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Einstand | Beitrag vom 02.03.2020

Faszination SchlagzeugVom Eigenleben der Klänge

Von Leonie Klein

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Ein goldfarbener Gong wird mit einem Schlegel aus Holz geschlagen. (imago images / INSADCO)
Ein Gong kann viele Klangfarben entfalten, je nachdem wie, wo und wodurch er einen Impuls erhält. (imago images / INSADCO)

Schlagzeuger sind Klangforscher und Alchemisten. In ihren Instrumenten steckt eine Vielfalt an Klängen und Geräuschen, die entdeckt werden wollen. Doch es ist weit mehr als der bloße Effekt, der einen Klang lebendig werden lässt.

"Zuerst klingen in meinem Kopf irgendwelche Klänge", sagt der japanische Schlagzeug-Guru Isao Nakamura, "die ich dann auf meine Instrumente übertrage".

Das Schlagzeug bringt eine unglaubliche Vielfalt an Klängen und Geräuschen mit sich, die besonders in der zeitgenössischen Musik zur Geltung kommen. Einer Musik, für die man sich Zeit nehmen und bei der man ganz genau hinhören muss, bei jedem einzelnen Klang. Denn gute Schlagzeuger begnügen sich nicht mit Perfektion, sie versuchen immer auch, ein Stück weiter zu gehen und zu denken und die Ästhetik von Klängen neu auszuloten. Das ist Herausforderung und Chance zugleich.

Klang durch Imagination

"Wenn man für Schlagzeug schreibt", sagt der Komponist Nicolaus A. Huber, "dann muss man sehr streng strukturieren, damit die Möglichkeit, mit einem Schlag einen riesen Effekt zu erzeugen, nicht einfach nur ein Effekt ist, sondern noch ein Gedanke bzw. jenseits des Schlages eine Auffassung" existiert. Diese künstlerischen Prozesse brauchen oft viel Geduld, denn Instrumente können durchaus auch "sturköpfig" sein. So zumindest erlebte es Nicolaus A. Huber bei der Arbeit an seinem Stück "Póthos", als die Instrumente tagelang einfach keinen Klang hergeben wollten, "bis ich eine Vorstellung hatte von einer fantastischen oder magischen Bibliothek … und dann kamen die verschiedenen Möglichkeiten und Klänge aus den Ledereinbänden, um Kontakt aufzunehmen. Da gab es plötzlich ein Leben im Instrument, vielleicht ein Sehnsuchtsleben."

Der Komponist Nicolaus A. Huber und die Schlagzeuger Isao Nakamura und Thomas Höfs erzählen davon, welche Sensibilität beim Hören von Klängen entwickelt werden kann, wenn der Zuhörer bewusst hört und es schafft, sich allein mit den Ohren auf das Phänomen Klang einzulassen. Die drei Musiker entdecken Eigenschaften von Schlagzeugklängen, die einfach und logisch erscheinen, aber am Ende genau das hörbar machen, was die zeitgenössische Musik ausmacht und was jedem von uns, ob Musiker*in oder nicht, im Alltag ständig begegnet: Die Lebendigkeit von Klängen.

Die Autorin dieser Sendung, Leonie Klein, ist Schlagzeugerin und Autorin. Am 5. Mai 2020 erhält sie den Mamlock-Solistenpreis für Interpret*innen zeitgenössischer Musik.  

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