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Interview | Beitrag vom 09.01.2019

FDP-Politiker zum Hurrelmann-Vorstoß"Ein verpflichtendes Praktikantenhalbjahr halte ich für falsch"

Jens Brandenburg im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Eine Auszubildende im Werkraum (imago)
Aus der Schule, ab ins Pflichtpraktikum? Der FDP-Politiker Jens Brandenburg lehnt den Vorschlag ab. (imago)

Berufsorientierung gehöre in die Schulen, sagt der FDP-Politiker Jens Brandenburg. Mit einem verpflichtenden Praktikantenhalbjahr, wie es der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann gefordert hatte, würde Lebenszeit junger Menschen "verstaatlicht".

Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, der am morgigen Donnerstag 75 Jahre alt wird, forderte jüngst in einem dpa-Interview bessere Angebote für Jugendliche zur Berufswahl und schlägt eine Art Pflichtpraktikum von einem ganzen oder einem halben Jahr für Schulabgänger vor.

Damit werde jungen Menschen Zeit gestohlen, glaubt hingegen der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg. In Zeiten eines Fachkräftemangels in fast allen Branchen sei es nicht sinnvoll, Schulabgänger ein weiteres Halbjahr von Arbeit und Beruf abzuhalten, sagte Brandenburg in Deutschlandfunk Kultur. Er ist Sprecher für Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen der FDP-Fraktion.

"Was Herr Hurrelmann im Kern fordert, ist ja nichts anderes als ein verpflichtendes Praktikantenhalbjahr, und das halte ich für falsch. Ich glaube, damit würde der jüngeren Generation ein weiteres Lebensjahr oder -halbjahr genommen und verstaatlicht."

Berufsvorbereitung systematischer in den Lehrplänen verankern

Eine "Zwangsbeglückung junger Menschen" werde nicht gebraucht, betonte Brandenburg. Junge Menschen seien selbst in der Lage zu entscheiden, ob sie nach dem Schulabschluss berufliche Orientierung brauchen oder direkt mit Ausbildung oder Studium beginnen.

Jens Brandenburg (FDP) spricht am 26.04.2018 in Berlin im Plenum im Bundestag bei der Debatte zum Berufsbildungsbericht 2018. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)Jens Brandenburg, FDP: "Es ist ja kein neues Phänomen, dass ältere Generationen glauben, dass die junge Generation mehr Orientierung und mehr Werte brauche." (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Der FDP-Politiker forderte hingegen, die Berufsvorbereitung systematischer in den Lehrplänen der Schulen zu verankern – und das nicht nur an den Sekundarschulen, sondern auch an den Gymnasium. Gerade an den Gymnasium seien Schülerinnen und Schüler allerdings "von Jahr zu Jahr mit größeren Anforderungen" konfrontiert, so dass die Berufsorientierung hinten  runterfalle, meinte er.

(huc)

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