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Kompressor | Beitrag vom 21.11.2019

Faszination AquariumWie Nemo ins Wohnzimmer kam

Von Sebastian Dörfler

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Ein orangefarbener Fisch schwimmt durch ein Aquarium. ( Unsplash / Delbert Pagayona )
Underwater Love: Aquarien machen das Meer erlebbar – wenn auch in domestizierter Form. ( Unsplash / Delbert Pagayona )

Aquarien bringen geheimnisvolle Unterwasserwelten ins Wohnzimmer. Die Faszination Aquarium entstand im 19. Jahrhundert – auch weil sie Hausfrauen Freiräume eröffnete. Aber ist es heute noch zeitgemäß, Fische in einem kleinen Glaskasten zu halten?

In einer der romantischsten Filmszenen aller Zeiten spielt ein Aquarium die heimliche Hauptrolle: In Baz Luhrmanns Version von "Romeo und Julia" werfen sich Leonardo DiCaprio und Claire Danes von den gegenüberliegenden Seiten eines Aquariums voller bunter Fische und Korallen schüchterne Blicke zu.

Die Faszination Aquarium, sie wird auch durch Filme befeuert: "Findet Nemo" etwa inspirierte Menschen, sich Fische ins Wohnzimmer zu holen. Erfunden wurde es von der Wissenschaftlerin Jeanne Villepreux-Power - ursprünglich zu Forschungszwecken, erzählt Christina Ertl-Shirley. Die Kuratorin und Klagkünstlerin hat rund um das Aquarium eine Kunstausstellung gestaltet. 

Freiraum für die bürgerliche Frau

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand erstmals eine wahre Aquarien-Manie: Die bürgerliche Hausfrau, beschränkt auf die eigenen vier Wände, konnte im Aquarium eine eigene Welt gestalten und dekorieren. Schon damals gab es Diskurse, wie ein gutes Aquarium aussieht, erzählt die Kunsthistorikerin Silke Förschler, Ratgeber gaben Tipps zur Möblierung.

Dekoriert wird das Aquarium bis heute – und das erstaunlich trendresistent: Am liebsten würden Aquarienbesitzer Schatztruhen, Skelette und Taucher kaufen, erzählt Gabriele Bernicke, Inhaberin eines Zoofachgeschäfts im Süden Berlins. Seit 42 Jahren kaufen Aquaristik-Fans bei ihr Dekoelemente. "Das Einzige, was sich verändert hat, ist der Aquarienkies", so Bernicke: Der sei heute farbig, früher weiß oder grau.

Heute wird es mitunter als Tierquälerei kritisiert, Fische in einem kleinem Glaskasten zu halten, deren Lebensraum die Weite des Meeres ist. Im 19. Jahrhundert stellten Aquarien aber tatsächlich einen Fortschritt dar, sagt Kunsthistorikerin Silke Förschler: "Da war die große tierfreundliche Errungenschaft im Unterschied zum Goldfisch im Glas." Mit dem Aquarium wurde damals zumindest versucht, die natürliche Umgebung nachzuahmen.

Moderation der Sendung: Shanli Anwar

(jfr)

"Power Cage - Experimentalraum Aquarium"22. November bis 7. Dezember 2019
State Studio, Berlin

 

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