Kapuzenpullover durch eine düstere, leere Straße  (ZDF / Ricardo Vaz Palma)
Bankerin Jana (Paula Beer) geht durch die vom Krawall gezeichneten Straßen Frankfurts (ZDF / Ricardo Vaz Palma)

"Gier ist gut", sagte Gordon Gecko in dem Film "Wall Street" aus den 1980ern. Mehrere Finanzkrisen später wird die Raffsucht nicht mehr ganz so unverhüllt zur Schau gestellt, aber Karrieregeilheit und Intrigen spielen auch in der Fernsehserie "Bad Banks" eine Rolle.

Tumultartige Szenen vor den Geldautomaten: Es gibt kein Cash mehr, die Szene erinnert an die Bankenkrise in Argentinien 2001, oder an die Pleite von Lehmann Brothers, als hemdsärmelige Banker entlassen wurden, und ihre letzten Habseligkeiten aus ihren Büros holen.  

"Bad Banks" nimmt diese Szene am Anfang vorweg und springt dann ein halbes Jahr zurück. Wir lernen die ehrgeizige junge Jana Liekam kennen, Paula Beer spielt die Hauptfigur mit der richtigen Mischung aus Unterkühltheit und Emotionalität. 

Wegen eines Fehlers verliert Liekam ihren Job bei einer luxemburgischen Bank – doch angesichts ihres Talents verschafft ihre Chefin, Christelle LeBlanc, gespielt von Desirée Nosbusch, ihr einen neuen Job in Frankfurt, bei einer Großbank namens Global Invest.

"Wollen Sie Karriere machen… natürlich… Wofür? Ich will von Ihnen wissen, warum ich gefeuert werde… wenn Sie wollen, können wir das heute Abend besprechen… kein Wort zu niemandem."

Duell zweier skrupelloser Frauen

Was nun folgt, ist ein Duell zweier Frauen, die über zwanzig Jahre Altersunterschied trennt, nicht aber ihre Skrupellosigkeit und ihr Ehrgeiz beim Kampf um Macht, Geld und Position. Der neu vermittelte Job in Frankfurt entpuppt sich als absichtsvolles Manöver: Le Blanc will von ihrem Protegée Liekam als Gegenleistung Informationen aus der Bank Global Invest.

Doch Liekam entwickelt eigene Pläne.

"Du legst dich mit mir an… Nein, ich besorg dir einen Job, biete dir Leipzig an, Sie haben mir den Tipp gegeben, es war schwierig… ach sei doch nicht so dumm Jana, in einer Woche lieferst Du mir die ersten Informationen über die Bilanz, wenn Du noch einmal meine Gutmütigkeit ausnutzt, dann säge ich Dich ab, ich sorge dafür dass Du in der gesamten Branche nie wieder einen Job bekommst. Ich halte immer mein Wort, Du solltest lernen, es auch zu tun."

Haupthandlungsstrang von "Bad Banks" ist ein Finanzierungsprojekt eines neuen Stadtteils in Leipzig, bei dem innerhalb von nur wenigen Wochen mehrere Milliarden EUR als Investmentsumme zusammengetragen werden müssen.

Um das zu erreichen, kämpfen die Banker, allen voran Jana Liekam, mit allen Mitteln: mit Druck auf die Mitarbeiter, Investoren, einem Arbeitspensum von fast 24 Stunden, und wenn es darauf ankommt, auch mal mittels eines Besuchs einer Schwulenbar, um einen Geldgeber gefügig zu machen.

Diese Methoden kommen bei Liekams Chef nicht immer gut an.

"Du kannst nicht 90 Prozent von mir verlangen, ich kann nur 100. Und wenn Deine beschissenen 100 Prozent nicht reichen… verlierst du den Arsch oder die Bank? Geht’s hier um Dich Jana, deine Chance, was Tolles zu reißen… deine beschissene Karriere, dann merk Dir bitte eins: Du bist mir scheißegal, es geht mir einzig und allein um diese Bank."

Nosbusch hatte schon deutlich weniger komplexe Rollen

Doch ist all das so realistisch? Sicher ist manches etwas überzeichnet, die beiden weiblichen Hauptfiguren sind zuweilen etwas sehr harsch porträtiert ­– allerdings ist gerade die Darstellung von Desirée Nosbusch als Christelle LeBlanc faszinierend. Die Nosbusch hatte in der Vergangenheit oft deutlich weniger komplexe Rollen. 

Obwohl der Zweikampf der Frauen natürlich dramaturgisch reizvoll ist, wollte Regisseur Christian Schwochow, so erzählt er, die Banker nicht als die alleinigen "Bad guys" darstellen, die Finanzwelt sei da schon vielschichtiger.

"Mir sind sehr viele Leute begegnet, die sehr gebildet sind, das fand ich auch erstmal besonders, dass meine eigenen Bilder so nicht stimmen so einfach, um dann aber herauszufinden, dass das trotzdem so schiefläuft, dass so eine Bank wie Lehman einfach umfällt und viele andere in so einen Strudel reißen kann und die ganze Welt leidet darunter."

Die Recherche war eine Herausforderung

Die Produzentin Lisa Blumenberg ergänzt, dass die Recherche für die Serie durchaus eine Herausforderung war, denn die Finanzbranche ist eine verschlossene Welt, einfach so Interviews zu führen, war da nicht möglich.

"Irgendwann fängt man an, ein Netzwerk zu haben in dieser Welt, also war das durchaus teilweise eine investigative Recherche und wir hatten vor allen Dingen im Laufe der Zeit Dutzende von Hintergrundgesprächen geführt, auf allen Ebenen der Bankenwelt, so auch von ganz jungen Studentinnen, die gerade so auf dem Sprung waren, ihre ersten Praktika bei JP Morgan gemacht haben, bis zur Vorstandsetage."

Diese Rechercheleistung merkt man der Serie an: wie hier gekämpft, intrigiert, gekungelt und getrickst wird, ist spannend und überzeugend inszeniert. Auf der privaten Ebene der Figuren bleibt manches im Dunkeln und erscheint weniger plausibel, doch das sind lässliche kleine Schwächen.

"Bad Banks" vermag zu zeigen, wie modern auch deutsche Serienmacher arbeiten können, übrigens auch visuell: Die unterkühlte Bankenwelt kommt oft des Nachtens daher, wenn blau-braunes Licht die Kulissen und Charaktere zusätzlich verdüstert. "Bad Banks" ist also durchaus schon jetzt als eines der Serienhighlights des Jahres 2018 zu bezeichnen. 

Bad Banks (Regie: Christian Schwochow) 
Donnerstag ab 20 Uhr 15 auf ARTE, ab Samstag dann im ZDF. 
Alle Folgen sind vorab bereits in der ZDF-Mediathek verfügbar. 

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