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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.04.2016

Fernand Léger im Museum Ludwig in KölnEin auf Architektur versessener Visionär

Von Rudolf Schmitz

 Das Museum Ludwig, im Hintergrund der Kölner Dom (picture alliance / dpa)
Die Kuratorin Katia Baudin hat mit der Léger-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig einen Protagonisten der Moderne wiederentdeckt. (picture alliance / dpa)

Zum 30. Jubiläum zeigt das Museum Ludwig in Köln eine Ausstellung mit Werken von Fernand Léger. Denn der französische Maler ist der Schutzpatron des Museums. 1986 hatten Peter und Irene Ludwig ein monumentales Wandgemälde Légers für den gerade eröffneten Museumsbau erworben.

Fernand Léger gab sich nicht mit Kleinigkeiten ab. Das signalisiert die Kölner Ausstellung "Fernand Léger - Malerei im Raum" gleich zu Anfang. Mit einem Wandbild von fünf mal zehn Metern, genannt: "Kraftübertragung". Léger malte es zusammen mit seinen Studenten für die Weltausstellung von Paris im Jahr 1937. Das Bild zeigt Fabrikelemente, einen Fluss, einen Regenbogen und feiert den Kreislauf von Natur und Technik. Weiter geht’s mit riesigen Projektionswänden, mit Filmen von Léger. "Ballet mécanique" von 1925...

"Ja, ich glaube, das werden die Besucher nicht unbedingt erwarten, wenn sie eine Lèger-Ausstellung besichtigen, aber tatsächlich war Léger auch ein großer Filmemacher. Er war sogar einer von den ersten Künstlern, die diese Technik überhaupt verwendet haben. Anfang der 20er-Jahre hat er einen Film gedreht, der heißt 'Ballet mécanique', mechanisches Ballett. Es läuft wie eine abstrakte gegenstandslose Komposition sozusagen".

Die französische Kuratorin Katia Baudin will uns nicht den Staffeleimaler Léger zeigen. Sondern einen Künstler, der die Bilder zum Laufen brachte, der sie als riesige Wandgemälde in Wohnungen, Schiffe, Architekturen einpflanzte, der mit befreundeten Architekten Pläne schmiedete, um der Farbe ihre Freiheit zu geben. 

"Ich denke, das wird schon viele Besucher überraschen. Nämlich viele, wenn die an Léger denken, denken an eine eher figurative Malerei, mit Personen oder Objekten. Und in Wirklichkeit entdeckt man durch diese Ausstellung: Er wollte wirklich die Farbe in unseren Alltag bringen. Ob das im Innenraum ist, zum Beispiel in unsere Häuser oder draußen auf den Wänden unserer Städte. Das war für ihn so eine Art Lebensziel, weil für ihn war Farbe genau so wichtig wie das Feuer oder Farbe oder wie das Essen". 

Möbel von Le Corbusier in Ausstellung integriert

Ein spektakuläres Beispiel für Légers Neigung zur Architektur ist das Wandbild "Les Plongeurs", die Taucher, das man vielleicht sonst vom Treppenhaus des Museum Ludwig kennt. In einem Format von vier mal zehn Metern zeigt es in schwarz-weißer Ausführung badende, durcheinander wirbelnde Männer- und Frauengestalten. Léger hatte es 1942 für das Privathaus von Wallace K. Harrison entworfen. Jetzt wird es in einer halbrunden Wandkonstruktion gezeigt, genau wie in der großzügigen Wohnung des amerikanischen Architekten. Doch damit nicht genug...

"Außerdem haben wir in diesem Raum grade vor diesem großen Wandgemälde eine Sitzecke eingerichtet, wie es auch der Fall war bei Wallace Harrison. Wir haben bestimmte Designobjekte und Möbel von Le Corbusier und Perriand integriert, eben zwei Protagonisten, mit denen Léger eng befreundet war und mit denen er öfters zusammen gearbeitet hat. Und natürlich dürfen die Besucher sich da hinsetzen..."

Doch selbst das großzügige Ambiente des amerikanischen Architekten wäre von einem farbigen Wandgemälde dieser Größe erschlagen worden. Deshalb verzichtete Léger auf die ursprünglich vorgesehen Farbe, weshalb wir es heute nur in Schwarzweiß kennen. 

Léger wollte Farbe in den Alltag der Menschen bringen

Es ist eine Ausstellung voller Entdeckungen, mit einzigartigen Exponaten. Nicht nur mit einem monumentalen, farbkreischenden Wandbild für ein Passagierschiff, sondern eben auch mit Entwurfszeichnungen für Architekturprojekte. Wie das Studentendorf in Südfrankreich, das Léger im Auftrag eines brasilianischen Zeitungsmagnaten farbig gestalten sollte.  

"Er kam zu Léger und sagte: Hör mal, ich würde gern in Südfrankreich ein Dorf haben, wo eben brasilianische Studenten verweilen können, die hier in Frankreich studieren und ein paar Monate verbringen. Und Léger, er hat einen Architekten dazu geholt, Andre Bruyere, ein Franzose, und die haben dann gemeinsam ein regelrechtes Dorf, ein urbanes Projekt in Südfrankreich konzipiert. Und Léger hat überall die Farbe gebracht, sowohl in den Innenräumen wie in den Außenräumen". 

Katia Baudin hat mit dieser Ausstellung im Kölner Museum Ludwig einen Protagonisten der Moderne wiederentdeckt. Sie zeigt ihn nicht als Klassiker der kleinformatig ausgeruhten Kompositionen, sondern als einen Architektur versessenen Visionär, der mit seiner Farbe das Leben der Menschen verändern wollte. Als Künstler, der sich leidenschaftlich in den Tumult der Moderne stürzte.

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