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Interview | Beitrag vom 31.03.2021

Feminismus und CoronaRolle rückwärts in Sachen Geschlechtergerechtigkeit

Regina Frey im Gespräch mit Axel Rahmlow

Eine Hand in rotem Putzhandschuh mit Schwamm auf pinkem und grünem Hintergrund. (imago/Panthermedia/nndanko)
Ob in Sachen Haushalt, Lohn, Gehalt oder Karriere: Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist noch längst nicht erreicht. (imago/Panthermedia/nndanko)

Corona hat die Gleichberechtigung der Frauen weltweit um Jahrzehnte zurückgeworfen. Die Politologin Regina Frey fordert, die Rahmenbedingungen zu ändern, die hierzulande Anreiz zu Ungleichheit geben – zum Beispiel das Ehegattensplitting.

Quizfrage: Wie lange dauert es, bis es eine absolute Gleichstellung in den Bereichen wirtschaftliche Teilhabe und Chancen, Bildungsniveau, Gesundheit sowie politische Ermächtigung – gibt? Na? 135,6 Jahre! Diese ernüchternde Zahl stammt vom Global Gender Gap Report 2021.

Frauen stärker von Coronamaßnahmen betroffen

Damit hat sich die Zeit, die es braucht, um die Gerechtigkeitslücke zwischen den Geschlechtern zu schließen, um eine ganze Generation verlängert. "Das ist natürlich frustrierend, dass sich der Zeitraum nicht verkürzt, sondern tatsächlich verlängert", sagt Regina Frey, Gleichstellungsberaterin für Politik und Verwaltung. Allerdings sei dies ein globaler Wert und in Deutschland würde nicht ganz so schlecht dastehen. Trotzdem: "Unter dem Strich ist das zu lang."

Der Grund für den Rückschritt in Sachen Geschlechtergerechtigkeit? Die Pandemie. Sie sorgt dafür, dass Frauen öfter in Berufszweigen arbeiten, die am stärksten von den Schließungen aufgrund von Covid-19 betroffen sind – wie zum Beispiel dem Konsumsektor.

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Meistens pflegen Frauen die Angehörigen und dann ist da noch die Sache mit dem "bisschen Haushalt" und der Kinderbetreuung. Darum kümmern sich Frauen überproportional, da Betreuungseinrichtungen pandemiebedingt geschlossen wurden oder waren.

Corona verstäkt die Ungleichheit

"Das Bild vom Brennglas, dass die Coronapandemie Ungleichheiten verstärkt, das gilt auch für Geschlechterverhältnisse so", betont Frey. Studien würden zeigen: Haben Frauen schon vor der Pandemie den Großteil der Betreuungsarbeit übernommen, verstärke sich diese Ungleichverteilung in der Krise zusätzlich. Waren die Aufgaben bereits vorher gleichmäßiger zwischen Mann und Frau verteilt, sehe es auch in der Krise in Sachen Geschlechtergerechtigkeit besserer aus.

Platz in der Arbeitswelt von morgen

Vor allem in Sachen Lohngleichheit bei vergleichbarer Arbeit schneidet Deutschland in der Studie schlecht ab: Platz 97 von 156 Ländern. Die Lücke betrage hier 38,6 Prozent. Das durchschnittliche Einkommen von Frauen sei in Deutschland rund 30,2 Prozent niedriger als das von Männern.

Und: Frauen sind in Ingenieurberufen, in der Datenverarbeitung und in dem Arbeitsbereich künstlichen Intelligenz sehr wenig vertreten. "Wenn wir zukünftig eine dynamische Wirtschaft wollen, müssen Frauen unbedingt einen Platz in der Arbeitswelt von morgen erhalten", sagt Saadia Zahidi, Geschäftsführerin beim Weltwirtschaftsforum.

Aber wie schaffen wir die strukturellen Veränderungen? "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", betont Frey. Dabei müssten in Deutschland vor allem die Rahmenbedingungen geändert werden, die einen Anreiz zu Ungleichheiten geben: zum Beispiel beim Thema Ehegattensplitting oder bei einer beitragsfreien Mitversicherung, die ungleiche Verdienstverhältnisse der Ehepartner begünstigen.

(Boussa Tham / lkn / dpa)

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