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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 28.02.2018

Feministin Zana Ramadani"Bei misslungenen Komplimenten können wir uns wehren"

Moderation: Ulrike Timm

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Die Autorin und Politikerin Zana Ramadani (imago stock&people)
Die Autorin und Politikerin Zana Ramadani (imago stock&people)

Zana Ramadani protestierte als Aktivistin der feministischen Gruppe "Femen" gegen eine Normierung des weiblichen Körpers. Jetzt hat sie ein Buch über Sexismus geschrieben - und fordert darin von den Frauen selbst Verantwortung.

Schlagzeilen machte Zana Ramadani zum ersten Mal mit ihrem oben-ohne-Auftritt bei "Germany's Next Topmodel" - als Aktivistin der feministischen Gruppe "Femen" protestierte sie gegen eine Normierung des weiblichen Körpers in dieser Sendung.

"Auf diese Art und Weise zu protestieren war für mich als Frau auch eine Befreiung."

Jetzt hat sie ein Buch mit dem Titel "Sexismus: Über Männer, Macht und #Frauen" geschrieben, das am heutigen Mittwoch erschienen ist, und in dem sie Joachim Gauck sexistisches Verhalten ihr gegenüber bei einer Veranstaltung im Schloss Bellevue vorwirft. Sie nimmt aber auch die Frauen selbst in die Verantwortung.

"Es geht darum, was uns im Alltag Sexismus bedeutet und wie wir Frauen auch damit umgehen müssen, und wo wir uns wehren können, und wo wir uns nicht wehren können. Und bei misslungenen Komplimenten und bei Verbalem können wir uns wehren, und das müssen wir Frauen leider auch tun."

Verantwortung muslimischer Frauen in der Erziehung

Wobei sie die aktuelle #MeToo-Diskussion aber auch kritisch sieht.

"Ein Teil der #MeToo-Debatte hat mich genervt, einfach aus dem Grund, weil jedes misslungene Kompliment in den Topf, wo Vergewaltigung drin ist, mit reingeworfen wurde und alles in diesem Topf drin ist."

Die nicht unumstrittene Autorin ist Tochter mazedonischer Einwanderer und traditionell islamisch erzogen worden. Mit diesem Hintergrund hat sie sich intensiv mit der Rolle der muslimischen Frauen bei der Aufrechterhaltung eines patriarchalischen Weltbilds auseinandergesetzt.

"Es geht darum, dass in diesem Kulturkreis, gerade sehr patriarchalischen Kulturkreisen, Frauen eigentlich schon sehr viel Macht haben, einerseits nicht - im öffentlichen Leben nicht, sie sind einerseits Opfer -, aber andererseits auch Täterin ab dem Zeitpunkt, wo sie erziehen. Und die Frage ist immer, was eine Frau als richtig empfindet und wie emanzipiert sie ist und was sie erzieht. Und ab dem Punkt, wo sie erzieht und die falschen Werte erzieht und auch gewalttätig erzieht, wird sie zur Täterin."

Ramadani ist CDU-Mitglied, arbeitet aktiv in der Frauenunion und versucht, feministische Themen in die Partei einzubringen.

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