Seit 17:05 Uhr Studio 9

Freitag, 22.02.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.08.2018

"Female Pleasure" beim Filmfestival in LocarnoGegen die Missachtung des weiblichen Körpers

Barbara Miller im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Podcast abonnieren
Barbara Miller, Regisseurin des Films "Female Pleasure" sitzt vor Reihen von gelben Stühlen und hält eine Fingerpuppe auf dem rechten Zeigefinger hoch.  (copyright Massimo Pedrazzini)
Regisseurin Miller über Sexualität in der japanischen Gesellschaft: "Unglaublicher Widerspruch" (copyright Massimo Pedrazzini)

In der Dokumentation "Female Pleasure" der Regisseurin Barbara Miller geht es um weibliche Lust, um Vagina und Klitoris. Und um fünf Frauen, die sich gegen Sexismus und brutale Traditionen wehren. In Locarno feierte der Film jetzt Weltpremiere.

Werbung ist nicht selten sexistisch. Der Trailer zum Dokumentarfilm "Female Pleasure" zeigt, wie unverhüllt obszön bekannte westliche Mode-Labels den weiblichen Körper zur Schau stellen.

Gedreht hat den Film die Schweizer Regisseurin Barbara Miller. Sie wurde damit zum Filmfestival nach Locarno eingeladen. Fünf Frauen werden in dem Streifen porträtiert, die gegen die Missachtung des weiblichen Körpers kämpfen.

Vergewaltigungen im Kloster

Miller hat ihre Protagonistinnen auf verschiedenen Wegen gefunden - die indische Aktivistin über eine Plattform, die deutsche Protagonistin Doris durch deren Buch, in dem sie beschreibt, wie sie als Nonne im Kloster vergewaltigt wurde.

Die Manga-Künstlerin Rokudenashiko läuft in einer Gruppe von Männern und Frauen eine Strasse hinunter. (Locarno Filmfestival - Press Kit)Die Manga-Künstlerin Rokudenashiko: Vagina als Straftat (Locarno Filmfestival - Press Kit)
Die Manga-Künstlerin Rokudenashiko aus Japan berichtet in dem Film von Comics, in denen Kinder vergewaltigt werden. Zensur? Fehlanzeige. Der 3D-Print ihrer eigenen Vagina wurde hingegen als Straftat gewertet, Rokudenashiko musste sich vor Gericht verantworten.

"Es ist ein unglaublicher Widerspruch. Die japanische Gesellschaft ist sehr besessen von Sexualität und von Pornografie, aber die weibliche Lust oder das weibliche Sexualorgan, das weibliche Empfinden hat in dieser Kultur einfach keinen Platz", sagte Miller im Deutschlandfunk Kultur.

Durch Aufklärung die brutale Tradition brechen

Auch Leyla Husseini wird in dem Film vorgestellt. Die Londonerin engagiert sich gegen Genitalverstümmelung und leitet inzwischen Programme in zehn afrikanischen Ländern.

Leyla Husseini sitzt im Kreis umgeben von afrikanischen Frauen in traditionellen Gewändern (Locarno Festival Press Kit)Leyla Husseini bei der Aufklärung: Sie wurde selbst als siebenjähriges Mädchen genital beschnitten (Locarno Festival Press Kit)

Miller: "Das Problem ist ja - wie das Leila auch nennt - die Gehirnwäsche. Als gute Mutter oder gute Großmutter muss man das machen, weil die Mädchen sonst als unrein oder als unwert gelten. Und die Tradition wird nicht hinterfragt. Weil die ganze Gesellschaft in einem großen Einverständnis darüber ist, dass man das einfach machen muss."

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsBetrüger überall!
Das Bild zeigt eine Zeichnung, in der ein Mann sich eine Maske vor das Gesicht hält. (imago stock&people)

Die Feuilletons beschäftigen sich mit dem Claas Relotius der "SZ": Ein Autor soll seine Texte für das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" teilweise erfunden haben. Außerdem im Fokus: der "Putinismus" und Mauscheleien bei der Vergabe der Fußball-EM 2024.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 11Von Vielfalt und Verstärkung
Ein Darsteller des Musicals "Miss Saigon" mit einem angeklebten kleinen Stirnmikrofon steht am 25.01.2019 in Köln bei einem Fototermin auf der Bühne. (imago / Horst Galuschka)

Wer spricht wie auf deutschen Bühnen? Es gibt zwar immer mehr Schauspieler*innen mit angeklebten Mikrofonen, aber noch zu wenige aus benachteiligten Gruppen. Um Diversity und Mikroports geht es in Folge #11 des Theaterpodcasts.Mehr

Folge 10Wachgerüttelt, durchgeschüttelt
Eine Frau hat sich einen #MeToo-Schriftzug auf den Unterarm geschrieben. (imago stock&people)

Was bleibt im Rückblick auf die Debatten dieses Theaterjahres? #MeToo, ganz klar. Über Gleichstellung sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit France-Elena Damian vom Verein Pro Quote Bühne und diskutieren darüber, ob Theatermacher mit rechten Ideologen reden sollten.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur